Doping und die heilige Kuh Fußball

(mey) – Liebe Leute, heute geht es weiter mit unserer Reihe: „Immerhertha produziert seine eigenen Nachwuchsjournalisten“. Im mittlerweile sechsten Gastbeitrag von euch hat sich die liebe @elaine einem Thema angenommen, dass vor allem im Fußball meistens viel zu kurz kommt: Doping.

Danke @elaine und Vorhang auf:

Gastbeitrag Nummer sechs

von @elaine

Neulich wurde hier ein Verweis auf Radfahrer im Zusammenhang mit Doping gebracht, weil die Radfahrer besser kontrolliert werden, als andere Sportler und deshalb mehr auffallen. Jeder will *sauberen* Sport und alle wissen, dass Höchstleitungen kaum noch ohne Hilfsmittel zu erzielen sind. Wieso machen wir uns hier etwas vor? Wieso ist der Sport die große Traumfabrik?

Als letztes Argument wird auf Jugendlichen zurückgegriffen, die nicht mit Substanzen in Kontakt kommen sollen, was allerdings schon weltweit die Regel ist und im Alltag auch nicht sonderlich kontrolliert wird. Inzwischen werden Sportler in der Unterhaltungsindustrie angesiedelt, und es geht vermehrt darum, Geld zu verdienen. Wenn die Diskussion auf Verträge von Spielern kommt oder deren Legionärswesen, wird angeführt, dass eine traditionelle Denkweise sentimental wäre und es nur schlicht darum geht, möglichst viel schnell zu verdienen.

Wie sieht es denn in der Gesellschaft aus? Wie sieht es allgemein in der Unterhaltungsindustrie aus?

Nur wer Erfolg hat, wird gefördert

Politiker wollen auch den sauberen Sport, aber auch Medaillen, nur wer die nach Hause bringt wird gefördert und bekommen Sponsoren. Nun kann man sich fragen, wie sieht es hinter den Kulissen des Kabinetts aus? Im Spiegel erschien mal ein Artikel, der in diese Richtung viele Fragen aufwarf: Politiker werden mit Drogen erwischt. Wieso wird also nicht für Politiker eine Dopingkontrolle gefordert. Für mich wären saubere, klare Politiker sehr wichtig.

Mehr oder weniger soll in fast jeder Berufssparte inzwischen zu Aufputschmitteln gegriffen werden, weil auch die Anforderungen im Berufsalltag immer mehr steigen. Bei Pop/Filmstars gehört es schon fast dazu und ist so etwas wie, cool, allerdings nur so lange bis es zur Sucht wird, obwohl damit auch zur allgemeinen Unterhaltung beitragen wird.

Wenn wir uns nun darauf einigen, dass Sport inzwischen Teil der Unterhaltungsindustrie geworden ist, weshalb soll es nun gerade im Sport nicht erlaubt sein, zu Aufputschmittel zu greifen, wenn es überall sonst in der Gesellschaft zum guten Ton gehört? Und sich auch in jedem anderen Bereich damit jeder ungehindert einen Vorteil verschaffen darf?

Deutschland ist, glaube ich, in der Welt führend im Dopingkontrollwesen, daher hinken die deutschen Sportler bis auf Ausnahmeathleten inzwischen auch der Weltspitze hinterher. Für Rio sind die Qualifikationsnormen etwas angepasst worden, in früheren Jahren wurden nur Sportler nominiert, die auch die Zwischenläufe in erreichbarer Nähe haben sollten, die dürften nun nicht mehr bei Olympia antreten, waren aber sauber.

Sportler werden wie Strafgefangene behandelt

Von Sportlern, die dem Dopingkontrollsystem der NADA unterliegen, müssen Auflagen erfüllt werden, die nicht mal Strafgefangene im freien Vollzug zu erfüllen haben. –>Hier ein Text aus der FAZ dazu.

Fußballer, die an den Olympischen Spielen teilnehmen wollen, müssen nun auch die geforderten Dopingkontrollen nachweisen, entgegen dem Gros der Fußballer, bei denen werden Wettkampfkontrollen durchgeführt und wohl alle 100 Jahre Trainingskontrollen

Als in England vor einiger Zeit dieses System eingeführt werden sollten, drohten einige gleich mit Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Die WADA will nun die Kontrollen in der Welt verbessern, leider gibt es Länder, die nicht mal die geforderten Auflagen erfüllen, dazu gehört auch Spanien. –>Hier ein Text aus der Süddeutschen Zeitung dazu.

Ein Kampf gegen Windmühlen

Für mich ist das einfach ein Kampf gegen Windmühlen. Nun ist das Dopingkontrollwesen auch eine eigene Industrie geworden, genau wie in den Laboren der Chemiekonzerne immer neue Dopingmethoden erforscht werden und erfüllt inzwischen einen Selbstzweck.

Wenn wir den sauberen Sport wollen, können wir nicht weiter immer mehr, immer neue Höchstleistungen erwarten. Fußballer können nicht jedes Wochenende einen Wettkampf bestreiten, die Tour de France muss erleichtert werden. Alle Weltrekorde gestrichen werden und ein Neubeginn erfolgen usw.

Wie kann das umgesetzt werden? Will die Unterhaltungsindustrie das? Wollen die Medien das? Wollen die Politiker das, die sich auch in sportlichen Erfolgen sonnen? Es werden doch immer nur die Sieger verehrt.

Beides geht nicht….und ist einfach scheinheilig.

Herzlichen Dank für deinen Text, @elaine. Euch viel Spaß beim diskutieren.