Tante Hertha staubt ab, und Ben-Hatira hat Respekt verdient

(mey) – Mir ist egal, was manche Leute sagen. Natürlich war es unvernünftig von Änis Ben-Hatira, diesen Spiderman-Masken-Jubel nach seinem Führungstreffer gegen Schalke aufzuführen. Er musste ja wissen, dass er dafür Gelb sehen würde. Und das bedeutete auch, dass er danach in den Zweikämpfen aufpassen musste. Und was wäre wohl gewesen, wenn Herthas Mittelfeldmann danach auch noch tatsächlich Gelb-Rot gesehen hätte? Das hätte sein Team enorm geschwächt. Und Ben-Hatira hätte doof da gestanden.

Es gibt also Argumente dafür, diesen speziellen Jubel nicht allzu sehr zu schätzen. Ich fand ihn trotzdem bemerkenswert gut. Weil es eine tolle Geste war, ein kurzer Moment der Menschlichkeit in diesem streng erfolgsorientierten Business. Zum Hintergrund sagte Ben-Hatira beim Vereins-TV (Mit der schreibenden Zunft spricht er derzeit nicht. Warum? Keine Ahnung.):

„Es geht um meinen Freund Jannik, der an Krebs erkrankt ist und ihn jetzt vorerst besiegt hat, auch wenn er erst nach fünf Jahren als geheilt gilt. Mein Versprechen, das ich ihm ungefähr vor einem halben Jahr gegeben habe, habe ich eingelöst, indem er mit mir aufgelaufen ist. Obendrauf wollte ich, wenn ich treffe, seine Spiderman-Maske anziehen. Weil ich auch Fan von Spiderman als kleiner Junge war. Gott sei Dank hat das geklappt.“

Viele beschweren sich ja immer darüber, dass Fußballprofis einfältige, eindimensionale Leute seien, die nur sich, ihre Karriere und die Kohle im Sinn haben. Ben-Hatira hat am Sonnabend ein anderes Gesicht gezeigt – das Spiderman-Jannik-Gesicht. Nach dem Spiel hielt er seinen kleinen Gefährten beim Gang in die Ostkurve an der Hand (Fotoquelle: Bongarts/Getty Images)

Profitiert von zwei Patzern

Trotz des späten Ausgleichstreffers der Schalker gab es also Erfreuliches bei Hertha zu sehen. Dazu gehört auch, dass Dardais Team nun seit drei Spielen ungeschlagen ist – eine kleine Serie. Zuletzt war das den Berlinern ein ganzes Jahr lang nicht gelungen (Ende Februar 2014 begann die letzte Miniserie aus drei Spielen ohne Niederlage, als man gegen Stuttgart gewann und gegen Freiburg und Mainz unentschieden spielte).

Wie in den vergangenen Wochen hat Hertha auch gegen S04 einen hohen Aufwand betrieben (insgesamt 121 km sind die Berliner gelaufen, Schalke nur 114,77 Km). Damit sind die Blau-Weißen unter Dardai stets mehr gelaufen als der Gegner, was vorher unter Jos Luhukay nur ganz selten der Fall war.

Allerdings darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass Hertha auch von zwei krassen Torwartfehlern des jungen Timon Wellenreuther profitierte. Zweimal wehrte er Schüsse von Valentin Stocker genau in die Beine eines Berliners (erste Ben-Hatira, dann Genki Haraguchi) ab. Zweimal klingelte es.

Das inspirierte den Karikaturisten Oli Hilbring hierzu:

Nachdem die Herthaner am Sonntag frei hatten, weil ja schon am Freitag das nächste wichtige Spiel beim HSV ansteht, geht es am Montag um 15 Uhr mit dem Training auf dem Schencke weiter.

Update zu Lustenbergers Auswechslung

Ihr hattet gefragt, ob Fabian Lustenberger am Sonnabend wegen einer Verletzung ausgewechselt wurde. Antwort: ja. Muss man sich wegen der Verletzung Sorgen machen? Antwort: nein. Es ist nichts Schlimmes, heißt es bei Hertha. Lustenberger wird spätestens Mittwoch im Training zurückerwartet.