Hertha 2020 - wohin geht die Reise?

(ub) – Zwei Pullover oder drei? Regenschirm und Regenjacke? Oder nur eines von beiden? Wohl Euch, die Ihr Euch mit den Verhältnissen beim Trainingslager in Schladming nicht rumzuschlagen habt. Einige aus Euren Reihen sind schon unterwegs. Die Frühaufsteher @freddie und @püppi sind schon vor Ort. Ihr Beitrag von heute Nachmittag zum Thema“ Wetter in Schladming“ (Fotos: @püppi):

Prognose: Schwere Saison für Union

Die Zweite Liga beginnt an diesem Wochenende. Will hier nur einmal der Vollständigkeit hinterlegen (weil es sonst in den Berliner Medien nicht thematisiert wird): Ich wünsche dem 1. FC Union nur das beste. Ein starker zweiter Verein in der Stadt wäre gut für Berlin.

Fürchte aber, dass Union nix mit dem Aufstiegsrennen zu tun haben wird. Genauer gesagt: Der Verein wird Mühe haben, die Klasse zu halten. Leider haben die Verantwortlichen, die Chance zur Neustrukturierung, die sich mit der Trennung von Trainer Uwe Neuhaus geboten hat, überhaupt nicht genutzt. Keine hauptamtliche Geschäftsführung mit Manager und Finanzchef, die dem Trainer-Team übergeordnet ist. Stattdessen wurde ein Trainer geholt, der noch nie als erster Mann Verantwortung bei einem Profiklub betreut hatte. Was für ein Standing wird der haben, sollte Union in eine Krise geraten?

Im Umfeld von Union wird über die Sofa-Nutzung diskutiert. Stattdessen ist in der Zweiten Liga eine zunehmende Professionalisierung gefordert (weil es die Aufstiegsanwärter alle so betreiben). Schade.

Sollte ich mich täuschen (und Union spielt eine respektabele Saison) habe ich für diese Prognose allen Spott verdient.

Habt Ihr eine Meinung zum Thema?

Hertha und die grundsätzliche Ausrichtung

Auf Hertha geschaut: Es gibt einen Text aus Euren Reihen, der sich mit den blau-weißen Perspektiven befasst. @playberlin hat sich Gedanken gemacht über die grundsätzliche Ausrichtung von Hertha. Nicht für heute und morgen. Mehr so für die kommenden Jahre, sagen wir bis 2020.

Tusch, Trommelwirbel, Film ab:

Angemessen, ambitioniert oder größenwahnsinnig?

Von playberlin

Hertha BSC hat nach dem Wiederaufstieg 2013 als Aufsteiger souverän die Klasse gehalten und eine für Berliner Verhältnisse ruhige und unspektakuläre Saison 2013/2014 gespielt. Das Team geriet nie wirklich in akute Abstiegsgefahr, was insbesondere der mit 28 Punkten äußerst erfolgreichen Hinrunde zu verdanken war.

Zeit, um durchzuatmen und nach vorne zu blicken. Mit Jens Hegeler und Valentin Stocker wurden die ersten beiden Neuverpflichtungen bereits getätigt, weitere fünf Verstärkungen sind gefolgt. Es gilt sowohl den Verlust von Torjäger Adrian Ramos zu kompensieren, als auch den Kader breiter aufzustellen und insgesamt mehr Torgefahr zu entwickeln.

Wie vernünftig ist Berlin?

Dank der erzielten Ablöse für Adrian Ramos von knapp unter 10 Mio. Euro und weiterer Transfererlöse (Lasogga) ist Hertha erstmals seit Jahren wieder in der Lage, einen gewissen Investitionsspielraum zu haben. War man in den vergangenen Transferperioden eher darauf angewiesen, möglichst ablösefrei Spieler nach Berlin zu lotsen, deren Dienste anderswo nicht mehr gefragt waren, so sieht man sich plötzlich in der komfortablen Situation, etablierten Bundesligisten im Poker um potenzielle Verstärkungen die Stirn bieten zu können.

Daraus resultierend schließt sich unweigerlich die Frage nach der strategischen Ausrichtung in den kommenden Jahren an. Die Verantwortlichen verweisen nach wie vor darauf, man wolle sich in der Bundesliga sportlich etablieren, einen finanziellen Konsolidierungskurs fahren und auch in der nächsten Saison primär den Klassenerhalt anstreben. Soweit, so gut – hört sich vernünftig an und eine gesunde Portion Demut ist nach den Negativerlebnissen der letzten Jahre sogar angebracht.

Eine Hauptstadt gehört nach Europa

Fraglich bleibt jedoch, ob sich der geneigte Berliner Fußballfan dauerhaft damit zufrieden gibt, den Klassenerhalt als Zielstellung zu akzeptieren. Seit dem Einstieg der Beteiligungsgesellschaft KKR, durch deren Finanzspritze alte Verbindlichkeiten abgelöst und Rechte zurückerworben wurden, stehen jährlich zusätzliche Mittel in Millionenhöhe durch Einsparungen zur Verfügung. Folglich sind die Erwartungen im Umfeld des Vereins eher gestiegen als gesunken. Auch Äußerungen des kickenden Personals, jüngst beispielweise der von der Europa League träumende Neuzugang Stocker, lassen vielmehr darauf schließen, dass intern durchaus ehrgeizigere Ambitionen verfolgt werden.

Zusammenfassend ist es für die Vereinsführung eine große Herausforderung, eine Strategie vorzugeben, die einerseits auf Basis der vorliegenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen realistisch und vernünftig ist, andererseits aber auch von jungen und ambitionierten Profifußballern sowie dem nach Erfolg lechzenden Berliner Publikum, der breiten Medienlandschaft in der Hauptstadt sowie von Sponsoren und Geldgebern bedingungslos mitgetragen wird.

Vorbild Mainz oder Das Ende der Demut?

Nun Ihr – welche Strategie ist angemessen, wie ambitioniert soll und darf Hertha mittelfristig Ziele formulieren und steckt hinter allem vielleicht doch eine ehrgeizige Vision „Hertha 2020“?

P.S. Eine erste Immerhertha-Inspektion von @freddie und @püppi vor Ort ergab folgenden Eindruck der „Schladming Athletic Area“: