Ein Sieg für's Gemüt

(mey) – In Paderborn geschehen seltsame Dinge. Heute zum Beispiel wurde dort eine Straße mit dem Namen Stoppelkamp-Allee eingeweiht. Damit kommt einem Spieler des ortsansäßigen SC Paderborn, Herthas nächstem Gegner am Sonntag, eine große Ehre zu: Moritz Stoppelkamp. Der schoss neulich dieses Jahrhunderttor aus 82,3 Metern Enfernung gegen Hannover. Deshalb nun die Allee, die – das ist wichtig – genau 82,3 Meter lang ist.

Aber, was sage ich? Seltsam ist es ja gerade auch bei Hertha BSC. Nach guten Auftritten daheim folgten zuletzt immer mäßige auf fremden Plätzen. Und dann das Aus im Pokal gegen Bielefeld. Seltsamer geht es ja nicht.

Überhaupt Bielefeld. Er habe zwei, drei Tage gebraucht, um den „Schock“ des Ausscheidens gegen einen Drittligisten zu verdauen, sagte Herthas Trainer Jos Luhukay heute auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Paderborn. Jetzt erhofft sich der Niederländer eine Trotzreaktion von seiner Mannschaft. Die ganze PK gibt es hier:

Warten auf Beerens, Schieber und Ronny

Paderborn und Bielefeld liegen ja nicht nur beide ziemlich dicht beieinander (knapp 50 Kilometer trennen beide Städte). Man könnte auch behaupten, dass Hertha in Paderborn Ähnliches erwarten wird wie in Bielefeld: eine kampfstarke Mannschaft, die jede Partie in der Bundesliga wie ein Pokalspiel angeht. Luhukay aber findet, „dass es keine großen Ähnlichkeiten zwischen beiden Teams gibt“. Und er hat wohl auch recht.

Während sich Bielefeld zumeist hinter reingestellt hat, um dann gefährlich zu kontern, attackiert Paderborn viel früher am gegnerischen Strafraum und kann im Laufe einer Partie die Systeme ändern.

Um sich auf diesen unangenehmen Gegner einzustellen, würde Luhukay personell gern aus dem Vollen schöpfen. Kann der Niederländer aber derzeit nicht: Roy Beerens, Julian Schieber und Ronny kamen angeschlagen aus Bielefeld zurück. Zu ihnen sagte Luhukay heute:

„Wir müssen das Abschlusstraining abwarten, um zu sehen, ob sie spielen können.“

Definitiv nicht spielen können Nico Schulz und Änis Ben-Hatira. Auch Verteidiger John Heitinga, der gegen Bielefeld wegen Wadenproblemen gefehlt hat, ist noch fraglich.

Dafür sieht es so aus, als ob Per Skjelbred wieder fit sein dürfte – für mich der Spieler, der in Bielefeld am schmerzlichsten vermisst wurde.

Der Mainz-Effekt

Luhukay sagte heute zum Spiel gegen den SCP: „Es ist eine Aufgabe, die sehr wichtig für uns ist“, und dann folgte ein Satzstück, in dem der 51-Jährige erst vom „gewinnen müssen“ in Paderborn und dann vom „gewinnen können“ sprach. Aber seien wir doch mal ehrlich. Hertha muss dieses Spiel gewinnen, um die durch das Pokal-Aus verschlechterte Stimmung wieder etwas ins Positive zu kippen.

Alles wieder gut wäre es damit zwar nicht, aber ein Sieg könnte die Weichen dafür stellen, dass es am Ende doch noch eine erfolgreiche Hinserie wird. Erlebt haben wir das schon einmal. Im vergangenen Jahr:

Da verlor Hertha in Kaiserslautern 1:3 und flog aus dem Pokal. Wenige Tage später rehabilitierte sich die Mannschaft mit einem 3:1 gegen Mainz und schaffte es so, dass die Pokal-Pleite keine allzu großen atmosphärischen Schäden hinterlassen konnte.

Ein Sieg gegen Paderborn wäre demnach auch vor allem einer für’s Berliner Gemüt, und Luhukay hofft demnach auf den Mainz-Effekt.

Frage an euch: Kann der gegen Paderborn jetzt wieder einsetzen? Oder seid ihr nach dem Spiel in Bielefeld wenig zuversichtlich?

Morgen, Sonnabend, trainieren die Berliner noch einmal im Verborgenen und reisen dann nach Ostwestfalen. 1254 Hertha-Fans werden die Mannschaft im Übrigen nach Paderborn begleiten.