Dardai sortiert Baumjohann aus, Brooks droht auszufallen

(mey) – Der rechte Zeigefinger wog von rechts nach links, was in jeder Sprache der Welt soviel heißt wie: „Nö!“ Alexander Baumjohann hatte keine Lust zu erklären, wie er die Sache sieht. Der 29-Jährige wollte nichts dazu sagen, dass er den sogenannten „Hügel der Leiden“ hoch und runter rennen und allerhand Liegestütze machen musste, während etwa 50 Meter weiter auf dem Schenckendorffplatz seine Kollegen Fußball spielen durften. Pal Dardai hatte den Mittelfeldspieler aussortiert – zumindest für diese erste Trainingseinheit der Woche am Montag.

Wenn Baumjohann nicht spricht, fragt man eben den Trainer nach seiner Meinung. Und der erklärte die Maßnahme so:

„Ich wollte eine Spielform 11 gegen 11. Und da war kein Platz für Baumi. Auf seiner Position haben wir sehr viele Spieler. Und als Innenverteidiger oder Rechtsverteidiger will ich ihn nicht aufstellen. Deshalb hat er eine fußballspezifische Einheit gemacht. Die bringt ihm mehr.“

Natürlich versucht der Ungar, die Sache nicht allzu groß werden zu lassen. Er weiß ja, dass schlechte Stimmung im Team das ganze Unterfangen Bundesliga gefährden kann. Aber andererseits steckt auch eine Botschaft hinter der Maßnahme: Im Moment brauche ich dich nicht.

Unter den 22 Profis, die spielen durften, waren Florian Kohls, Mike Owusu, Sinan Kurt und Nico Beyer. Nach dem Training twitterte Baumjohann übrigens das hier:

UPDATE:

In der „Bild“ (Mittwochausgabe) äußert sich Baumjohann jetzt doch. Dort sagt er:

„Der Trainer wollte unbedingt, dass ich verlängere, sagte mehrmals, dass ich hier der beste Fußballer bin. Zwei Wochen vor Ende der Transferperiode wurde dann plötzlich mein Berater kontaktiert und über eine mögliche Trennung diskutiert. Mit mir persönlich wurde nicht gesprochen. Das finde ich etwas verwunderlich.“

Warum er Hertha nicht einfach verlassen habe, wird Baumjohann gefragt:

„Weil ich das Gefühl habe, dass ich bei Hertha noch nicht fertig bin.“

Er werde jetzt jeden Tag Gas geben, „bis der Trainer nicht mehr an mir vorbeikommt“.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dardai besonders amüsiert über das Interview ist.

Von gutem und schlechtem Essen

Am Sonntag hatte Dardai das Beispiel Baumjohann angeführt, als es um Julian Schieber ging: Der Mittelfeldspieler hätte in der vergangenen Saison irgendwann seine Jokerrolle nicht mehr akzeptieren wollen, was ihm und dem Team geschadet habe. Dies solle Schieber (zwei Tore bisher in der Saison nach Einwechslungen) vermeiden.

War das „Einzeltraining“ also noch einmal eine Ansage Richtung Baumjohann, dass dieser sich bitteschön etwas mehr reinhauen müsse, um unter die ersten 22 zu kommen, wurde Dardai gefragt: „Nein. Baumi macht schon mehr.“ Und dann kam Dardai auf einen Vergleich, um zu erklären, dass jeder seine Rolle im Team akzeptieren müsse:

„Wenn du dein Essen genießt, schmeckt es dir auch. Wenn du aber schon haderst, schmeckt es dir auch nicht.“

Man muss es eigentlich ja anders sehen: Wenn dir dein Essen schmeckt, genießt du es auch. Wenn nicht, dann nicht. Und Baumjohann hat seine Rolle eben nicht mehr geschmeckt.

Warum verlängerte Hertha mit Baumjohann?

Aber warum hat Hertha dann den Vertrag mit ihm verlängert, wenn der Trainer ihn nicht gebrauchen kann? Von heute aus betrachtet wirkt das wie eine kapitale Fehlentscheidung.

Hintergrund: Eigentlich haben die Berliner dem Spielmacher sogar zwei Jahre angeboten, und Baumjohann selbst hat einen Ein-Jahres-Vertrag favorisiert.

Eine Theorie lautet so: Wenn wir davon ausgehen, dass sie sich bei Hertha schon ihre Gedanken gemacht haben, bevor sie Baumjohann ein neues Arbeitspapier angeboten haben, gibt es eigentlich nur eine logische Erfahrung:

Mitte März, als er seinen neuen Vertrag unterschrieben hat, lag Hertha noch voll auf Europapokal-Kurs. Für eine solche Doppelbelastung hätten die Berliner einen deutlich tieferen Kader benötigt. Und Manager Michael Preetz hat sich vielleicht gedacht: Wie viel kostet es uns, einen ähnlich guten Spieler zu kaufen? Ist das günstiger, als mit Baumjohann zu verlängern? Und würde der dann im Herbst, wenn die vielen englischen Wochen anstehen, sofort weiterhelfen?

Nun hat Hertha Europa aber vergeigt, der Kader muss nicht mehr so breit sein, weil wesentlich weniger Spiele zu spielen sind. Für Baumjohann ist die Chance zu spielen, dadurch noch geringer geworden. Und falls er überhaupt eine hat, dann nur durch besondere Trainingsleistungen. Da scheinen jedoch nicht da zu sein.

Das ist eine Theorie. Kann stimmen, muss aber nicht. Eure Meinung?

Skjelbred mischt mit, Weiser nicht

Kommen wir zum Abschluss noch auf weitere Personalien zu sprechen: Am Montag nicht mittrainieren konnte John Anthony Brooks. Der Innenverteidiger, der gegen Ingolstadt ein starkes Spiel zeigte, laboriert an einer Muskelverletzung im Oberschenkel. Dardai sagte:

„Kann eng werden für Schalke.“

Ebenso nicht draußen waren Sebastian Langkamp (Rückenprobleme) und Mitchell Weiser. Der Flügelspieler hat noch mit seiner Fußprellung zu tun. Dardai sagte dazu:

„Wir haben den Fuß untersucht. Es ist nichts gebrochen oder gerissen. Jetzt warten wir ab, dass die Schwellung zurück geht. Es kann sein, dass er morgen oder übermorgen wieder trainiert.“

Hört sich eher so an, als dass da was geht fürs Schalke-Spiel.

Am Mittwoch trainieren die Berliner um 10 Uhr auf dem Schencke. Wir schauen für euch bin.