Hertha sucht den Führungsspieler

(ub) – Eine seiner diversen Änderungen hat Neu-Trainer Pal Dardai vor der Mannschaft erklärt: Warum gegen den SC Freiburg erstmals Torwart Thomas Kraft als Kapitän auflief.

Dardai: Ich habe die Binde Thomas gegeben. Er ist die Nr. 1 und ein Führungsspieler. Ich bin zwar lange bei Hertha, aber ich war nie in der Kabine mit der Mannschaft [meint: bis vor zehn Tagen]. Ich kenne noch nicht von allen den Charakter. Lusti ist der Kapitän. Dann habe ich drei, vier Führungsspieler wie Per Skjelbred, Peter Pekarik, Julian Schieber und Thomas. Sie sind richtig fleißig und Kämpfertypen, jeder von ihnen kann die Binde tragen.

Mein Eindruck ist eher: Hertha sucht regelmäßig, wenn es schwierig wird, ein, zwei Typen, die vorweg gehen. Führungsspieler, an denen sich die Jungen wie John Brooks oder Nico Schulz oder Marvin Plattenhardt orientierten können.

Thomas Kraft oder Wie viel kann ein Torwart beeinflussen

Kraft hat über die Saison hinweg gezeigt, dass er immer zu denen gehört, die sich gegen Ungemach stemmen. Aber als Torwart ist man bei der alten Debatte, wie weit dessen Einflussmöglichkeiten während einer Partie ins Team reichen. Per Skjelbred ist, mein Eindruck, nach sechs Wochen mit einer Muskelverletzung, Scharlach und Halsschmerzen derzeit nicht bei 100 Prozent seiner Form. Und Skjelbred muss richtig fit sein, um seine Zweikampfstärke einzubringen.

Kalou muss erst mal an seiner Fitness arbeiten

Peter Pekarik und Julian Schieber finde ich von ihrer Einstellung her untadelig. Ich nehme sie aber als eher introvertierte, nette Typen wahr. Salomon Kalou, der einem noch einfallen könnte als potenzieller Leistungsträger, steht im mittlerweile fünften Monat bei Hertha unter Vertrag. Es wäre schön, wenn er nun mal etwas Zeit tatsächlich in Berlin verbringen könnte, um an der Fitness zu arbeiten. So, wie der Champions-League-Sieger bisher intern aufgetreten ist, hat er noch niemanden mitgerissen oder zu neuen Grenzen gepusht.

Lustenberger und der Luhukay-Vorwurf

Gespannt bin ich auf die Verfassung von Fabian Lustenberger. Mit dem Kapitän war Jos Luhukay auf den letzten Metern seiner Hertha-Amtszeit aneinander geraten. Und wenn der Vorwurf lautet, der Trainer wolle einen richtigen Kapitän sehen und nicht nur einen, der Everybody’s Darling ist, dann hat der Trainer ein Problem. Aber auch Lustenberger.

Dessen Leistungen werden – Lustenberger hat seine Sperre abgesessen nach der Ampel-Karte von Mainz – genau angeschaut werden: Hat er die Form zum Leistungsträger? Und hat er die Qualitäten zum Führungsspieler.

Mein Eindruck: Lustenberger braucht Topform, um ein Führungsspieler zu sein. Er hat im Morgenpost-Interview angemahnt, dass auch er Zeit braucht.

Lustenberger: Es ist doch normal, dass ich nach sieben Monaten Verletzungspause nicht sofort bei hundert Prozent sein kann. Ich hatte aber das Gefühl, dass man das von mir in der Öffentlichkeit gleich verlangt hat. Ich fand das ungerecht, denn man verlangt das ja auch nicht von einem Spieler, der nach sieben Monaten Pause nach einem Kreuzbandriss zurückkommt. Da heißt es dann, der brauche Zeit. Die hat man mir aber nicht gegeben.

Was macht eigentlich Sebastian Langkamp

Für mich gehört auch Sebastian Langkamp in die Reihe möglicher Führungsspieler. Dardai hat dessen Namen heute Vormittag nicht genannt. Mir scheint es kein Zufall, dass Langkamp/Lustenberger, jene Spieler, die zum Ende des vergangenen Jahres längere Zeit ausgefallen und auf die sich im neuen Jahr viele Hoffnungen gerichtet haben, beide gleich in den ersten Rückrunden-Partien jeweils mit einer Ampel-Karte vom Platz gegangen sind.

Langkamp geht es wie Lustenberger: Er muss in Form sein (und sich zunächst überhaupt zurück in die Startelf kämpfen).

Eure Meinung: Wer sind die zwei, drei Führungsspieler, die bei Hertha in den ausstehenden 13 Saisonspielen vorangehen?

Meine 5Cent gehen an Lustenberger, Langkamp und Skjelbred.

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