"Ronny, lass mich leben!"

(Seb) – Die Zahlen des Tages: 10 Fußballprofis, vier Betreuer, 3 Fotografen, 3 Journalisten und 14 Fans waren heute morgen beim Training von Hertha. Zusammen wäre das ein ganz vernünftiger Kader gewesen. Aber so hatte das etwas von Förderunterricht in der Schule.

Der größte Teil der Übungen spielte sich hinter den Netzen der beiden großen Trainingsplätze ab. Die Spieler, bei denen Sebastian Langkamp nach seinen Hüftproblemen wieder dabei war, durften ein sehr hübsch anzusehendes Lauf-ABC absolvieren, bei dem nur selten die kleinen Hürden fielen. Sah teilweise sehr lustig aus, obwohl es wirklich harte Arbeit ist (Fotos: Seb).

Drei Liegestütze für jeden Fehlschuss

Mehr Spaß gab es im Käfig nebenan. Dort mussten sich die Profis durch ein kleines Parcours kämpfen, um dann einen von den Co-Trainern Markus Gellhaus oder Rob Reekers zugespielten Ball aus kurzer Distanz zu verwandeln. „Wer nicht trifft, macht drei Liegestütze“, rief Jos Luhukay. Nicht wenige Spieler mussten tatsächlich nach ihren Übungen die Nasenspitze in den Rasen halten. Nachdem Gellhaus Sami den Ball etwas ungenau für einen Kopfball zugeworfen hatte, musste auch der Co-Trainer auf Anweisung seines Chefs nach unten.

Als die Spieler freigestellt bekamen, wie sie auf das Tor schießen, ging Gellhaus in Deckung und rief: „Ronny, lass mich leben!“ Denn der Brasilianer ballerte mit Vollspann aus kürzester Entfernung auf den Kasten. Bei diesen Schüssen soll ja schon so manche Mauer von gegnerischen Teams löcherig geworden sein.

No Dice bei Hertha

Einer der drei heute anwesenden Fotografen war Ian Stenhouse vom englischsprachigen Berliner Fußballmagazin No Dice. Der Schotte stattete Hertha einen Besuch ab, weil er sowieso auf dem Weg war. Am Abend gibt es in Spandau den Kreisliga-Leckerbissen SSC Teutonia II – MSV Normannia 08, den er sich ansieht. „Das ist im Gegensatz zum Profifußball wie eine komplett andere Sportart“, sagte er. „Aber ich mag beides.“

Da wir beide aus Pankow kommen, sprachen wir etwas über unsere lokalen Teams wie VfB Einheit zu Pankow und Fortuna Pankow. „Hast Du schon einmal Borussia Pankow spielen sehen“, fragte Ian mich. „Das ist das Barcelona der Bezirksliga.“ Den Sportplatz kann ich auf jeden Fall empfehlen. Er befindet sich direkt neben dem Bürgerpark in Pankow und ist fußläufig fünf Minuten vom S-Bahnhof Wollankstraße entfernt.

No Dice lege ich Euch auch ans Herz. Ein mit sehr viel Liebe gemachtes Magazin über Amateurfußball. Wo der Sport sich noch so anhört und riecht wie früher. Wobei Hertha unter Jos Luhukay auch noch solche Momente hat. Als der Trainer an uns vorbei in den Geräteschuppen lief, Hürden herausholte und selbst aufstellte, sagte Ian anerkennend: „Das ist außergewöhnlich für einen Cheftrainer. Weder Mourinho noch Wenger würden sich da die Hände schmutzig machen.“