Ente oder Trente – Herz oder Scheck

(ub) – Manche Dinge brauchen Zeit. Vor drei Wochen, als ich mich Richtung Urlaub verabschiedet habe, stand die Aussage von Michael Preetz im Raum: „Wir haben unser Interesse klar, langfristig und mit Zahlen hinterlegt – mit einem neuen Vertrag. Jetzt, nachdem die Saison zu Ende ist, muss Pierre sagen, was er will.“

Drei Wochen später ist dieser Ball immer noch nicht weitergerollt. Aber, nach dem Treffen von Pierre-Michel Lasogga und Hertha-Manager Preetz im Maritim-Hotel zu Düsseldorf läuft die Angelegenheit auf die Entscheidung zu – ‚ente oder trente‘. Zum Beginn der kommende Woche soll es soweit sein.

Drei Vereine, drei Wege

Interessant, mit welchen Stilmitteln derzeit die beteiligten Seiten unterwegs sind. Bei Hertha hat sich einmal der Trainer auf den Weg gemacht. Das Treffen von Jos Luhukay und Lasogga in Berlin fand übrigens, wie die Beteiligten erzählen, in sehr angenehmer Atmosphäre statt. Am Donnerstag flog Preetz nach Düsseldorf, um sich mit dem Familien-Unternehmen zu treffen.

Die Hertha-Karten liegen seit längerem auf dem Tisch: Die Berliner haben sich als erster mit einem Angebot zur Vertragsverlängerung, mit konkretem Gehalt, konkreter Laufzeit festgelegt.

Der HSV ist anders unterwegs: Täglich versuchen Sportdirektor Kreuzer oder Trainer Mirko Slomka telefonisch ihr Interesse zu hinterlegen. Dazu wird aus dem Hintergrund mit finanziellen Angeboten für Lasogga gewedelt, hart an der Grenze zu dem, was moralisch vertretbar ist.

Außerdem im Rennen ist noch Newcastle United.

Wo ist der Karriere-Plan bei Lasogga?

Was beim Unternehmen Lasogga nicht recht zu erkennen ist, ist ein Karriereplan für den Filius.

Die Emotionen gehen hoch. Mal in die eine, mal in die andere Richtung. Mal freut sich der Spieler über die tolle Stadt Berlin, über Hertha, die Fans. Aber auch an der Elbe ist es toll, weil er der König von Hamburg ist, Publikumsliebling, Hoffnungsträger.

Die Zweifel, die Lasogga am meisten plagen, betreffen Trainer Jos Luhukay. Der hat ihn schließlich gegen Union aus dem Kader gestrichen (nach einem Trainingseklat, den Lasogga gegen Maik Franz verursacht hatte). Der hatte sich außerdem für Sandro Wagner als zweiten Stürmer entschieden.

Meine Meinung: Mit einem Wechsel zum HSV blockiert Lasogga seine Karriere auf Jahre. In Hamburg spielt Lasogga ebenso wenig international wie in Berlin.

Meine Empfehlung für den Karriereplan: Weniger Emotionen, mehr Kalkül.

Entweder jetzt zu einem Klub zu wechseln, der verspricht, regelmäßig international zu spielen. Oder, da es diesen Aspiranten im Moment nicht gibt, das ausstehende Jahr bei Hertha absolvieren.

Ich würde den Vertrag in Berlin jetzt nicht verlängern. Sondern mit Selbstvertrauen in die anstehende Saison gehen.

Es geht auch ums Prestige

Dann, im Sommer 2015, ist Lasogga 23 Jahre jung. Und all‘ die hübschen Millionen, die die Vereine in diesem Sommer als Ablöse an Hertha zahlen müssten, fließen im kommenden Sommer zu etwa 50 Prozent als Handgeld in die Schatulle des Familenunternehmens L. – zuzüglich, zu einem ohnehin top dotierten Vertrag bei einem Klub, der möglichst in der Champions League unterwegs ist.

Eure Meinung? Habt Ihr schon oft genug hinterlegt.

Viel Spaß bei Spanien vs Holland.

P.S. Wer es nicht gesehen hat: In der Dokumentation von Lutz Pfannenstiel aus Brasilien gibt es fünf Minuten über Raffael und Ronny. Der Part über Fortaleza beginnt bei 9.30 Minuten