Von gerissenen Gummis und dem Wunsch nach "mehr Leben"

(jl) – Wenn ein Gummi reißt, hat das in anderen Bereichen des Lebens mitunter schwerwiegende Folgen – Stichwort: „Personalplanung“. Bei Hertha blieben des Konsequenzen des gerissenen Gummis am Mittwoch vergleichsweise harmlos. Doch ehe an dieser Stelle die Fantasie mit euch durchgeht: Wenn ich von Gummi spreche, meine ich natürlich das gute alte Deuserband. Ihr erinnert euch: Das sind die überdimensionalen Gummibänder, die vor rund zehn Jahren unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann ein medienwirksames Revival erlebten.

Konditionstrainer Hendrik Vieth hatte zu Beginn der Vormittagseinheit einen kleinen Parcours installiert. Dessen Auftaktstation sah so aus:

Jens Hegeler ist in Berlin bislang nicht unbedingt durch seine Dynamik aufgefallen. Für das Deuserband war der Elan des 27-Jährigen aber scheinbar zu viel des Guten. Als Hegeler lospurtete, musste das Material kapitulieren. Später sorgte Julian Schieber für einen zweiten „Bänderriss“, danach wurde das malträtierte Arbeitsgerät in den Ruhestand verabschiedet.

Bleibt Dardai seinem Defensivpersonal treu?

Pal Dardai hat die Fitness bekanntlich zu einem großen Thema gemacht, aber natürlich wurde am Mittwoch auch fußballerisch gearbeitet. Das war nicht uninteressant.

Während Co-Trainer Rainer Widmayer den Rest der Mannschaft zu Passformen und Torabschlüssen bat, scharte der Chefcoach eine Gruppe von sechs Spielern um sich. Peter Pekarik, Jens Hegeler, John Brooks, Marvin Plattenhardt, Per Skjelbred und Fabian Lustenberger. Letztgenannter wird nach seiner abgesessenen Gelb-Rot-Sperre in die Startformation zurückkehren.

Wie ihr richtig erkannt habt: Mit Ausnahme von Lustenberger, der Ronny ersetzt, handelt es sich bei dem Sextett um Herthas Defensivabteilung aus dem Freiburg-Spiel. Die Aufstellung für die kommende Herausforderung in Wolfsburg zu orakeln, kommt am Mittwoch zwar reichlich früh. Dennoch: Die Übungsform kann als ein Indiz gewertet werden, dass Dardai weiterhin auf die genannte Konstellation setzt. Trotz der jüngsten Patzer von Plattenhardt, Brooks und Hegeler.

Wie würdet ihr an seiner Stelle reagieren? Den Spielern weiter Vertrauen schenken? Oder umstellen? Mit Sebastian Langkamp, John Heitinga oder Nico Schulz stünden Alternativen parat.

Spielaufbau im Fokus

Die vermeintliche zweite Garde (Marcel Ndjeng, Heitinga, Langkamp, Schulz, Peter Niemeyer und Hajime Hosogai) durfte die Übungsform natürlich auch noch durchlaufen. Unabhängig von der jeweiligen Formation lag der Fokus dabei auf dem Spielaufbau. Schnelle Seitenwechsel, Vertikal- und Diagonalpässe, schnelles Verschieben. Einer der Sechser (Lustenberger oder Niemeyer) ließ sich dabei immer wieder in die Viererkette zurückfallen.

Dardai griff permanent ein, unterbrach in bestimmten Situationen und wies auf Fehler hin. Mit seiner Zielvorgabe dürfte er den Hertha-Fans aus der Seele gesprochen haben.

„Wir müssen ein bisschen mehr Leben ins Spiel bringen.“

Mit Erklärungen allein gab sich Dardai allerdings nicht zufrieden. Nicht selten schnappte sich Herthas Rekordspieler zu Demonstrationszwecken den Ball. Sein exemplarischer Diagonalpass auf Plattenhardt landete haargenau in dessen Füßen. „Perfekt“, schmunzelte Lustenberger.

Dardai: „Wir ziehen voll durch!“

Nach 75 Minuten war Schluss, für Dardai-Verhältnisse fast eine Kurzeinheit. Als Reaktion auf seine Selbstkritik („Vielleicht habe ich zu hart trainieren lassen“) wollte der Ungar diese Maßnahme aber nicht verstanden wissen.

„Das war die erste Einheit. Am Nachmittag wird es heftiger. Diese Woche ziehen wir noch voll durch. Die nötige Dynamik muss langsam da sein.“

Herthas kommender Gegner Wolfsburg muss am Donnerstagabend in der Europa League gegen Sporting Lissabon antreten. Für Hertha eine weitere Chance, um das vielleicht heißeste Team der Bundesliga noch mal genau zu studieren. Einen TV-Termin als Hausaufgabe hat Dardai seinen Spielern nach eigener Aussage aber nicht verordnet.

Für Per Skjelbred ist der VfL ein Team mit „mehreren Weltklassespielern“. Kämpferisch gibt sich der Norweger natürlich trotzdem.

„Fußball ist Fußball. Im Hinspiel haben wir das gesehen.“

Zur Erinnerung: Am 5. Spieltag gewannen die Berliner gegen Wolfsburg 1:0.

Streicheleinheiten für Ronny

Eine kleine Randnotiz will ich euch nicht vorenthalten. Nach dem Training wurde Ronny von seinem Berater Dino Lamberti in Empfang genommen. Eine herzliche Umarmung, ein paar Streicheleinheiten und viele warme Worte – so zumindest der äußere Anschein. Für Ronny, am Sonntag von den Fans mit lauten Pfiffen bedacht, sicherlich ein angenehmes Kontrastprogramm.

Am Donnerstag trainieren die Hertha-Profis um 10 Uhr. Wir sind vor Ort und halten Augen und Ohren für euch offen.