Stolz und Demut

(mey) – Weil sich jetzt ja alles um Salomon Kalou dreht, gleich mal die gebündelte Einschätzung von Pal Dardai zu seinem Drei-Tore-Mann vom Freitagabend. Am Sonnabend stand der Ungar allein auf dem Trainingsplatz. Er war erst um 3 Uhr in der Früh aus Hannover mit dem Teambus heimgekehrt und hatte sich dann entschieden, seiner Mannschaft nach dem überzeugenden 3:1 gegen 96 frei zu geben. Gefragt, was Kalou so wertvoll mache, sagte Dardai:

„Seine Handlungsschnelligkeit und Spielfähigkeit. Und wenn er gut drauf ist, kann er aus drei Torchancen auch drei Tore machen. Das ist hervorragend. Effektivität ist sehr wichtig. Für Stürmer gilt: Am Ende ist es egal, wie du spielst. Wichtig ist, ob neben deinem Namen Assist oder Tor stehen. Und in diesem Jahr macht er das sehr gut.“

Dardai hat noch sehr viel mehr über den Ivorer gesagt, der nun schon zehn Treffer in 13 Pflichtspielen der Saison erzielt hat. Auch Youngster Yanni Regäsel bekam in seiner Nachbetrachtung viel Platz. Alles dazu lest ihr morgen in einer fetten Ausgabe eurer Morgenpost.

Nur noch das hier: Ich weiß nicht, ob ihr es gesehen habt, aber Dardai küsste Kalous Turban, als er ihn kurz vor Schluss vom Feld holte. Dazu sagte der Ungar am Sonnabend grinsend:

„Salomon hatte das längst schon mal verdient. Schon die letzten paar Spiele hat er richtig gut gespielt. Aber als Trainer versuchst du, nicht so viel zu umarmen.Doch hier hatte er es verdient. Das war wirklich ein außergewöhnlicher Moment, auch für unsere Fans. Kalou ist ein großer Name. Das ist gut für uns alle.“

Die Fans feiern noch eine Stunde nach dem Spiel

Apropos Fans: Ich will mich bei euch ja nicht unbedingt einschleimen, aber das fand ich dann schon ziemlich bemerkenswert. Noch eine Stunde nach dem Spiel warteten Anhänger in der Arena in Hannover und sangen: „Wir wollen die Mannschaft sehen.“ Die kam dann nach dem Duschen noch mal raus und bedankte sich.

Europa ist ein fernes Ziel

Kommen wir nun aber zu der Frage, was das jetzt alles zu bedeuten hat.

20 Punkte hat Hertha nach nur 12 Spieltagen schon auf dem Konto. Damit habe ich, das gebe ich ehrlich zu, nicht gerechnet. Und es ist natürlich klar, dass viele an die Möglichkeit einer Europapokalteilnahme in der nächsten Saison denken. Manche Spieler machen das. Manche Fans ja auch.

Ich persönlich glaube, dass es nach einem Drittel der Spielzeit wenig Sinn ergibt, schon darüber nachzudenken, was im kommenden Mai sein wird. Hertha darf im Moment viel mehr stolz darauf sein, wie sich das Team von einer Truppe ohne Selbstvertrauen und Spielkultur zu einem stabilen Team mit ansehnlichem und erfolgreichen Fußball entwickelt hat.

Die Partie in Hannover habe ich mit Spannung erwartet, weil sie nach dem Dämpfer gegen Gladbach zeigen sollte, wie gefestigt das Team schon ist. Nun, einen Tag danach, muss man sagen: Chapeau!

Pekarik trainiert wieder

Das bedeutet aber nicht, dass man gleich von Europa reden muss. Das bleibt ein fernes Ziel. Eines, dass Hertha vielleicht in ein, zwei Jahren erreichen kann. Sicher gibt es immer wieder Teams, die in einer Spielzeit so überraschen, dass sie sich plötzlich in der Europa League wiederfinden. Freiburg vor ein, zwei Jahren. Augsburg letztes Jahr. Aber will man das so schnell? Freiburg stieg wieder ab, Augsburg hat in diesem Jahr Probleme.

Meiner Meinung nach tut Hertha gut daran, weiter demütig zu sein. Oder wie seht ihr das?

Morgen haben die Berliner im Übrigen frei.

Ps: Nachdem gestern ja Regäsel als Rechtsverteidiger überzeugte noch diese Info für euch: Am Sonnabend trainierte Peter Pekarik wieder mit Ball auf dem Schenckendorffplatz. Zusammen mit Hendrik Vieth und Stürmer Julian Schieber absolvierte er eine Einheit und sagte: „Meine Schulter ist schon wieder viel besser. Ich bin jetzt den vierten oder fünften Tag draußen. Endlich geht es voran.“