"Ist das Schürrle?"

(jl) – War ganz schön was los am Schenckendorffplatz. Das Vormittagstraining am Mittwoch schauten sich etliche Kinder und Jugendliche an. Aufregung allenthalben – so ein Rudel Bundesligastars sieht man schließlich nicht alle Tage aus nächster Nähe. Da kann es auch schon mal passieren, dass die Fantasie mit einem durchgeht.

„Guck mal, da ist Schürrle!“, rief ein Junge, vielleicht zehn Jahre alt. Eine „Entdeckung“, die natürlich für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Ist er es? Schürrle, der Weltmeister? Oder ist er es nicht? Ihr ahnt: Er war es nicht. In Wahrheit handelte es sich um Johannes van den Bergh.

Übrigens nicht der einzige Herthaner mit Doppelgängerpotenzial, wie die Kollegen von 11 FREUNDE meinen.

Einen wie Schürrle würden sie sich natürlich wünschen bei Hertha. Schnell, durchsetzungsstark, torgefährlich – ein Typ, der an guten Tagen selbst auf internationalem Topniveau kaum zu stoppen ist. Und genau auf dieses Level werden sich die Berliner einstellen müssen. Am Sonnabend (18.30 Uhr) heißt der Gegner schließlich FC Bayern.

Keine Ehrfurcht vor den Bayern

Die Münchner haben die Unruhe nach der Hinspielniederlage in Porto und der Trennung von Über-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt mit einer beeindruckenden Vorstellung niedergebügelt. Das Aus in der Champions League wurde in bester „Mia-san-Mia“-Manier abgewendet. 6:1 (5:0) im Viertelfinal-Rückspiel gegen Porto, ein Spiel, das natürlich auch Thema bei Hertha war.

Sebastian Langkamp hatte sich den Auftritt des kommenden Gegners natürlich nicht entgehen lassen.

„Ich habe nur die erste Halbzeit gesehen. Danach habe ich mir noch mal das Spiel der Bayern gegen Gladbach angeschaut.“

Ein Statement, das der Innenverteidiger mit einem breiten Grinsen über die Lippen brachte. Zur Erinnerung: Gegen die Borussia verlor der FCB am 26. Spieltag 0:2.

Pal Dardai war hingegen sehr kurz angebunden. Von großer Ehrfurcht war trotzdem nichts zu spüren. Man werde das eigene System in München mal darauf testen, ob es denn auch auf internationalem Niveau halte, meinte der Hertha-Coach.

Ronny trifft aus allen Lagen – Kalou nicht

Natürlich wurde am Mittwoch nicht nur geredet, sondern auch Fußball gespielt. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Torabschluss. Drei Tore, drei Keeper, drei Sechsergruppen. Im Parallelbetrieb wurde dann aus allen Lagen gefeuert. Erst mit rechts, dann mit links, nach Dribblingaufgabe, nach Kurzpasskombination usw. usf.

Die Ergebnisse pendelten zwischen Licht und Schatten. Diverse Spannstöße landeten weit über ihrem Ziel. Erinnerte mehr an Field Goals beim American Football. Stürmer Salomon Kalou, der seit sechs Spielen auf ein Tor wartet, hielt den Ball zwar flach, traf aber trotzdem selten.

Für Highlights am laufenden Band sorgte stattdessen Ronny. Der Brasilianer hämmerte die Bälle aus allen Lagen ins Netz. Zum Leidwesen von Nachwuchskeeper Nils Körber, dafür zur großen Freude der (jungen) Trainingskiebitze. Zu hören war dann so etwas:

„Ronny hat mit mir abgeklatscht! Ich wasch mir meine Hand nie wieder!“

Flügelwechsel unter Druck

Abschließend baten Dardai und Co-Trainer Rainer Widmayer zu einem Neun gegen Neun. Auf nicht mal halbem Feld, und auf vier kleine Tore je Team.

Rot: Pekarik, Langkamp, Brooks, Plattenhardt – Haraguchi, Skjelbred, Lustenberger, Schulz – Kalou.

Blau: Ndjeng, Hegeler, Heitinga, Schürrle van den Bergh – Beerens, Ronny, Niemeyer, Stocker – Wagner.

Engste Räume, permanente Drucksituationen. Die Aufgabe: schnelles Kombinationsspiel und ansatzlose Flügelwechsel. Klappte ganz passabel. Auffällig war zudem eine sehr aktive Kommunikation.

Langkamp und Beerens fit

Zur Personalsituation: Sebastian Langkamp (Schleimbeutelentzündung an der Achillessehne) und Roy Beerens (Sprunggelenk) absolvierten die Einheit in vollem Umfang. Änis Ben-Hatira (Muskelfaserriss) setzte planmäßig aus. Er spulte – wie auch Hajime Hosogai (entzündeter Fuß) – im Anschluss an das Mannschaftstraining ein individuelles Programm ab.

Am Donnerstag klappt Hertha wieder die Schotten hoch. Dafür steht die Pressekonferenz auf dem Programm. Wir sind für euch vor Ort.