Wie gut ist Ronny wirklich?

(Seb) – Es gibt eine feste Regel für Journalisten: Keine Fragen in die Überschrift! „Wir sollen Fragen beantworten und keine stellen“, wurde mir in meiner Ausbildung gesagt. Ich setze mich aber heute etwas darüber hinweg, weil mich Eure Meinung interessiert und ich die Frage, was von Ronny zu erwarten ist, selbst für mich nicht beantworten kann. Denn bei aller Freude über den geglückten 4:2-Sieg bei Viktoria Köln im Pokal, sollte nicht vergessen werden, dass das ein Regionalligist war.

Die Frage ist also, wie viel Bundesliga in dem Spiel in Köln steckte. Ronny im Zentrum und Niemeyer im defensiven Mittelfeld haben wir in der vergangenen Saison nur zwei Mal von Beginn an gesehen (am 25. und 26. Spieltag). Beide Partien gingen, sicher nicht allein wegen dieser Aufstellung, jeweils 0:3 verloren. Ich persönlich tippe darauf, dass Luhukay gegen einen massiert stehenden Gegner auf Geniestreiche von Ronny gesetzt hat, die dann auch kamen. Niemeyer ist der kompromisslose Abräumer, der defensiv Ronny den Rücken freihält.

Die Zweifel, ob Ronny auch läuferisch mit der Bundesliga mithalten kann, bleiben allerdings. Ich hatte vor ein paar Tagen mal in den Kommentaren geschrieben, dass der Brasilianer von dem Weggang von Top-Stürmer Adrian Ramos profitiert. Das hört sich erst einmal merkwürdig an. Doch Ronnys Schwierigkeiten mit dem Liga-Tempo rührten neben seiner nicht besonders guten Sommervorbereitung 2013 auch von dem Kontersystem, das Luhukay dem kolumbianischen Angreifer auf den Leib geschneidert hatte.

Wie sehen es die anderen?

Die BILD beispielsweise ist sich nach dem Sieg im Pokal sicher:

So dürfte er Sonnabend zum Bundesliga-Start gegen Bremen wieder den Vorzug vor Alex Baumjohann erhalten.

Auch Kollege Bellert vom Berliner Kurier ist dieser Meinung:

Am Samstag gegen Werder Bremen steht also wahrscheinlich ein fitter Brasilianer auf Platz.

Bei Kollegin Christiane Mitatselis vom Tagesspiegel herrschen Zweifel vor:

Ob der launische Profi aus Fortaleza aber tatsächlich der neue Ronny ist, von dessen Existenz Luhukay überzeugt zu sein scheint, ist nach der Partie in Köln kaum beurteilen. Dafür war der Test nicht hart genug. Die Profis des mutigen, aber limitierten Teams aus der Regionalliga West ließen Ronny sehr Raum und Zeit, sich zu entfalten. So wurde er bei seinem Weitschuss nicht im Ansatz gestört – und konnte zaubern. Doch wie wird es aussehen, wenn es ernst wird? In der Bundesliga werden die Gegenspieler wieder weniger freundlich mit Ronny verfahren. Auch wird er sich dort nicht so sehr aus der Abwehrarbeit heraushalten können wie am Samstag, als Peter Niemeyer und Hajime Hosogai hinter ihm für Sicherheit sorgten und Ronny vieles abnahmen.

Bei der Berliner Zeitung in Person von Kollege Paul Linke ist man etwas unentschieden. Einerseits macht Ronny sichtbare Fortschritte. Andererseits hat Jos Luhukay immer eine Überraschung in seiner Aufstellung:

Die Sache ist die, Luhukay will Ronny („Er kann in einer Topverfassung jeder Mannschaft helfen“) ein wenig starkreden. Die Sache ist aber auch die, dass Ronny tatsächlich top und stark drauf ist. Er hält den Ball nicht mehr so lange wie früher, und er hat offensichtlich verstanden, dass Defensivarbeit in der Offensive beginnt. Luhukay sagt: „Ronny hat am längsten gebraucht für die Umstellung von Zweite auf Erste Liga.“ Und jetzt sieht es halt so aus, als würde er am Sonnabend beim ersten Bundesligaspiel gegen Werder Bremen erneut auflaufen dürfen – erneut von Beginn an. Aber das weiß man bei einem wie Luhukay erst, wenn die Aufstellungsbögen kurz vor dem Anpfiff verteilt werden. Es kommt eben auf den Gegner an.

Blog-Vater @ubremer gibt auch zu Bedenken, dass Ronny in der Vergangenheit Schwierigkeiten hatte:

Nun wissen die Fans, dass es bei Ronny zwei Konstanten gibt: Dass er immer für etwas Besonderes gut ist. Und, dass man nie weiß, wie lange er sein Niveau halten kann.

Ich bin sehr auf Eure Meinungen gespannt. Wo sehen wir Ronny am Sonnabend bei Anpfiff der Partie gegen Bremen? Auf dem Platz, auf der Bank oder auf der Tribüne?