Skjelbred ist fraglich für Herthas Rückrunden-Auftakt in Bremen

(mey) – In den letzten Tagen vor dem Start einer neuen Herausforderung ist es für die eigene Zuversicht recht zuträglich, wenn alles nach Plan verläuft. Wenn nichts das Unterfangen stört. Unerwartete Rückschlägen sind da so wenig brauchbar wie ein frischer, fieser Kratzer im gerade mit viel Aufwand restaurierten PKW.

Aber ziemlich genau so muss sich die Nachricht, die Jos Luhukay am Mittwochmorgen erhalten hat, für Herthas Cheftrainer angefühlt haben. Wie ein Lackschaden, wo gerade doch alles so schön neu aufpoliert wurde.

Per Skjelbred nämlich musste sich am Mittwoch mit einer Grippe abmelden. Die ganze Familie des Norwegers (Frau, zwei kleine Kinder) liegt flach. Weil der Mittelfeldspieler in der Vorbereitung wegen einer etwas hartnäckigen Muskelverhärtung in der Wade ein paar Einheiten verpasste und nun erneut vorerst fehlen wird, ist sein Einsatz beim Auftakt der Bundesligarückrunde für die Berliner gegen Werder Bremen am Sonntag äußerst fraglich.

Neue Chance für Hegeler

Gut, mit einem Lackschaden kann man natürlich trotzdem weiterfahren. Fühlt sich nur plötzlich alles nicht mehr so schön neu und gut an. Oder bedeutet Skjelbreds möglicher Ausfall vielleicht doch viel mehr für Herthas Absichten, in Bremen einen passablen Start in die zweite Saisonhälfte hinzulegen?

Ich sage: Ja. Luhukay antwortete mir kürzlich mal auf die Frage nach der Rolle des 27-Jährigen in seiner Mannschaft so: „Er ist einer unserer wichtigsten Spieler.“ Das liegt an Skjelbreds Dynamik, Ballsicherheit und Anführerqualitäten. Fehlt er, fehlt Hertha oft auch das Herz im Spiel. (Vor dem Frankfurtspiel habe ich das mal das „Prinzip Skjelbred“ genannt –>hier.)

Aber was nun? Wer soll ihn ersetzen, wenn Skjelbred gegen Bremen, was ich annehme, tatsächlich passen muss?

Denkbar wäre, dass Jens Hegeler eine neue Chance im zentralen Mittelfeld bekommen wird. Luhukay hat ihn in der Vorbereitung oft mit Ronny zusammen üben lassen, und er fand beide im Testspiel gegen Bern zum Beispiel gut. Ich im Übrigen nicht. Aber das muss nicht heißen, dass es grundsätzlich nicht funktioniert. Hegeler war ja eigentlich im Sommer für ebenjene Achter-Position geholt worden, enttäuschte dort aber zu Saisonbeginn. Nun könnte er einen neuen Anlauf wagen.

Schulz verspricht Dynamik im Spiel

Eine zweite Option für den Skjelbred-Ersatz ist Nico Schulz. Luhukay probierte den Linksfuß in der Vorbereitung fast ausschließlich auf der Acht aus, weil er sich von ihm Dynamik im Zentrum verspricht. Seine Worte waren: „Wenn ich zum Beispiel Ronny und Peter Niemeyer im Zentrum habe, fehlt mir die Geschwindigkeit. Nico würde sie reinbringen.“

Manche von euch waren ja recht verärgert darüber, dass Luhukay den 21-Jährigen ins Zentrum beorderte und ihn sich nicht links in der Viererkette weiter einspielen ließ. Ich glaube, dass Luhukay das nur getan hat, um sich diese Option mit Schulz vor der Abwehr offen zu halten, falls der Fall eintritt, dass dort Bedarf entsteht – wie nun mit dem wahrscheinlichen Ausfall von Skjelbred. Ich vermutet auch, dass Luhukay mit Schulz in Bremen trotzdem links in der Viererkette plante. So hatte er es im Übrigen auch im Hinspiel getan, obwohl er Schulz in der Sommer-Vorbereitung zumeist im defensiven Mittelfeld ausprobierte.

Nun muss Luhukay schauen, ob er mit Hegeler die ballsichere, aber viel weniger dynamische Variante als Skjelbred-Ersatz wählt, oder mit Schulz die dynamische, aber weniger ballsichere und strategische Variante.

Eine andere wäre, dass Luhukay Kapitän Fabian Lustenberger aus der Innenverteidigung nach vorn rückt und dafür John Anthony Brooks neben Sebastian Langkamp ins Abwehrzentrum stellt.

Frage an euch: Wen möchtet ihr gegen Bremen sehen? Wen würdet ihr auf der Acht aufstellen?

Das Vormittagstraining bestand übrigens aus einer Stunde Stabilisationsübungen in der Kabine und etwa 50 Minuten Passübungen auf dem Schenckendorffplatz. @dan hat angekündigt, sich das Nachmittagstraining ab 15 Uhr anzusehen. Vielleicht hat er Lust, noch ein paar Eindrücke zu posten.

Morgen trainieren die Berliner um 15 Uhr auf dem Schencke. Wir schauen uns das für euch an.

Ps: Am Mittwoch feierte Brooks übrigens seinen 22. Geburtstag und bekam diesen Gruß hier von seinem alten Kumpel und Nationalmannschaftskollegen im US-Team Alfredo Morales: