Trecker oder Champions League

(mey) – Die ganze Geschichte dieser Saison fand sich am Dienstag beim Training von Hertha BSC in einem Moment eingefangen: Neben dem Schenckendorffplatz hatte ein Autoanbieter, der Sponsor der Königsklasse ist, ein paar Wagen aufgestellt: Champions League Edition. Nebenan spielten sich die Berliner Profis die Bälle zu, was nicht unbedingt nach Champions League Edition aussah. Aber gut. Jedenfalls fuhr just in diesem Augenblick ein kleiner Trecker vorbei, der irgendwas Mistiges geladen hatte.

Schöner Kontrast. Und hatte Trainer Pal Dardai nicht am Sonntag gesagt: „Das ist hier nicht Champions League, sondern Abstiegskampf“? Es stimmt doch (oder nicht?): Diese Saison fühlt sich am Ende an wie „alles Mist“. Die meisten Anhänger sind genervt, und wenn ich die Miene von @catro heute beim Training richtig gedeutet habe, dann kann man auch sagen: frustiert.

Warum das alles so gekommen ist bei Hertha, haben @ub und ich euch in der Morgenpost lang und breit zu erklären versucht. Viele von euch haben auf den Artikel schon reagiert. Wir wollen an dieser Stelle mal „Danke“ sagen für das Feedback und die gute Diskussion. Wer sie noch nicht gelesen hat: Zur Analyse geht es –>hier entlang.

Plattenhardt ist angeschlagen

Beim Training am Dienstag nicht dabei waren, anders als von mir am Montag proklamiert (Asche auf mein Haupt), Marvin Plattenhardt und Johannes van den Bergh. Plattenhardt hat Hüftprobleme, soll aber spätestens am Donnerstag wieder einsteigen. „Er will sich durchbeißen“, sagte Dardai. Van den Bergh, der unter dem Ungarn überhaupt noch keine Rolle gespielt hat, soll ebenfalls am Donnerstag wieder dabei sein.

Ihr wollt jetzt sicher wissen, wie so die Stimmung auf dem Schencke war. Ich kann euch beruhigen. Hatten ich noch in der vergangenen Woche den Eindruck, als sei das Team ziemlich verkrampft und angespannt, fand ich es am Dienstag gelöster. Es wurde mal wieder ein bisschen gelacht. Zum Beispiel als Jens Hegeler mehrfach beim Schussversuch über das Abfangnetz ballerte, und Dardai ihn veräppelte: „Ey Jens, steht dahin ein kleiner Junge, mit dem du dich abgesprochen hast? Der kann dann die Bälle behalten.“

Man muss es Dardai lassen: So unbefriedigend die vergangenen Wochen gelaufen sind, der 39-Jährige hat ein gutes Gespür für Stimmung. Hier mal ein Witz, da mal eine Übung, die Spaß bringt. Ich habe noch so meine Zweifel, was die Theorie angeht bei Dardai. Aber in der aktuell angespannten Lage wirkt seine demonstrative Lockerheit ansteckend. Das macht er gut.

Man kann die Tore abbauen

Was die Mannschaft unter ihm, aber auch schon unter Luhukay, nicht gut macht, ist das Toreschießen. Meine Güte. Ziemlich lange ließ Dardai am Dienstag auf kleinerem Feld Neun gegen Neun spielen. Mindestens eine halbe Stunde lang. Am Ende standen zwei kümmerliche Tore auf meinem Zettel. Im Trainingsspiel könnte man die Tore eigentlich auch abbauen. Merken würde man’s wohl nicht.

Eigentlich war noch ein drittes Tor gefallen. Und bezeichnender Weise machte es Torwart Thomas Kraft, der wieder als Stoßstürmer wühlte. Ein Kollege sagte: „Der zeigt Kalou, wie man den Ball rein macht.“ Salomon Kalou, der ja von Kraft wegen des Hebers gegen Frankfurt schön zusammengefalltet wurde, spielte mit seinem Schlussmann in einer Mannschaft. Allerdings zählte das Tor nicht, weil Kraft entgegen den Regeln den Ball dreimal (anstatt nur zweimal) berüht hatte.

Geheimtraining am Mittwoch

Dardai sagte zur Einheit: „Das erste Training der Woche ist dafür da, um die Spannung aufzubauen. Die Jungs sollen Spaß und Ordnung haben.“ Normalerweise wären am Mittwoch zwei Trainingseinheiten zu besichtigen. Aber Dardai hat entschieden, dass nur das 10-Uhr-Training öffentlich sein wird. Das Nachmittagstraining wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Dardai nannte es ein „inoffizielles Training“.

Was er einüben lassen will, oder ob es erneut Kaffee und Kuchen für seine Spielern geben wird, wie vor dem Dortmundspiel, ließ er offen.

Wir gucken am Vormittag jedenfalls für euch vorbei. Bis dahin. Gehabt euch wohl!