Dardai: "Wir sind müde im Kopf"

(ub) – John Brooks war um 10 Uhr bereits fertig mit der Reha und brauste in seinem SUV die Hanns-Braun-Straße herunter. Andere Spieler waren da noch gar nicht auf dem Trainingsgelände. „Ich habe der Mannschaft frei gegeben“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai nach dem 0:2 bei RB Leipzig.

Frei meint bei einem Fußballprofi: kein Training.

Dardai: Die Jungs sind professionell. Alle kommen heute Vormittag her und lassen sich behandeln oder machen etwas für ihren Körper.

Gegenbauer in der Kabine

Präsident Werner Gegenbauer war da und sprach 20 Minuten mit dem Trainer.

Dardai: Nein, nein, keine Krise. Der Präsident kommt immer mal wieder vorbei und wir tauschen uns aus.

Julian Schieber hat sich in der Partie in Leipzig Adduktoren-Probleme zugezogen. Von den angeschlagenen Spielern (Sebastian Langkamp, Brooks) erwartet der Trainer für die Begegnung am Mittwoch gegen Darmstadt niemanden zurück.

Mitchell Weiser wird sich zu Wochenbeginn einer ausführlichen Untersuchung unterziehen. Erneut sei kein Faserriss festzustellen gewesen, sagte der Trainer. Da der Spieler aber nun seit Wochen Muskelschmerzen habe, müsse da etwas sein. Ob es sich um einen entzündeten Nerv handele, eine Fehlstellung … das müsse untersucht werden. Sollte Weiser grundsätzlich aus der Belastung genommen werden müssen, um neu aufgebaut zu werden, so Dardai, „kann das drei bei sechs Wochen dauern“.

Lob für Hegeler

Jens Hegeler stand erstmals in dieser Saison in der Startelf. So hat ihn sein Vorgesetzter gesehen:

Dardai: In den ersten zehn Minuten war Jens noch etwas unsicher. Danach hat er seine Sache überragend gemacht. Er war der beste Feldspieler bei uns.

Trotzdem setzt er vor allem auf den Faktor ‚Frische‘.

Dardai: Wir haben gegen Bremen und gegen Leipzig so gut wie keine Torchance herausgespielt. Das ist keine Frage der Taktik oder der Willens. Die Mannschaft wollte in Leipzig. Aber sie macht mir den Eindruck, als sei sie müde im Kopf.

Leipzig sei in Sachen Schnelligkeit klar überlegen gewesen. Vor allem über die linke Seite habe man gesehen wie es ist, „wenn man mit der Schnelligkeit nicht mithalten kann“. Von Marvin Plattenhardt sei keine Entlastung nach vorne gekommen, „weil der auf seiner Seite fast allein verteidigt hat.“ Ohne einen Namen zu nennen, war klar, wen der Trainer meinte: Salomon Kalou und dessen fehlende Geschwindigkeit.

Das ist korrekt beobachtet – aber auch nicht direkt eine neue Nachricht. Um die linke Seite zu stabilisieren habe Hertha zur Pause umgestellt (Kalou raus, Schieber von rechts nach links gezogen).

Allagui bei der U23

Gegen Darmstadt setzt Dardai auf frische Spieler. Er habe Sami Allagui gebeten, bei der U23 eine Stunde zu spielen.

Dardai: Kann gut sein, dass ich Sami gegen Darmstadt brauche.

Weitere Spieler, die gegen Leipzig nicht (oder nicht so lange) im Einsatz waren: Vladimir Darida, Per Skjelbred, Valentin Stocker und Alexander Esswein.

Dardai: Wir haben genügend frische Spieler für die Offensive.

Der Banner, der im Hertha-Block gezeigt worden war („Ey Ralf wir warten sehnsüchtig auf deinen nächsten Burnout“) stieß beim Trainer auf Unverständnis.

Dardai: Egal, wie ich zu jemandem stehe, und wenn es mein schlimmster Feind wäre: Ich würde nie jemandem eine Krankheit wünschen. Das macht man nicht, das bringt Unglück.

Das letzte Wort für heute hat Ante Covic, Trainer der U23: