Kuchen und Freibier

(mey) – Wenn man heute aus einem seltenen Frühwinterschlaf nach sechs Wochen aufgewacht wäre und keine Ahnung von der Tabellensituation gehabt hätte, danach aber sofort zu Herthas PK vor dem Topspiel gegen Schalke am Sonnabend (15.30 Uhr) marschiert wäre, dann hätte man trotzdem deutlich gespürt, dass das gerade gute Zeiten für die Berliner sind. So, das war jetzt ein langer Einstiegssatz, aber ihr schafft das schon

Jedenfalls. Die Stimmung war so gelöst wie…ja, wie? Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob sie in den vergangenen drei Jahren, in denen ich den Klub betreue, schon mal so gut war. Vielleicht damals nach dem Wiederaufstieg und der fulminanten Hinrunde unter Luhukay. Aber das war ja bekanntlich vergänglich.

Stimmungshoch

Am Donnerstag waren alle anwesenden Mitarbeiter des Klubs entspannt. Pal Dardai war entspannt und versprach sogar Kuchen für die Journalisten. Gut, das hatte jetzt nix mit der Tabelle zutun, sondern nur damit, dass der Ungar uns hat warten lassen. Denn die Videoanalyse des Gegners überschnitt sich mit der PK. Dardai kam deshalb später und entschuldigte sich so.

Junge, Junge. Später, als der Ungar über eine mögliche Vertragsverlängerung sprechen sollte und erzählte, dass er im Moment vieles genieße, sagte Dardai: „Ich genieße gerade sogar die Medien.“ Alter Finne. Wann hat es das denn mal in Berlin gegeben?

Aber schaut euch die PK selbst an. Ich fand’s interessant:

Bei so viel guter Laune fange ich eigentlich an, mir Sorgen zu machen. Aber Dardai sagte dann auch: „Wir sollten uns nicht mit der Tabellen beschäftigen.“ Wichtig sei ihm, dass seine Mannschaft die Spielphilosophie der vergangenen Wochen auch gegen ein Topteam zeige. „Wenn wir ein gutes Spiel machen, aber am Ende verlieren, dann ist das auch nicht so schlimm.“ Und: „Wir sollten in der Realität nicht so ein großen Sprung machen. Wir sind jetzt Vierter. Aber das Wichtigste in diesem Jahr ist, schnell 40 Punkte zu haben.“

Es scheint also, als bewerte Dardai das alles gerade mit der nötigen Demut. Ohnehin kommt jetzt eine schwierige Aufgabe auf die Berliner zu: Drei Auswärtsspiele in Folge stehen an: In Gelsenkirchen, eine Woche später in Ingolstadt und dann im Pokal beim FSV Frankfurt. Jetzt aber erst einmal zu Schalke.

Skjelbred ist fraglich

Gegen Königsblau wird Dardai nichts an seiner zuletzt funktionierenden Mannschaft verändern, wenn er nicht muss. Das heißt, wieder wird die Doppelspitze Vedad Ibisevic/Salomon Kalou beginnen. Sebastian Langkamp ersetzt wohl den angeschlagenen Stark in der Innenverteidigung.

Das heißt aber nicht, dass Jens Hegeler bzw. John Brooks nicht spielen. Denn Per Skjelbred kehrte von seiner Länderspielpause mit Sprunggelenkproblemen zurück. Sein Einsatz gegen Schalke ist fraglich. Kann er nicht spielen, würde vielleicht Fabian Lustenberger aus dem Abwehrzentrum auf die Sechs vorrücken, so Dardai. Dann würde entweder Hegeler oder Brooks in der Innenverteidigung auflaufen.

Bei Schalke haben sie im Moment übrigens ein paar andere Probleme. Hier die PK vom Donnerstag:

Ach ja, die Spendierhosen hatte Dardai im Übrigen schon in der Vergangenheit einmal an. Und auch da hatte Schalke etwas damit zutun: Bei Dardais vorletztem Spiel als Profi gegen S04 spendierte er den Fans im Olympiastadion 2009 Freibier.

Er hatte gewettet, dass nicht soundsoviele Zuschauer im Schnitt in dieser Spielzeit zu den Heimspielen kommen würden. Sie kamen aber, und Dardai beglich seine Wettschulden gern (Er hatte ja erreicht, was er wollte.). Damals ging es am vorletzten Spieltag noch um die Meisterschaft für Hertha. Ihr erinnert euch. Die Berliner spielten 0:0 gegen Schalke. Am Ende wurden sie Vierter.

Jetzt also Kuchen. Gewinnt Hertha auf Schalke nun auch noch erstmals seit elf Jahren, hält das Stimmungshoch in Berlin wohl noch eine Weile an.