Logbuch Belek Tag 7: Ein Fazit, dreieinhalb Gewinner

(mey) – Manchmal ist es ja komisch, wie die Dinge laufen. Die, auf die man verbissen Einfluss nehmen will, kriegt man nicht in den Griff. Und die Dinge, die außerhalb der eigenen Einflussnahme liegen, laufen plötzlich von allein wie geschmiert.

Der Wettergott jedenfalls hat es ziemlich gut mit Hertha gemeint. In den vergangenen sieben Tagen im Trainingslager an der türkischen Mittelmeerküste unterbrach er Regen und Sturm. Die Sonne schien, alles ganz wunderbar. Aber just mit dem Abflug der Berliner aus Antalya am Sonnabendmittag setzte wieder der Regen ein. Ein kurzes Zeitfenster Glück war das also für Hertha in Belek.

Ich habe mir in den vergangenen Tagen jede Trainingseinheit angesehen, mit Spielern gesprochen, mit dem Trainer und dem Manager. Und, nun ja, man unterhält sich auch mit den Kollegen, tauscht Eindrücke aus.

Der Trainer im Fokus

Ich habe eine Mannschaft erlebt, über deren intaktes Innenleben ich mir nicht ganz sicher war, als ich abflog. Auch nach den Tagen in Belek fällt es mir schwer, dies final zu beurteilen. Aber Argumente, die gegen einen gesunden Teamgeist sprechen, habe ich zumindest nicht finden können.

Dazu habe ich besonders auf Jos Luhukay geachtet, weil ich der Meinung bin, dass besonders der Trainer nun im Fokus steht. Ich habe mir angesehen, wie er sich vor seiner Mannschaft verhält, und ich habe mit ihm über seinen Beruf gesprochen. Meine ausführliche Geschichte über den Niederländer lest ihr morgen in eurer Morgenpost.

Am Ende eines Trainingslagers fragt man sich dann natürlich auch: Was hat es gebracht? Ich habe das Gefühl, dass es Luhukay gelungen ist, seiner Mannschaft ein paar Lösungen für die Probleme der Hinserie an die Hand zu geben. Beim letzten Testspiel gegen den FC Thun, der zugegeben kein Bundesliganiveau besitzt, konnte ich vieles wiedererkennen, was Luhukay unter der Woche mit seinen Spielern geübt hatte. Gelingt das auch gegen Bremen Sonntag in einer Woche, bin ich zuversichtlich.

Zudem hat sich kein Spieler in Belek verletzt. Auch das zählt viel.

Ein Gute-Laune-Bär und ein Jungspund

Nach einem Trainingslager fragt man sich aber auch, welcher von den Spielern sich besonders hervorgetan hat. Richtig herausgestochen ist meiner Meinung nach keiner, aber dennoch gab es Gewinner der Vorbereitung:

1. Ronny

Man hat mir erzählt, dass Ronny derzeit neben dem Feld so lebendig wie nie zuvor auftritt, dass er gute Laune verbreitet und sehr zuversichtlich ist. Gute Laune hat Luhukay bei ihm bekommen, weil der Brasilianer sich fit und willig in Belek präsentierte. In den Trainingsspielen sowie in der Partie gegen Bern war er der auffälligste Spieler.

Ronny ist ein Gewinner der Vorbereitung, weil es so aussieht, als setzte Luhukay zunächst auf den 28-Jährigen im zentralen Mittelfeld. Dennoch bleibe ich bei ihm weiter solange misstrauisch, bis er mehr als zwei, drei Spiele lang seine Form halten kann.

2. Sebastian Langkamp/Fabian Lustenberger

Ich zähle beide hier mal zusammen, weil für beide dasselbe gilt: Luhukay hat mit ihrer Rückkehr nach Verletzungen auf mehr defensive Stabilität gehofft, und beide haben in Belek angedeutet, dass sie diese Hoffnung nicht enttäuschen werden.

Fabian Lustenberger wirkte körperlich frisch und wieder sicherer auf dem Feld als zuletzt. Sebastian Langkamp hatte einen längeren Weg zu gehen und ein bisschen mehr Probleme, seinen Rhythmus zu finden. Von Tag zu Tag wurde er aber ein bisschen sicherer. Ich nehme an, dass es noch ein paar Spiele dauern wird, bis Hertha den alten Langkamp sehen wird. Dennoch ist er ebenso wie der Kapitän ein Gewinner der Vorbereitung, weil er sich zurück in die Startelf gekämpft hat.

3. Maximilian Mittelstädt

Klar, einen Joker muss man in derartigen Geschichten immer hervorholen können. Und ja, der 17-Jährige wird in der Bundesligarückserie vermutlich keine Rolle für Hertha spielen. Doch Mittelstädt gefiel mir schon in den Einheiten in Berlin, bei denen er mitmischen durfte, weil er unbekümmert auftritt und erwachsener spielt als er aussieht.

In Belek wurde der Linksfuß zweimal gegen Bern und Thun eingewechselt und verlegte sich darauf, keine Fehler zu machen. Das finde ich sympathisch, weil es zeigt, dass er verstanden hat, worum es im Profifußball geht. In den Trainingseinheiten war er oft sehr bissig, hatte bisweilen sogar ein paar starke Momente und fügte sich gut ins Team ein. Im Vergleich zu Farid Abderrahmane, der im vergangenen Jahr dabei war und meist wie ein Theologiestudent unter Forstarbeitern wirkte, konnte sich Mittelstädt bei Luhukay empfehlen.

Der Trainer sagte über ihn: „Maxi macht einen sehr lebendigen Eindruck. Wir sind mit ihm sehr zufrieden.“ Wenn man also mitdenkt, dass er wohl vorerst kein fester Bestandteil der Profis in der Rückrunde sein wird, kann man Mittelstädt als einen halben Gewinner der Vorbereitung bezeichnen.

Fromme Wünsche nach der Landung in Berlin

Um Punkt 16 Uhr landete die Chartermaschine am Sonnabendnachmittag mit den Herthanern und uns Journalisten an Bord in Schönefeld. Als der Flieger stand, verblüffte mich der Kapitän mit einer Lautsprecheransage: „Wir hoffen, dass wir Sie bald auch mal zu europäischen Spielen fliegen können.“ Der Kapitän wird noch warten müssen.

Damit endet mein kleines Trainingslager-Tagebuch aus Belek. Ich sage danke fürs Lesen und Diskutieren. Ich habe versucht, in größter Verbissenheit Einfluss darauf zu nehmen, dass ihr euch gut informiert fühlt. Ob das gelungen ist? Keine Ahnung. Aber das Wetter war schön

Teşekkür ederim und Güle, Güle.

PS: Die Berliner haben nun zwei Tage frei. Am Dienstag geht es um 14.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz weiter.