Der harte Kern bleibt der harte Kern - auch bei Hertha

(jl) – Noch immer spielfrei in Frankreich. Off-Tage wie der heutige Freitag bringen es ja nicht selten mit sich, dass die Temperatur in der Gerüchteküche ansteigt. Spanische Medien wollen beispielsweise wissen, dass Toni Kroos an einer Rückkehr zum FC Bayern interessiert sei. Nun ja.

Auch im Hertha-Kosmos wurden am Freitag ein paar Transfer-Thesen gesichtet. Roy Beerens scheint auf dem Wunschzettel seines Ex-Trainer Jos Luhukay zu stehen. Berater Dick van Burik bestätigt eine Anfrage aus Stuttgart. Quelle: hier.

Gerüchte um Beerens und Brooks

Ein Wechsel, der für beide Seiten plausibel erscheint. Bei Hertha spielte Beerens (28) bei zwei Saisoneinsätzen 2015/16 keine Rolle mehr, und Luhukay bliebe seinem Vorgehen treu, bevorzugt auf Spieler zu setzen, die er bereits kennt.

US-Medien spekulieren derweil über das Interesse mehrerer Premier-League-Klubs an John Brooks – unter Berufung auf diese Quelle vom Dienstag. Ein Gerücht, das nach Brooks‘ starker Copa nicht absurd erscheint, aber sehr vage bleibt.

Kommen wir zu konkreterem Material – einem weiteren Gastbeitrag. Vorhang auf!

Die klare Grenze des Wachstums

Von @Micha

Fußball ist Leidenschaft, heißt es gern. So weit, so gut.

Hertha rechnet im Olympiastadion mit gut 49.000 Zuschauern im Schnitt. Es wird kaum einen Spieltag geben, an dem exakt diese Zahl erreicht werden wird. Es wird so sein wie im vergangenen Frühling.

An vielen Tagen lag die Temperatur unter dem langjährigen Mittel. Es war zu kalt und zu nass. Dann gab es paar Ausreißertage, so dass es statistisch vermutlich wieder stimmt. In positiver Erinnerung wird der Frühling jedoch bei mir nicht bleiben.

Wo soll der Zauberfußball herkommen?

Die Mitgliederzahlen des Vereins zeigen eine erfreuliche Tendenz. Der „harte Kern“ ist in seiner Größe jedoch bekannt. Manche meinen, Hertha BSC müsse nur kontinuierlich besseren Fußball spielen, dann strömen die Massen. Doch wo soll der Zauberfußball herkommen?

Die Berliner Symphoniker haben ihren eigenen Charakter, so wie fast jedes größere Orchester. Da ändert auch ein Wechsel des Dirigenten nicht viel daran. Hertha wird das erste Saisonziel „Klassenerhalt“ bestimmt nicht erzaubern, sondern erarbeiten. Wie viele werden diesen Kampf mit Leidenschaft die nächsten Jahre begleiten?

Zugezogene bleiben Zugezogene

Man kann mehrere Hobbys haben, man kann für mehrere Personen und Dinge Sympathien empfinden, aber leidenschaftliche Liebe kann es nur konkurrenzlos und ohne Rivalen geben.

Jeder von uns, der verheiratet ist, wird von seinem Partner Ausschließlichkeit erwarten. Kann man von den vielen zugezogenen Berlinern, die vor ihrem Zuzug fußballgeprägt waren, erwarten, dass sie sich für Hertha BSC erwärmen, geschweige denn begeistern?

Ich meine: nein. Hin und wieder mögen sie als Eventpublikum im Olympiastadion aufschlagen mit der Begeisterung, die ich habe, wenn ich meine Frau in einen Schuhladen begleite.

Werben um neue Zuschauer bleibt erfolglos

Nachdem ich selbst nun aus beruflichen Gründen mehr als 20 Jahre fernab von meiner Geburtsstadt Berlin lebe, kann ich die Auswirkungen des Werbens des hiesigen süddeutschen Vereins um meine Fußballleidenschaft gut einschätzen. Es bleibt erfolglos.

Von Kind an gehört meine Leidenschaft Hertha BSC. Leider habe ich nur bei einigen wenigen Gastspielen unsere Hertha im Süden der Republik die Möglichkeit, Leidenschaft live und nicht vor dem Fernseher zu genießen. Bei über 700 Kilometer Anreise ein, wenn günstig vom Terminplan gelegen, zwei Heimspiele unserer Hertha.

Die Leidenschaft gehört dem Erstverein

Hin und wieder war ich also hier live dabei, wenn ich Lust auf Live-Fußball hatte, der hiesige große Fußballverein der Landeshauptstadt Baden-Württembergs spielte und für mich Hertha BSC unerreichbar war. Mit Leidenschaft? Höchstens wenn sie einem unserer Erzfeinde, die zu Gast weilten, einen eingeschenkt haben.

Dabei bin ich durch viele Gespräche mit fußballinteressierten Kollegen, Nachbarn und Freunden gut informiert und kann mitgehen bei Gesprächen darüber, dass die Aufgabe deren Präsidenten richtig war, dass man den Sportvorstand richtigerweise zum Gehen bewegt hat, und so weiter. Auch deren Jugendarbeit ringt mir allen Respekt ab. Aber Trauer über deren Abstieg? Fehlanzeige.

Spott und Häme als Hertha-Fan

In der Fremde muss man viel Spott und Häme als Hertha-Fan einstecken. Das bleibt. Also ist bei mir nun eher Schadenfreude dabei. Werde ich zukünftig deren Zweitligaspiele besuchen?

Höchstens als „Schaulustiger“ auf einem sicheren Tribünenplatz, wenn sie sich im Derby mit unseren befreundeten KSC´lern kloppen und vermutlich für jeden Stadionbesucher ein Polizist abgestellt werden muss. Aber da bleibe ich vielleicht dann auch besser fern.

Berliner sind einmalig

Was erwarte ich also in Berlin in Sachen Zuschauerentwicklung? Der harte Kern wird bleiben. Vielleicht gewinnt man die zweite Generation der Zugezogenen. Und den einen oder anderen, der sich von unserem ureigenen Berliner Flair anstecken lässt. Wir Berliner sind nun mal einmalig.

45.000 Zuschauer – das ist wohl dennoch eine reelle Zahl für ein Heimspiel, auch bei all der Konkurrenz von Veranstaltungen. Die Zerfledderung der Spieltage und mehr Ansetzungen unter der Woche werden zudem ihren Tribut fordern.

Lieber ein kleineres Stadion und 17 Mal volle Hütte

Ein kleines, feines Stadion an dem der geneigte Dauerkarteninhaber 17 Mal „volle Hütte“ und eine super Stimmung erleben kann, ist doch allemal mehr wert, als wenn man ein, zwei Mal im Jahr mit mehr als 74.000 Zuschauern und einer ehrbaren Niederlage oder einem Null zu Null gegen die Branchenführer prahlen kann.

Mein Fazit: Anpassung des Olympiastadions oder Neubau in realistischer, vermarktbarer Größe. Auch wenn ich dann bei meinem jährlichen Berlin-Besuch keine bezahlbare Karte bekommen werde. Vielleicht kann ich ja dann vor dem abgestellten Dampfer am Gleisdreieck Public-Viewing mit Gleichgesinnten betreiben.

In diesem Sinne

Ha Ho He

Hertha BSC.