Ronny bricht Training ab - Kraft meldet sich zurück

(jl) – Es war schon ein etwas kurioses Bild, das sich am Freitagmorgen auf dem Schenckendorffplatz bot. Da stellten und setzten sich 26 Fußballprofis vor-, hinter- und nebeneinander und lächelten brav in die Objektive der Fotografen, obwohl einige von ihnen zum Saisonbeginn wohl nicht mehr in Herthas Kader stehen werden.

Aber so ist es nun mal. Die Sonderhefte dieser Welt wollen produziert werden, und der Transfermarkt will einfach noch nicht so recht in Schwung kommen.

Einer, der Berlin ja alsbald verlassen soll, ist Ronny. Den Brasilianer an einen neuen Arbeitgeber zu vermitteln, gestaltet sich aber offenbar schwierig. Und weil ein verletzter Ronny noch ungleich problematischer an den Mann zu bringen wäre, als ein gesunder Ronny, wurde Pal Dardai um 11.07 Uhr vielleicht ein wenig mulmig.

Da nämlich ging der einstige Aufstiegsheld während einer Spielform zu Boden und hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht das linke Knie. Kurze Zeit später trat Ronny zwar schon wieder gegen den Ball, um 11:21 Uhr war jedoch Schluss. Herthas Physio Frederick Syna bandagierte das geschundene Knie und der Mann mit der linken Klebe ging ab.

Am Nachmittag folgte jedoch die Entwarnung. Der Blessur sei harmlos, hieß es von Seiten des Vereins. Ronny absolvierte eine individuelle Einheit, die er im Trainingslager in Bad Saarow verpasst hatte.

Ein weiterer Spieler, von dem sich die Berliner trennen möchten, wurde bei den Spielchen am Vormittag übrigens von vornherein geschont: Johannes van den Bergh. Laut Pal Dardai eine kleine Vorsichtsmaßnahme nach einem Schlag auf die Wade. Thomas Kraft, der am Donnerstag ja geschont wurde, war übrigens wieder mit von der Partie.

Cigerci rackert

Mächtig Gas gaben derweil die Rekonvaleszenten. Tolga Cigerci rackerte mit Hendrik Vieth und jeder Menge Utensilien – Gummibändern, Hürden und Bällen.

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Die teils komplexen Übungen spulte der Mittelfeldmann mit einem ordentlichen Tempo ab. Ich hatte im Anschluss an das Training kurz die Gelegenheit, mit Cigerci zu sprechen.

„Man kann die Fitness schon in Prozent ausdrücken, aber das behalte ich für mich. Ich will mir keinen Druck machen. Richtig schmerzfrei werde ich vielleicht nie wieder sein, aber wichtig ist, dass ich keine Reaktion von meinem Körper bekomme.“

Ein offizieller Fahrplan bis zu einem möglichen Comeback existiere nicht, sagte Cigerci. Ein persönliches Ziel habe er sich aber sehr wohl gesteckt. Verraten wollte er es allerdings nicht.

Baumjohann glänzt

Ein paar Schritte weiter ist Alex Baumjohann. Er nimmt bereits in vollem Umfang am Teamtraining teil und setzte am Freitag sogar ein paar Highlights. Nach einem sehenswerten Treffer beim Kleinfeld-Kick auf Handballtore rief Sebastian Langkamp:

„Da ist der alte Baumjohann wieder!“

Von derartiger Euphorie ist Pal Dardai noch weit entfernt. Baumjohanns Körper müsse sich erst wieder an den Leistungssport gewöhnen, betonte der Trainer.

Sonderlob für Beerens

Ein Sonderlob – wenn auch auf Nachfrage – erhielt derweil Roy Beerens. Zum einen wegen seines Spielverständnisses, vor allem aber wegen seiner starken körperlichen Verfassung. Aus dem Mund von Beerens selbst klingt das dann so:

„Mein Physik ischt gout.“

Damit auch sie bald mit ähnlich guter Fitness aufwarten können, spulten die Nationalspieler (Pekarik, Haraguchi, Kalou, Skjelbred, Stocker) und Baumjohann nach dem eigentlichen Training noch ein Laufprogramm ab.

Von einem freien Wochenende wollen die Herthaner nichts wissen – sie ziehen die Vorbereitung gnadenlos durch. Sonnabend trainieren sie um 10 Uhr, ehe sie um 18 Uhr ein Testspiel beim Regionalligisten TSG Neustrelitz bestreiten. Wegen personeller Engpässe können wir die Partie leider nicht besetzen. Falls jemand von euch vor Ort sein sollte, freuen wir uns über eure Eindrücke.