Gladbachs Achillesferse und Herthas Geduld

(mey) – Der Unterschied zwischen Hertha und Gladbach liegt auf dem Rasen der anderen. Beide Champions-League-Anwärter sind daheim eine Macht und haben jeweils 31 ihrer Punkte zu Hause erspielt. Auswärts allerdings sind die Berliner überraschender Weise deutlich stärker als die Borussen: 17 Punkte holte das Team von Trainer Pal Dardai, nur elf dagegen Gladbach.

„Daher der Name Bratkartoffel“, würde mein Vater jetzt sagen. Deshalb trennen Hertha und die Borussia auch sechs Punkte in der Tabelle. Nur: Gladbach hat sieben der letzten acht Heimspiele gewonnen und blieb zuletzt drei Mal zu Hause sogar ohne Gegentor. Herthas Bilanz der vergangenen acht Auswärtspartien liest sich so: 4 Siege (Köln, Darmstadt, Hannover, Ingolstadt), 3 Niederlagen (HSV, Stuttgart, Bayern) und 1 Remis (Bremen).

Im fremden Stadion hat Hertha noch kein Topteam in dieser Saison geschlagen: Um einen riesigen Satz Richtung Champions League zu machen, wären drei Punkte gegen Gladbach allerdings nötig. Es wäre der 6. Auswärtssieg der Saison – das wären dann doppelt so viele wie in der gesamten vergangenen Gurkenspielzeit.

Kraft muss passen

Um das zu schaffen, hat sich Dardai für folgende 18 Spieler im Kader entschieden:

Kader: Jarstein, Burchert – Pekarik, Weiser, Langkamp, Lustenberger, Stark, Plattenhardt, van den Bergh, Darida, Cigerci, Skjelbred, Haraguchi, Baumjohann, Kalou, Hegeler, Stocker, Ibisevic.

Thomas Kraft und diese Spielzeit werden also wohl keine dicken Kumpel mehr. Wegen eines Infekts fällt der Schlussmann für Gladbach aus. Dardai hat sich als Nummer zwei hinter Rune Jarstein für den Herrn Erfahrung und gegen den Herrn Talent entschieden: Sascha Burchert reiste am Sonnabend mit nach Mönchengladbach, Nils Körber blieb daheim.

Und so könnte die erste Elf aussehen:

———————-Jarstein———————–

Weiser——Stark—-Lustenberger-Plattenhardt

—————-Cigerci—–Skjelbred—————

Haraguchi———–Darida—————-Kalou

———————–Ibisevic———————-

Lustenbergers Gelegenheit

Das würde bedeuten, dass Dardai sich als Ersatz für den verletzten John Brooks in der Innenverteidigung für den Herrn Aufbauspiel und gegen den Herrn Kopfballstärke entscheiden würde: Kapitän Fabian Lustenberger bekäme den Vorzug vor dem wieder genesenen Sebastian Langkamp.

Das würde insofern Sinn ergeben, weil über Brooks zumeist der Spielaufbau bei Hertha lief und Lustenberger dies besser kann als Langkamp. Lustenberger bräuchte zudem auch das Signal vom Trainer ein bisschen mehr, nachdem er zuletzt drei Mal auf der Bank gesessen hat. Für den Schweizer wäre es die Gelegenheit, sich erst einmal wieder ins Team zu spielen.

Ibisevic als Hoffnungsschimmer

Beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams gab’s ja ne schöne Ohrfeige von Gladbach: 1:4. Damals allerdings war Vedad Ibisevic nicht dabei. Sein Mitwirken dürfte Hertha nun Hoffnung machen.

Gladbach ist ohnehin defensiv mächtig anfällig: André Schuberts Team hat bereits 44 Gegentore kassiert – nur Bremen, Stuttgart (beide 54) und Hannover (49) mussten mehr hinnehmen. Die Defensive ist also die Achillesferse der Borussen, auch wenn es zu Hause zuletzt besser klappte. Mal sehen, ob Hertha das ausnutzen kann.

Zum Abschluss: Hier habe ich noch einen Link zu einer sehr ausführlichen Analyse der Hertha-Taktik von den Kollegen von Spielverlagerung.de für euch. Interessant dabei finde ich zum Beispiel, dass Hertha das Team mit den meisten Pässen ist (durchschnittlich 50), bevor einmal aufs Tor geschossen wird.

Das kann man als behäbig beschreiben. Man kann es aber auch Geduld nennen. Geduldig den Ball in den eigenen Reihen führen, bis sich eine echte Torchance ergibt, anstatt schnell (und vielleicht manchmal auch überhastet) abzuschließen. Auf Rang zwei in dieser Statistik liegt übrigens Gladbach (44).