Über den schmalen Grat zwischen Mut und Risiko

(jl) – Eine gewisse Euphorie war bei Hertha auch am Tag nach dem 2:0 gegen den 1. FC Köln noch zu spüren. Zu sprechen waren die Berliner Profis am Mittwoch zwar nicht, ihre Social-Media-Profile aber gaben dennoch Einblick in ihr Seelenleben. Dort wurde von mehreren Spielern der folgende Schnappschuss gepostet, so auch von Torwart Rune Jarstein:

Fantastic game boys!! Great feeling to win 2-0 in my home debut ?☺ and the fans was amazing!! #hahohe A photo posted by Rune Almenning Jarstein (@jars84) on

Tatsächlich war am Dienstagabend ja viel Positives zu beobachten im Olympiastadion. Struktur im Spielaufbau, sicheres Passspiel und ein ausgeprägter Offensivdrang, gepaart mit Laufbereitschaft und – bis auf Ausnahmen – taktischer Disziplin. Bei Trainer Pal Dardai war ein zufriedenes Funkeln in den Augen zu sehen, als er sagte:

„Was mich wirklich glücklich gemacht hat, ist, dass wir gut Fußball gespielt haben.“

Dennoch: Raum zur Verbesserung findet sich immer. Wie pflegte der kürzlich verstorbene Dettmar Cramer stets zu sagen? Richtig: „So lange besser möglich ist, ist gut nicht genug.“ Dem würde auch bei Hertha niemand widersprechen.

Zu fahrlässig in der Chancenverwertung

Alexander Baumjohann, der Vedad Ibisevic das 2:0 auflegte, bemängelte beispielsweise den etwas schludrigen Umgang mit den eigenen Chancen. Ob er das Herthas zweitem Stürmer, Salomon Kalou, bei dieser Gelegenheit noch mal geflüstert hat? Wir können nur spekulieren.

With my boy @alexander.baumjohann after a good 3pts yesterday. Great assist my boy ???? A photo posted by Salomon Kalou (@salomonkalou) on

Fabian Lustenberger, als Innenverteidiger um eine stabile Defensive bemüht, war hingegen etwas anderes aufgestoßen.

Lustenberger: „Wir sind zwei, drei Mal in Konter gelaufen, die nicht nötig waren.“

Es ist ja ein schmaler Grad zwischen Mut und Risiko. Dardai lobte explizit, dass sich seine Mannschaft nicht auf dem 1:0 ausgeruht, oder sich gar vor dem eigenen Tor eingeigelt hätte. Ein Verhalten, dass die Herthaner ja schon mehrfach gezeigt haben. Lektion gelernt.

Fahrlässiger Offensivdrang

Nicht so richtig angekommen waren aber offenbar die Lehren aus dem Wolfsburg-Spiel. Bei den Niedersachsen hatte Hertha vor dem 0:1 ja etwas zu sorglos gestürmt – und war dann hinten blank. Auch gegen Köln standen zeitweise nur noch die beiden Innenverteidiger zu Absicherung parat.

Wie das Echo ausgefallen wäre, wenn sich die Berliner noch ein Kontertor gefangen hätten? Bleibt das Geheimnis des Konjunktivs.

Doppelspitze oder Doppelherz?

Abgesehen davon, wie sich ein in Führung liegendes Heimteam in der Schlussphase einer Partie verhalten sollte, stellt sich nach dem Erfolg gegen Köln die Frage: Wie viel Offensive soll Hertha zu Beginn eines Spiels wagen? Anders ausgedrückt: ein oder zwei Stürmer?

Die Variante mit Ibisevic und Kalou, sie offenbarte gegen den Effzeh vielversprechende Ansätze. Vielversprechend genug, um grundsätzlich auf ein 4-4-2 umzustellen?

Am Donnerstag trainieren die Herthaner erst am Nachmittag (15.30 Uhr). Wir sind vor Ort und halten euch an dieser Stelle auf dem Laufenden.