Nico Schulz und der Traum vom Adler

(mey) – Die meisten Spieler von Hertha BSC hatten ein freies Wochenende. Auch mal schön. Gibt es ja nicht so oft im Leben eines Fußballprofis. Zeit auch für uns, mal einen Schritt zurückzutreten, und das Geschehen im Weltfußball mit dem in Berlin abzugleichen.

Der deutsche Fußball – das ist seit dem vergangenen Mittwoch zu erahnen – hat in der Zukunft ein Problem. Mit dem Rücktritt Philipp Lahms ging der Nationalmannschaft der einzige Weltklasse-Außenverteidiger abhanden. Nun sucht Bundestrainer Joachim Löw händeringend nach neuen Kräften. Beim 2:4 gegen Argentinien wurde Löws Elf vor allem über die Außen mächtig durchgeschüttelt.

Löw auf der Suche

Das lang zum einen an dem fulminanten Angel di Maria, stimmt. Aber es lag auch daran, dass sich dort mit den Dortmundern Erik Durm (links) und Kevin Großkreutz (rechts) zwei Profis versuchten, die in jene Rollen erst noch hereinwachsen müssen (Durm), oder eigentlich auf einer anderen Position wesentlich besser aufgehoben wären (Großkreutz).

Fakt ist: Auf Außen in der Viererkette hat Löws Suche nach neuen Stammkräften gerade erst begonnen. Das Feld liegt noch ziemlich brach. Beim ersten EM-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl gegen Schottland heute Abend in Dortmund (20.45 Uhr/RTL) geht die Suche also weiter, und sie wird sich wohl durch die kommenden zwei Jahre bis zum Turnier in Frankreich ziehen.

Zurück zu den Anfängen

Und da sind wir auch schon bei Hertha: Vielleicht ist es euch aufgefallen. Nico Schulz hat am ersten Bundesligaspieltag gegen Bremen links in der Viererkette gespielt. Das hatte der 21-Jährige lange schon nicht mehr tun dürfen. In der vergangenen Saison war er zumeist im linken Mittelfeld aufgelaufen. Gegen Werder aber durfte er hinten links antreten, und ich habe ihn nach diesem Positionswechsel kürzlich mal gefragt. Er sagte:

„Ich habe meine ganze Jugend hinten links gespielt – ich bin damit aufgewachsen. Für mich ist das also keine große Umstellung“

Es ist demnach eine Rückkehr zu den eigenen Anfängen für den gebürtigen Berliner. Und es ist eine ganz bewusste. Schulz sagte mir darüber hinaus:

„Perspektivisch betrachtet passt diese Position besser für mich. Es gibt nicht viele gute Linksverteidiger in Deutschland. Dort will ich mich jetzt weiterentwickeln.“

Gegen Leverkusen lief Schulz dann zwar wieder im linken Mittelfeld auf – allerdings in einer anderen Rolle. Hertha spielte mit einer Dreier-Kette, die sich bei gegnerischem Ballbesitz zu einer Fünfer-Abwehrkette transformierte. Schulz war also Außenverteidiger und -angreifer in Personalunion – und er machte das für meine Begriffe ziemlich ordentlich (Tor von Schieber vorbereitet und am Eigentor von Jedvaj beteiligt).

Im EM-Quali-Spiel der deutschen U21-Nationalmannschaft gestern gegen Irland (2:0) begann Schulz dann allerdings wieder im linken Mittelfeld.

Wie Kumpel Draxler

Dennoch: Schulz hat erkannt, dass es in Deutschland eine große Nachfrage nach jungen und guten Außenverteidigern gibt. Und er würde künftig gern sein Glück auf jener Position links versuchen.

Schulz hat einen guten Freund, dessen Weg er lange in den deutschen U-Mannschaften begleitet hat, und der ihm heute von der A-Natioanlmannschaft erzählt kann: Julian Draxler. Draxler hat es schon zum festen Bestandteil von Löws Team geschafft. Schulz träumt noch vom Adler.

Explizit gesprochen hat Schulz vom DFB-Team mir gegenüber nicht. Im Gegenteil. Er sagte:

„Mein Ziel muss es jetzt sein, ein etablierte Bundesligaprofis werden. Das bin ich – Stand heute – noch nicht.“

Aber wäre es ihm dennoch zuzutrauen, dass er die aktuelle Brachfläche im deutschen Defensivverbund nutzen kann, um mit guten Leistungen bei den Berlinern vielleicht irgendwann in naher Zukunft auch Löw auf sich augfmerksam zu machen?

Gelänge ihm das, wäre er der erste deutsche Nationalspieler seit Arne Friedrich, den Hertha hervorgebracht hat (Pierre-Michel Lasogga verletzte sich vor seinem Debüt im März gegen Chile und stand darüber hinaus zu jenem Zeitpunkt beim HSV unter Vertrag).

Was denkt ihr? Traut ihr Schulz jenen Entwicklungsschub zu? Auf welcher Position ist er eurer Meinung nach bei Hertha am besten aufgehoben?

Wer jetzt meint, das Thema A-Nationalmannschaft sei für Schulz doch wohl noch keines, dem gebe ich mit auf den Weg, dass es für Erik Durm noch vor knapp einem halben Jahr auch keines war, und heute ist er Nationalspieler und – ja – Weltmeister. Zudem hat Löw explizit die jungen Spieler aufgefordert: Nun komme ihre Zeit.

UPDATE I: Ehrung für einen Herthaner

Passend zum Thema die Meldung, dass Herthas U17-Spieler Damir Bektic mit der silbernen Fritz-Walter-Medaille in der Altersklasse der unter 17-Jährigen ausgezeichnet wurde. Der Mittelfeldspieler landete hinter Abwehrspieler Benedikt Gimber von der TSG Hoffenheim.

Bektic, der bei Facebook sehr aktive ist, erhielt zudem auch noch einen guten Tipp vom neuen DFB-Sportdirektor Hansi Flick nach Verlesung einiger Beiträge durch Moderator Jörg Dahlmann. Er emphal ihm schmunzelnd „vielleicht etwas mehr Zurückhaltung“.

UPDATE II: Allagui verletzt sich

Noch eine Meldung eines ehemaligen Herthaners, die euch interessieren könnte. Möglicherweise fällt Sami Allagui, der kürzlich für eine Saison zu Mainz 05 verliehen wurde, für die Partie der Berliner gegen Mainz am Sonnabend aus:

Nach zwei freien Tagen trainieren die Berliner morgen wieder um 15.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz. Am Ende der Trainingswoche kommt dann Mainz 05 ins Olympiastadion (Sonnabend, 15.30 Uhr).