Mamma Mia! Oder: Der Tag des Liegestütz

(jl) – Irgendwann platzte Ronny der Kragen. „Mamma Mia!“, entfuhr es dem Brasilianer während der Trainingseinheit am Mittwochnachmittag. Die Hände gefaltet, der Blick gen Himmel – in Herthas Mittelfeldmann brodelte eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Frust. Auslöser war ein Klassiker der Leibesertüchtigung: der Liegestütz (Foto: jl).

Davon durften die Berliner Profis eine ganze Menge absolvieren. Drei Sätze á 20 plus zwei Sätze á zehn, um genau zu sein. Das Ganze war das Resultat einer Übungsform, mit deren Ausführung Trainer Jos Luhukay alles andere als zufrieden war.

Anspiel. Klatschen lassen. Steilpass.

Auf halbem Feld durften sich die Herthaner mit mehreren Bällen frei bewegen. Sah ein bisschen nach geordnetem Chaos aus (Foto: jl), war aber wohldurchdacht.

Luhukay wollte dabei eine recht simple Abfolge sehen: Anspiel. Klatschen lassen. Steilpass. Scheinbar leichter gesagt als getan, jedenfalls drohte der Chef-Trainer schon nach wenigen Sekunden an:

„Wenn die Ausführung nicht gut ist, macht ihr Liegestütze.“

Den Rest kennt ihr.

Das Problem: die Ballverluste

Bei der dritten Unterbrechung wurde Luhukay dann fuchsteufelswild.

„Drei Ballkontakte hintereinander – ist das so schwierig? Ohne Gegenspieler! Da muss man sich hinterfragen!“

Eine Dreiviertelstunde später, als alle Protagonisten etwas miesepetrig vom Platz stapften, erläuterte der Niederländer, was genau ihm missfallen hatte.

„Läuferisch haben wir keine Probleme. Aber wir brauchen mehr Ruhe am Ball und die Spieler ohne Ball müssen mehr Initiative zeigen.“

Das Defizit dahinter: Hertha leistet sich bislang zu viele Ballverluste in der Vorwärtsbewegung und wird dadurch anfällig für Konter.

Rüffel für van den Bergh

Gespielt wurde auch noch. Elf gegen Elf auf ganzem Feld, dazu gesellten sich zwei freie Spieler. Diesen Posten übernahmen zunächst Ronny und Salomon Kalou.

Rot: Kraft – Pekarik, Hegeler, Brooks, van den Bergh – Lustenberger – Skjelbred, Hosogai, Schulz, Ben-Hatira – Schieber.

Blau: Jarstein – Ndjeng, Heitinga, Langkamp, Plattenhardt – Niemeyer, Janker – Beerens, Mukhtar, Haraguchi – Wagner.

Zweimal acht Minuten wurde gespielt, wobei Luhukay auch hier längst nicht alles gefiel, was er sah. Einen Rüffel holte sich Johannes van den Bergh ab, weil er sich häufig falsch positioniere.

Luhukay: „Das ist dasselbe wie in Gladbach! Du startest zu früh! So kann man dich nicht anspielen!“

Hoffnung bei Lustenberger

Wie euch sicherlich nicht entgangen ist, hat Fabian Lustenberger in dem Team mitgewirkt, das der Startelf aus dem Gladbach-Spiel recht nah kam. Tatsächlich scheint der Schweizer schon für den kommenden Sonnabend eine Option zu sein.

Luhukay: „Fabian ist jetzt in der zweiten Wochen wieder dabei. Er ist mittendrin, aber wir müssen die nächsten Tage abwarten.“

Kalou äußert Verständnis

Abwarten muss momentan auch Salomon Kalou. Der Ivorer ist derzeit hinter Julian Schieber nur die zweite Wahl. Kollege Meyn hat aufgeschrieben, warum das so ist – und warum sich gegen Dortmund nichts daran ändern wird. Kalou scheint die Situation wie ein Sportmann zu nehmen, von Diventum ist (bislang) jedenfalls nicht zu hören. Im Gegenteil:

„Ich kann verstehen, dass ich zuletzt draußen saß, nachdem die Mannschaft in Köln ohne mich erfolgreich war.“

Ab morgen wird bei Hertha hinter verschlossenen Türen trainiert. Dafür stehen Luhukay und Manager Michael Preetz bei der Pressekonferenz Rede und Antwort. Wir sind für euch vor Ort.

P.S. Der Manager hat ein Foto von der Vereinsfeier in einer Loge des Olympiastadions getwittert.