UPDATE: Der Hoffnungsträger von heute ist die lame duck von morgen + Lizenz 2015/16

(ub) – Tayfun Korkut ist der neunte Trainer, der in dieser Bundesliga-Saison beurlaubt wurde. Jürgen Klopp, der von sich aus zum Saisonende in Dortmund gehen wird, ist nicht mitgerechnet. Die entlassenen Trainer auf einen Blick:

FC Schalke: Jens Keller

FSV Mainz: Kasper Hjulmand

Hannover 96: Tayfun Korkut

Hertha BSC: Jos Luhukay

Werder Bremen: Robin Dutt

VfB Stuttgart: Armin Veh (zurückgetreten)

HSV: Mirko Slomka, Joe Zinnbauer, Peter Knäbel.

Ich empfinde die letzten Bundesliga Tage als spektakulär. Bei Hertha hat sich der Wechsel ausgezahlt, Pal Dardai hat in zehn Partien 16 Zähler geholt (Luhukay: 19 Spiele, 18 Pkt.). Ob der HSV oder Hannover mit ihren Wechselstrategien gut fahren, muss sich noch erweisen.

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?

Trotzdem stellt sich beim Blick auf dieses Personalkarussell die Frage: Wie glaubwürdig sind Vereine mit Aussagen zu Philosophie, Ausrichtung und Entwicklungsperspektiven? Wenn die Wahrheit lautet: Es geht nur darum, ob (entsprechend der jeweiligen Erwartungen) die Ergebnisse stimmen.

Und zur Not werden gegebene Versprechungen gebrochen (Bsp. H96/HSV), dann folgt noch ein Panikwechsel, der weh tut und im Zweifel zusätzlich den Ruf der handelnden Personen ruiniert. Damit man auf der irgendwann folgenden Mitgliederversammlung formulieren kann:

„Wir wollten uns nicht nachsagen lassen, bis zum letzten Spieltag nicht alles versucht zu haben.“

Die Fata Morgana von der Kontinuität

Ein Zauberwort, das in jeder Manager-Rede vorkommt, das in den Medien, auch hier im Blog regelmäßig zu lesen ist: die Hoffnung auf Kontinuität.

#Weisweiler #Rehhagel #Finke #Schaaf #Klopp

Für welche Philosophien stehen Hertha, Stuttgart, der HSV, Hannover, Werder, Köln oder Eintracht Frankfurt? Eigentlich geht es darum, in der Liga zu überleben. Stimmen die Resultate nicht mehr, gerät dieses Ziel in Gefahr, werden Trainer getauscht.

Branchenregel: Weil es günstiger ist, einen neuen Trainer zu bezahlen als eine neue Mannschaft.

Wer hat es hier gestern geschrieben, dass es alles nur Ergebniswellen sind? Im Moment hat Pal Dardai Erfolg und schwimmt oben auf der Welle der Popularität. Bleibt der Erfolg aus, geht er den gleichen Weg, den Markus Babbel oder Jos Luhukay gegangen sind: Der Hoffnungsträger von heute ist die lame duck von morgen.

Der Hertha-Tanker wird in dieser Saison einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro machen. Ob Michael Preetz oder Ingo Schiller, die Formulierung von „Nachhaltigkeit“ gehört auf diesen Positionen zum Standardrepertoire.

Und ewig lockt die Nachhaltigkeit

Wenn man sich das Heuern und Feuern anschaut: Was heißt Nachhaltigkeit für Trainer? Was für Erwartungen kann man sinnvoll an Pal Dardai, den aktuellen Trainer, haben?

Oder bewegt sich der Profifußball – schöner Gruss an die Romantiker – gar nicht in der Unterhaltungsindustrie, sondern in der Glücksspiel-Branche?

Hertha erhält Lizenz unter Auflagen

P.S.1 UPDATE: Hertha BSC hat die Lizenz 2015/16 für die Bundesliga und die Zweite Liga “mit den erwarteten Auflagen”. Das hat mir Finanzchef Ingo Schiller bestätigt. Wenig später kam die offizielle Mitteilung von Hertha BSC:

Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat die DFL-Lizenz für die kommende Bundesliga-Spielzeit 2015/16 mit den erwarteten Auflagen erteilt bekommen. Ingo Schiller, Geschäftsführer bei Hertha BSC und unter anderem für die Finanzen des Klubs zuständig, sagt: „Besonders möchte in diesem Zusammenhang allen jenen Mitarbeitern danken, die in den letzten Wochen intensiv und akribisch an der Erstellung der Unterlagen für das Lizenzierungsverfahren beteiligt waren.“

P.S.2 Heute ist trainingsfrei bei Hertha. Am Dienstag bittet Pal Dardai um 15 Uhr zur Arbeit auf dem Schenckendorff-Platz.