Scharfe Bälle, Schweigeminute und ein abtrünniger Roy Beerens

(jl) – Um 10.53 Uhr stand auf dem Schenckendorffplatz plötzlich alles still – Spieler und Trainer hatten sich in der Mitte des Platzes versammelt. Teamgeist-Beschwörung? Einnordung durch Coach Rainer Widmayer? Nichts dergleichen, stattdessen war kein einziges Wort zu vernehmen.

Trauerminute für die Absturz-Opfer

Die Hertha-Profis solidarisierten sich mit dieser Geste mit den Menschen in Nordrhein-Westfalen, die um 10.53 Uhr den Opfern des abgestürzten Germanwings-Fluges 4U9525 gedachten. Um 10.53 Uhr war am Dienstag die Funkverbindung zum Flugzeug abgebrochen.

Widmayer: „Wir haben auch Spieler, die aus NRW stammen. Das war eine Idee, die aus der Mannschaft kam.“

Selbstverständlich waren die Gedanken der Berliner Profis in diesem Moment bei den Opfern und deren Angehörigen. Widmayer gab aber auch zu bedenken, dass Bundesligateams nicht gerade wenig in der Luft unterwegs sind. Durch den Absturz, sagte der 47-Järhige, rücke wieder ins Bewusstsein, dass auf jeder Reise etwas passieren könne.

Burchert pausiert, Ndjeng läuft

Nicht auf dem Schenckdorffplatz stand am Mittwoch Sascha Burchert. Der Reservekeeper hat sich eine leichte Zerrung am hinteren Oberschenkel zugezogen und muss vorerst pausieren.

Marcel Ndjeng war hingegen wieder mit von der Partie, …

…beließ es aber bei einem teils knackigen Laufpensum. Ins Mannschaftstraining soll der Routinier erst am Montag zurückkehren.

Ronny wird sich indes noch etwas länger gedulden müssen – Widmayer geht von etwa zehn Tagen Pause aus.

„Für Ronny war es wichtig, dass es jetzt endlich eine Diagnose gibt und nicht alle sagen: ‚Da ist nichts.'“

Rüffel für Beerens

Fußball gespielt wurde natürlich auch. Auf halbem Feld, in folgender Konstellation:

Gelb: Hosogai, Niemeyer, Plattenhardt, Cigerci, Beerens, Wagner.

Blau: Heitinga, van den Bergh, Regäsel, Langkamp, Hegeler, Haraguchi.

Widmayer forderte dabei vehement „scharfe Bälle“. Klingt zwar nach dem Titel eines „Erwachsenen-Films“, bezog sich aber – ihr ahnt es – aufs Passspiel. Zudem wurde der Co-Trainer nicht müde, immer wieder auf gruppentaktische Mittel hinzuweisen. In Widmayers schwäbischem Idiom klang das so:

„Dreiegge biilde!“

Roy Beerens hatte sich schon vor dem abschließenden Spiel einen Anpfiff von den Kollegen eingehandelt. Während seine Teamkameraden geschlossen ein Tor von A nach B trugen, widmete sich der abtrünnige Niederländer ein paar herumliegenden Bällen. Ihr könnt euch vorstellen, dass die Sprüche-Salve nicht lange auf sich warten ließ. Beerens nüchterne Replik: „Es ist so kalt.“

Am Nachmittag blieben Thomas Kraft und Marvin Plattenhardt in der Kabine. Beide absolvierten ein Regenerationsprogramm.

Brooks als tragische Figur

In den Kommentaren des Mittwoch-Threads wurde schon auf die 2:3-Niederlage verwiesen, die John Brooks mit den USA in Dänemark kassierte. Für diejenigen, denen das entgangen ist: So sah das am Mittwochabend aus. Brooks‘ Verhalten beim dritten Gegentor war, nun ja, ausbaufähig. Dafür wäre dem Berliner in der Nachspielzeit beinahe noch der Ausgleich gelungen. Aber wie heißt es so schön? Knapp daneben, ist auch…

Am Donnerstagabend (18 Uhr) ist der nächste Hertha-Profi im internationalen Einsatz. Salomon Kalou trifft mit der Elfenbeinküste auf Äquatorialguinea, steht aber offenbar nicht in der Startelf.

Freitag trainieren die Herthaner wieder im Fitnessraum, am Wochenende dürfen sie dann die Beine hochlegen. Die nächste öffentliche Trainingseinheit findet am Montag um 15 Uhr statt.

P.S. Anbei aus dem Archiv von @herthabsc1892 ein Foto aus der Mitte der 1980iger Jahre, Frank Regäsel