Herbststimmung, siegende Nationalspieler und ein Preis für Kalou

(jl) – Das Wetter über dem Schenckendorffplatz war am Samstagvormittag ähnlich erquicklich wie Herthas Testspiel am Tag zuvor. 14 Grad und Regen, Herbststimmung. Die Berliner Profis trugen die letzte Einheit vor ihrem Wochenende mit Fassung und drehten beharrlich ihre Runden. Nach 35 Minuten war die physische Nachbereitung des 1:1 (0:1) gegen Erzgebirge Aue abgehakt.

Trainer Jos Luhukay hatte nach der Partie gegen den Zweitligisten keinen großen Redebedarf. Dass es ihm weniger um das Ergebnis ging, hatte er schon unmittelbar nach Spielschluss betont. Vielmehr sollten sich die Spieler aus der zweiten oder gar dritten Reihe Spielpraxis holen.

Mangelnde Laufbereitschaft bringt Burchert in Rage

Minuten haben die Plattenhardts, Hegelers und Jankers gesammelt. Ob sie sich auch Pluspunkte beim Coach erspielen konnten, darf jedoch bezweifelt werden.

Dass bei einer bunt zusammengewürfelten Mannschaft keine spielerischen Glanzlichter zu erwarten sind, ist klar. Ich persönlich fand es aber erstaunlich, dass es den Herthanern vor allem an Einsatzwillen fehlte. In den Zweikämpfen blieben die Berliner viel zu häufig zweite Sieger. Und die Rückwärtsbewegung? Pomadig.

Um nur ein Beispiel unter vielen zu nennen: Als Genki Haraguchi in der zweiten Halbzeit bei einer gegnerischen Ecke nicht schnell genug zurückeilte, platzte Torwart Sascha Burchert der Kragen:

„Genki, jetzt beweg‘ dich, Junge!“

Nein, aufgedrängt für die erste Elf hat sich gestern keiner der Blau-Weißen.

Herthas Youngster schlagen sich wacker

Noch ein Wort zu Herthas Nachwuchskräften: Mit Anthony Syhre (für John Heitinga), Nico Beyer (für Christoph Janker) und Maximilian Mittelstädt (für Marvin Plattenhardt) brachte Luhukay schon zur Pause drei Jungspunde, Dominik Pelivan (kam für Jens Hegeler) durfte in der Schlussphase mitwirken. Alle vier (im Bild v. l. n. r., Foto: jl) werden von dem Kick mit den Profis sicherlich profitieren.

Ihre Aufgaben lösten sie weitestgehend ordentlich, wenngleich eine gewisse Nervosität nicht zu übersehen war. Dass sie ihr Team mit zwei Leichtsinnsfehlern kurzzeitig in die Bredouille brachten, war Luhukay aber natürlich nicht entgangen.

„Nico und Anthony spielen zweimal Pässe zum Gegner – das darf im Spielaufbau nicht passieren.“

Skjelbred mit Torvorlage – Brooks bei bewegendem Donovan-Abschied

Etwas besser als für die Daheimgebliebenen lief es am Freitag für Herthas Nationalspieler. Norwegen fuhr in der EM-Qualifikation gegen Malta den ersten Sieg ein. Rune Jarstein saß nur auf der Bank, Per Skjelbred wurde nach 62 Minuten ausgewechselt. Zuvor hatte der Mannschaftskapitän aber noch das Tor zum 3:0-Endstand vorbereitet.

Hajime Hosogai spielte im Freundschaftsspiel gegen Jamaika über die volle Distanz. Das von Winfried Schäfer trainierte Karibik-Team beschenkte die Japaner dabei mit einem Eigentor, weitere Treffer fielen nicht mehr.

Deutschlands U21 gewann unterdessen 3:0 gegen die Auswahl der Ukraine – allerdings ohne das Mitwirken von Nico Schulz. Bleibt John Brooks, der in den USA Zeuge eines bewegenden Abschieds wurde. Soccer-Legende Landon Donovan absolvierte gegen Ecuador sein letztes Länderspiel und wurde kurz vor der Pause mit stehenden Ovationen verabschiedet. Für Brooks war die Partie nach 62 Minuten beendet. Am späten Gegentor zum 1:1-Endstand traf ihn also keine Schuld.

Kalou-Treffer zum Tor des Spieltags gewählt

Heute treffen Hany Mukhtar und die deutsche U20 auf die Niederlande, zudem tritt Salomon Kalou mit der Elfenbeinküste in der Demokratischen Republik Kongo an. Apropos Kalou: Sein Tor zum 2:1 gegen den VfB Stuttgart wurde von den Usern der offiziellen Bundesliga-Homepage zum „Tor des 7. Spieltags“ gewählt. Glückwunsch!

Am Sonntag gönnen sich die Hertha-Profis einen freien Tag. Nächste Trainingseinheit: Montag, 15 Uhr. Wir werden dort sein.