Hertha erhöht den Druck auf Sportfive

(ub) – Erinnerungen werden wach beim Blick auf die Namen der Liste:

  • Auto Meister (1976/77)
  • Mampe (1978/79)
  • Sparkasse (1980–84)
  • revital energien (1984/85)
  • blub (1985/86)
  • Club 100 (1989/90)
  • Trigema (1990-93)
  • ABS – Die Profis (1993-95)
  • Trigema (1995-97)
  • Continentale (1997-2000)
  • o.telo (2000–September 2001)
  • Arcor (September 2001–06)
  • Bahn (2006–30. Juni 2015)
  • ?? (ab 1. Juli 2015)

160.000 Mark für ein Hirschgeweih

Was einst als Werbemaßnahme der Kräuterlikör-Fabrik von Günter Mast begann – 160.000 Mark hat er für das Hirschgeweih von „Jägermeister“ auf dem Trikot von Eintracht Braunschweig bezahlt – ist längst ein Multimillionen-Geschäft geworden.

Traut man den Zahlen von Fussball-Geld.de erhalten der FC Bayern (Telekom) und VfL Wolfsburg (VW) pro Saison 30 Millionen Euro von ihrem Brust-Sponsor – Liste 2014/15. Ich rate, die Summen nicht als das Amen in der Kirche zu nehmen, sondern als Anhaltspunkte, wo die Entwicklung derzeit angekommen ist. So hat Hertha nach meinen Informationen in der abgelaufenen Saison vier Millionen Euro von der Bahn erhalten.

Es bleiben noch 23 Tage

Herthas Vertrag mit dem größten Unternehmen der Republik endet bekanntlich zum 30. Juni. Schon im März hat Herthas Finanzchef Ingo Schiller der Morgenpost mitgeteilt, dass er davon ausgehe, dass die Suche nach einem neuen Hauptsponsor „eher vier Monate als vier Wochen“ dauern werde.

Auf Nachfrage präzisierte Schiller heute: „Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende Juni einen neuen Hauptsponsor haben werden.“

Das sind, von heute aus betrachtet, noch 23 Tage.

Sportfive in Zugzwang

Wer genau hinhört, vernimmt Zwischentöne, die es bisher nicht gab. Sowohl bei einem Hintergrundgespräch vor Medien-Vertretern am 26. Mai, als auch später am gleichen Abend auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC, betonte Schiller: „Ich bin zuversichtlich, dass Sportfive in den kommenden Wochen einen neuen Hauptsponsor präsentieren wird.“

Meine Übersetzung dieser Aussagen – die vom Verein niemand so bestätigen würde – lautet: Liebe Leute vom Sportrechte-Vermarkter: Wir arbeiten seit mehr als 20 Jahren zusammen. Stark. Aber wir von Hertha haben in den letzten Jahren die Deals mit der Bahn und auch mit Nike maßgeblich auf die Reihe bekommen. Da habt ihr eure Provisionen kassiert, ohne großartig tätig werden zu müssen. Jetzt, beim neuen Sponsor, seid ihr an der Reihe. Pronto.

Eine gute Saison hätte geholfen

Die Lage von Hertha ist aus verschiedenen Gründen unübersichtlich. Zum einen macht das Ausbleiben einer sportlichen Entwicklung in der gerade abgeschlossenen Saison (als Tabellen-15.) das Trommeln zugunsten des Hauptstadt-Klubs nicht einfacher.

Dann ist die Baustelle der Stadt, die wirtschaftlich die interessantesten Perspektiven verspricht, nach wie vor nicht fertig: der Flughafen BER. Das ist ein Zustand, den weder Hertha noch Sportfive ändern können.

Zudem gibt es den Bereich der Wett-Branche – schon 2012 hatte sich ein Anbieter um die Hertha-Brust bemüht: Dort setzt seit Jahren die deutsche Politik höchstrichterliche Urteile des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahre 2010 nicht in nationale Gesetze um. Somit droht bei einem millionenschweren Engagement aus diesem Bereich die Gefahr, dass sich Wettanbieter und Hertha in einer juristischen Grauzone bewegen.

Hertha will die Einnahmen erhöhen

Das erklärt Ziel von Hertha ist, die Einnahmen aus dem Hauptsponsoring zu erhöhen. Nach den vier Millionen Euro, die die Bahn zuletzt pro Saison überwiesen hat, sollen es künftig (mindestens) fünf Millionen werden.

Die Argumente – es steht die dritte Bundesliga-Saison in Folge an, seriöse, kontinuierliche Vereinsführung, die Entwicklungsmöglichkeiten von Hertha, der Hauptstadt-Faktor, die Perspektiven von Berlin usw. – liegen auf dem Tisch.

Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Das Geflecht ist kompliziert – es bleibt spannend.