Und er wird doch noch gebraucht

(mey) – Es ging ein bisschen unter in der Nachlese zum Spiel gegen Bremen, aber eine Personalie hat mich ziemlich überrascht: Peter Niemeyer. Als ich im Urlaub war und mich über Herthas Saisonvorbereitung belesen haben, fand ich keine einzige Zeile über den 30-Jährigen. Nichts Positives, nichts Negative.

Es war, als wäre Niemeyer gar nicht dabei. Hertha hatte sich gerade auf seiner Position im defensiven Mittelfeld erneut verstärkt – Jens Hegeler wurde geholt und Tolga Cigerci fest verpflichtet. Für Niemeyer, so schien es – und den Eindruck hatte ich selbst auch – wird es sehr wahrscheinlich keinen Platz in diesem Team geben. Ich hätte mir sogar vorstellen können, dass der Kapitän der Aufstiegssaison aus Mangel an Perspektive den Klub noch in dieser Sommertransferperiode verlässt.

Ball her, und weg damit

Wieder einmal musste ich feststellen, dass man, wenn man die Dinge nur von außen betrachtet, ziemlich oft daneben liegt. Niemeyer stand nicht nur im ersten Pflichtspiel dieser Saison – dem Pokalspiel gegen Viktoria Köln – in der Startelf, er begann auch zum Bundesligastart gegen Werder (seinen alten Klub). Sicherlich, dass Niemeyer plötzlich wieder gefragt ist, hat Gründe: Der eine ist die Verletzung von Cigerci, der andere, die von Baumjohann. Mit Ronny als Baumjohann-Ersatz auf dem Feld fühlt sich Trainer Jos Luhukay offenbar wohler, wenn er Niemeyer als Absicherung vor die Abwehr stellt.

Mir hat Niemeyer gegen Bremen ganz gut gefallen, und zwar weil er tat, was er kann und den Rest sein ließ. „Ball her, und dann weg damit zum Mitspieler“, das ist Niemeyers Spiel. Balleroberung, körperliche Präsenz und Zweikampfstärke, das hat er gegen die Norddeutschen gezeigt. Keine riskanten Pässe, keine Dribblings – all das kann Niemeyer nämlich nicht.

„Ich stehe meinen Mann“

In der vergangenen Saison hat Niemeyer in der kompletten Hinrunde kein einziges Spiel von Beginn an gemacht – und in der Rückrunde nur drei. Plötzlich wird er aber doch noch gebraucht, dieser kunstlose Arbeiter, den viele gar nicht mehr auf der Rechnung hatten. Angesprochen auf seine Rolle, sagt Niemeyer:

„Ach, ich bin schon so lange dabei. Ich kenne das ganze Gerede. Wenn ich gebraucht werde, bin ich da und stehe meinen Mann. Dann versuche ich, der Mannschaft zu helfen.“

Die Frage ist nun, ob Niemeyer auch gegen Leverkusen gebraucht wird? Einerseits spricht vieles dafür. Die Leverkusener haben unter ihrem neuen Vorturner Roger Schmidt gegen Dortmund bewiesen, dass sie ein Überfallkommando bilden können. Schneller, technisch versierter Fußball ist das, was der Werksklub anzubieten hat. Ein reiner Abräumer wie Niemeyer vor der Abwehr könnte da hilfreich sein.

Andererseits fiel bei Bayer auch auf, dass sie die Dortmunder Spieler extrem früh unter Druck setzten und ein sehr hohes Pressing angingen. Niemeyer ist nun nicht der allerballsicherste Spieler (anders als Hajime Hosogai). Die Gefahr von Ballverlusten vor dem eigenen Tor könnte mit ihm also höher sein.

Wie seht ihr das? Würdet ihr Niemeyer gegen Leverkusen gern wieder in der Anfangself sehen? Traut ihr ihm zu, dass er in dieser Saison zu mehr Startelfeinsätzen kommen wird als in der vergangenen?

Heute hatten die Berliner einen Tag Pause. Morgen geht es um 10 Uhr und um 15.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz weiter. Dann beginnt die direkte Vorbereitung auf das Auswärtsspiel gegen Leverkusen am Sonnabend.