Will Hertha das Leistungsprinzip abschaffen?

(ub) – Wenige Tage ist es her, dass hier gespottet wurde über Karlheinz Rummenigge und dessen Vorschlag in der Champions League (analog zum Tennis) Setzlisten einzuführen. Damit nicht schon im Achtelfinale Hochkaräter wie Bayern München und Juventus Turin aufeinander treffen können. Die Sportbild berichtet nun in ihrer Mittwochsausgabe, dass auf Bitten der DFL sich ein „Team Marktwert“ gegründet habe.

Hertha ist Teil von „Team Marktwert“

Vertreten sind im „Team Marktwert“ jene Bundesligisten, die sich als Traditionsvereine sehen – denen nun immer mal wieder der Abstieg in die Zweite Liga droht: Hamburger SV, VfB Stuttgart, 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen und Hertha BSC.

Wenn ich es recht verstehe, eint das „Team Markwert“ das Interesse ein größeres Stück vom Kuchen des TV-Geldes zu bekommen. Bisher ist es so, dass 65 Prozent des TV-Geldes gleichmäßig an alle 18 Mannschaften gehen. Die verbleibenden 35 Prozent wurden bisher nach Leistung verteilt.

Wer trägt wie viel bei zur Marke Bundesliga?

Das Bündnis soll „objektive Kriterien erarbeiten, die ausdrücken, welche Klubs am meisten zur Marke Bundesliga beitragen“ (wohlgemerkt: die Betroffenen sollen objektive Kriterien erarbeiten).

Die Argumentation, wie das der Öffentlichkeit verkauft werden soll: Abschied vom Leistungsprinzip, das bisher stets als heilige Kuh gegolten hat. Künftig soll der Marktwert ermittelt werden nicht nur durch schnöde „wer steht in der Tabelle wo“ sondern durch Faktoren wie

  • TV-Reichweite
  • Social-Media-Relevanz
  • Mitgliederzahlen
  • Zahl der Auswärtsfans.

Vordergründig geht es gegen die Werksklubs

Vordergründig richtet sich eine Umverteilung gegen die Werksklubs wie VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen, TSG Hoffenheim und (soon to come) RB Leipzig. Deren Spiele werden im Pay-TV traditionell weniger verfolgt als die Ansetzungen der Traditionsklubs.

Nur mal am Rande: Warum sind eigentlich Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 als Traditionsklub nicht vertreten im „Team Marktwert“?

Wahler: Alles andere wäre ungerecht

Die „Sportbild“ zitiert Bernd Wahler, Präsident des VfB Stuttgart:

„Die Tabellenposition ist nur ein Kriterium von vielen, das eine Rolle dafür spielt, wie attraktiv ein Spiel für Fans und damit TV-Sender ist … Wer den Wert eines Produktes steigert, weil er viel mehr Fans und Anhänger hat – der sollte bei der Verteilung der Einnahmen auch entsprechend berücksichtigt werden. Alles andere wäre ungerecht.“

Werden die Großen nun noch größer?

Da bin ich ja mal auf Lösungen gespannt. Das erste was mir einfällt: Wenn es um Mitglieder, TV-Reichweite, Kontakte in den sozialen Medien geht – in allen genannten Bereichen werde jene Klubs, die jetzt schon das meiste Geld aus der nationalen TV-Summe bekommen: Bayern München, Borussia Dortmund und FC Schalke.

Die zudem zu jenen Vereinen gehören, die erheblich profitieren von den Einnahmen aus Champions League und Europa League.

Die Bundesliga als geschlossene Gesellschaft?

Auf den ersten Blick geht es gegen die Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim und Leipzig. Jene Vereine, die durch VW oder Bayer oder Dietmar Hopp oder Red Bull Einnahmen aus anderen Bereichen haben. Diese Möglichkeit haben die meisten Mitbewerber nicht.

Ich sehe aber einen weiteren Aspekt: Dass das „Team Marktwert“ inklusive Hertha BSC daran arbeitet, die Bundesliga zu einer (weitgehend) geschlossenen Gesellschaft umzuwandeln.

Was heißt das für den 1. FC Union?

Begründung: Das Engagement in der Unterhaltungsindustrie Profifubßall wird weder für VW noch Bayer noch RB Leipzig an ein paar lumpigen TV-Millionen scheitern. Wenn es aber nach TV-Einschaltquoten, social-media-Kontakten und Mitgliederzahlen geht, wird noch ganz anderen Vereinen der Zugang erschwert:

  • FC Ingolstadt
  • SV Darmstadt
  • SC Paderborn
  • Eintracht Braunschweig
  • Greuther Fürth
  • FC St. Pauli
  • Alemannia Aachen
  • SSV Ulm

… wie sie alle hießen. Für diese Vereine, oder jene, die mal hoch wollen (ich nenne stellvertretend für viele den 1. FC Union), für die wird es fast unmöglich werden, dauerhaft Platz zu nehmen am Tisch der Bundesliga-Großen.

Eure Meinung?

Was ist Eure Meinung: Sollte das TV-Geld weiter rein nach dem Leistungsprinzip (das die letzten fünf Jahre berücksichtigt) verteilt werden? Oder soll es eine Reform bei der Verteilung geben? Wenn ja, nach welchen Kriterien?

Brooks fällt wohl aus gegen Gladbach

Zum heutigen Training: zwölf Feldspieler, vier Torwarte, nix besonderes. Brooks (Knie- und Rückenprobleme) war nicht dabei. Der Innenverteidiger wird nach Aussage von Trainer Pal Dardai wohl am Sonntag in Gladbach auch nicht zur Verfügung stehen.

Training am Mittwoch 10 und 15 Uhr Schenckendorff-Platz

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