Etablieren durch Rotieren

(mey) – Teil sieben unserer Reihe: „Immerhertha-User erklären, wie es geht“ dreht sich heute um Personalfrage. @BlauerMontag hat sich viel Arbeit und Gedanken über die Kadertiefe und die Startaufstellung der Zukunft gemacht.

Herzlichen Dank für den Text und Vorhand auf:

Gastbeitrag Nummer sieben

von @BlauerMontag

Um es vorweg zu nehmen: Im Moment liegt meine Vorfreude auf die kommende Saison bei NULL. Zu zahlreich waren die sportlichen Enttäuschungen seit der Länderspielpause zu Ostern 2016. Positive Nachrichten für mich waren in den letzten Wochen einzig die Neu- bzw. Wiederwahl des Hertha-Präsidiums, die Verlängerung des Mietvertrages fürs Olympiastadion und last, but not least die Rückkehr des Gründungsdampfers. Vermutlich kehrt meine Vorfreude – ähnlich wie in den letzten Jahren – zurück, sobald ich den Trainerstab und die Spieler durch den Olympiapark oder Bad Saarow laufen sehen werde.

Nun denn – auf in die Knochenmühle Europa League!
2 Spiele in der 3. Qualifikationsrunde liegen vor Hertha, um die Playoffs (= 4. Quali.runde) und darüber die Gruppenphase der Euro League zu erreichen. Die Gruppenphase enthält 48 Teilnehmer, welche in zwölf Gruppen zu je vier Mannschaften in Hin- und Rückspielen gegeneinander antreten. Bis Weihnachten 2016 hätte Hertha inclusive erfolgreicher Qualifikationsspiele 10 Spiele in der Europa League zu bestreiten.

Als Planziel verkündete Ingo Schiller für die kommende Saison das Erreichen der 3. Runde im DFB Pokal. Im Kerngeschäft Bundesliga stehen die 17 Spiele der Hinrunde an. Sofern ich richtig gezählt habe, muss Hertha zwischen dem 28. Juli und dem 23. Dezember 2016 im Minimum 20 Pflichtspiele, im Maximum 30 Pflichtspiele absolvieren. Mit nahezu dem gleichen Kader wie in der aktuellen Saison. Das Maximum von 30 Pflichtspielen kann Hertha nur siegreich gestalten, falls mehr Spieler als zuletzt in der Lage sind, Topleistungen während ihrer Einsatzzeiten zu bringen. In meinen Laienaugen gilt diese Anforderung insbesondere für die Spieler im offensiven und defensiven Mittelfeld der Hertha sowie die Stürmer.

Große Abhängigkeit von Kalou und Ibisevic

Ob und inwieweit Ibisevic in der Endphase der Saison durch die Maske behindert wurde, ist in der Öffentlichkeit nicht thematisiert worden. Ibisevic erzielte sein letztes Tor am 30.4. in Leverkusen; von seinen insgesamt 10 Ligatoren erzielte Ibisevic 6 in der Hinrunde und 4 in der Rückrunde. Kalou erzielte insgesamt 14 Ligatore, davon 8 in der Hinrunde und 6 in der Rückrunde. Hertha erzielte in der gesamten Ligasaison 42 Tore – davon 26 Tore in der Hinrunde und 16 Tore in der Rückrunde.

Der Anteil des Sturmduos Ibalou betrug 54 % an allen Herthatoren der Hinrunde (14 von 26) – ihr Anteil in der Rückrunde beträgt 63% (10 von 16). Ich hoffe auf einen guten Saisonstart von Allagui und Schieber, denn Hertha braucht mehr Torschüsse und weitere Torschützen!

Hertha war in der aktuellen Saison jene Mannschaft, welche die wenigsten Torschüsse abgab – vgl. dazu dieser Text aus der Morgenpost. Hertha muss mehr Torchancen/-schüsse kreiieren, um die Pflichtspiele der kommenden Saison erfolgreich zu gestalten. Die Vorbereitung dazu ist Aufgabe der gesamten Mannschaften – vor allem jedoch der offensiven und defensiven Mittelfeldspieler. Am häufigsten spielte Hertha in der aktuellen Saison in einer 4-2-3-1 Formation bspw. mit:

—Skjelbred—Lustenberger—
Haraguchi–Darida–Kalou
————Ibisevic————–

Aus Gründen der Übersichtlichkeit habe ich auf die Darstellung der Vierer-Abwehrkette verzichtet.

15 der 42 Gegentore fielen über die linke Abwehrseite

Kaum einer der Stürmer und Mittelfeldspieler wird alle 30 Pflichtspiele bis Weihnachten 2016 voll durchspielen können. Ferner zeigt die oben verlinkte Saisongrafik deutlich die Achillesferse dieser Formation: 15 der 42 Gegentore fielen über die linke Abwehrseite. Im Laufe der Saison spielten bei Hertha im linken Mittelfeld Stocker, Kalou, Cigerci, Darida oder Mittelstädt – an den Gegentoren änderte sich nix.

„Wir haben ein sehr stabiles Gerüst“, sagte Preetz auf der Mitgliederversammlung am 23.5.2016. „Wir werden im Sommer definitiv nur punktuelle Verstärkungen vornehmen. Ich denke, viele Entscheidungen werden erst spät fallen.“ Wenn der aktuelle Kader Verstärkungen braucht, dann im linken offensiven Mittelfeld (im Folgenden als Mister X bezeichnet). Möglich werden dann verschiedene Formationen.

A. –Skjelbred, Darida —
Haraguchi, Kalou, Mister X
———-Ibisevic———

oder
B. –Stark, Lustenberger—
Beerens, Darida, Mittelstädt
———- Kalou——–

oder
C. –Hegeler, Cigerci—–
Haraguchi, Stocker, Mister X
———-Schieber

oder
D. ——– Stark ——
Allagui, Kalou, Darida, Mister X
———-Ibisevic

oder
E. ——–Skjelbred
Haraguchi, Kalou, Stocker, Mister X
———-Allagui

Denn wie schrieb Uwe Bremer hier bereits vor einigen Wochen:

„Ich denke, dass das Thema Teambuilding/Rotation vom Trainerteam grundlegender angegangen werden muss. Und nicht erst nach 20 Spieltagen. Sondern beginnend in der Vorbereitung vor dem ersten Spieltag.“

2016/17 war die erste Saison von Dardai/Widmeyer. Ich finde, wer die Saison auf Platz sieben beendet, hat ein wenig Vertrauen verdient. Vertrauen, dass das Trainer-Team sich auch in einer zweiten Saison entwickeln kann.

Danke an @BlauerMontag für den Text und euch viel Spaß beim Diskutieren.