Dardai probt Elfmeterschießen

(ub) – Ihr Lieben, am vergangenen Donnerstag war er zum ersten Mal im Einsatz, hier ist er wieder: unser Studentenpraktikant. Sein Bericht von Herthas den heutigen Trainingseinheiten um 10 und 15 Uhr. Tusch, Trommelwirbel …

Mein Traum vom Profifußball

Von Dennis Robitzer

Seit nun knapp zwei Wochen gehe ich mehrmals die Woche zum Training von den Profis von Hertha BSC. Und selbst beim fünften oder sechsten Training komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Klar, ich selbst spiele auch Fußball, seit nun mehr als 16 Jahren. Zwischen Verbandsliga und Bezirksliga war seither alles dabei. Gar in der Berlin-Auswahl durfte ich mal reinschnuppern.

Man investiert viel Zeit als kleiner Junge und hat natürlich den Traum eines Tages mit der Sportart Geld zu verdienen. Diesen Traum hatte ich. Die Zeit hat mich eingeholt und ich tummle mittlerweile irgendwo in der Freizeitliga rum. Was soll’s. Das macht natürlich auch Spaß und ist, rein theoretisch gesehen, die gleiche Sportart, die die Profis von Hertha BSC ausüben.

60 Sekunden stolperfrei

Aber leider nur rein theoretisch gesehen. Denn nach jedem Training bin ich begeistert, mit welch einer Präzision und Geschwindigkeit zum Beispiel Alexander Baumjohann die Bälle bei den Passübungen spielt. Es fühlt sich an wie eine andere Sportart. Im Amateurbereich ist der Trainer froh, wenn wir es zu Beginn des Trainings schaffen, mehr als 60 Sekunden uns den Ball stolperfrei zuzuspielen. Am Dienstag in der Vormittagseinheit spielten die Profis von Hertha minutenlang sich die Bälle mit einer Schärfe, einer Geschwindigkeit und einer Präzision zu, von der ich persönlich nur träumen kann. Für jeden Fußballbegeisterten ein schöner Anblick.

Zuvor gab es ein rund 40 minütiges Athletiktraining inklusive Sprinttraining. Alle Amateurkicker wären nach diesem „Aufwärmen“ bereits kaputt. Es folgten die angesprochenen Passübungen mit Torabschlüssen.

Am Ende gab es einen Gleichstand zweier Gruppen und ein Entscheidungsschuss aus 16, 18 Metern sollte den Sieger ermitteln. Nun wurde es bemerkenswert: Salomon Kalou und Ronny wollten stellvertretend für ihr Team antreten.

„All for the team“

Alexander Baumjohann hatte eine andere Idee und schlug für sein Team statt Kalou Tolga Cigerci vor. Siehe da, der Ivorer, Toptorjäger von Hertha, räumte seinen Platz und überlies den Ball für Cigerci mit den Worten: „All for the team.“

Es kam, wie es kommen musste. Ronny schoss seinen Versuch neben das Tor, der Schuss von Cigerci landete im Netz. Am Ende strahlte das Team um Salomon Kalou.

Jarstein bleibt in der Kabine

Zur zweiten Trainingseinheit trafen sich Lustenberger, Darida, Plattenhardt und Co. um 15 Uhr auf dem Schenckendorffplatz. Nach dem üblichen Warmmachprogramm lag der Schwerpunkt auf verschiedenen Spielformen. Erst gab es ein 10 vs 10 auf kleine Tore, bei dem mir als Zuschauer besonders aufgefallen ist, dass auf dem Platz sekündlich geredet wird. Besonders Brooks, Skjelbred und Lustenberger waren immer wieder zu hören und lobten ihre Mitspieler bzw. gaben ihnen Kommandos. Auch Pal Dardai war öfters zu hören. Dabei lobte der Ungar meistens nur seine Spieler. Kritik gab es keine.

Zum Abschluss des langen Trainingstags gab es ein 11 vs. 11 von Sechzehner zu Sechzehner. Burchert und Kraft hüteten die Tore. Jarstein trainierte individuell drinnen. Zweimal zwölf Minuten später hatte Trainer Dardai noch eine Überraschung zu bieten – Elfmeterschießen.

„Stellt euch vor, es ist Pokal-Halbfinale“

Dardai: „Stellt euch vor, Pokal-Halbfinale gegen Dortmund, 0-0 nach 120 Minuten.“

Dementsprechend ernst nahmen alle Spieler den Abschluss des Trainings. Lediglich Plattenhardt, Hegeler und Pekarik verschossen.

Am Ende des Tages konnte ich aber doch eine Gemeinsamkeit der „zwei verschiedenen Sportarten“ finden. Die Spieler tragen Trainingsbälle und Trinkflaschen selbst rein. Im Amateurfussball Alltag, bei den Profis anscheinend auch.

Training Mittwoch, 10 Uhr, Schenckendorff-Platz

P.S. Für alle, die es sich zutrauen: Der neue Damenwahl-Podcast von @sirhenry und @faase – samt eines Schalke-Anhängers – hier