Ronny bricht das Training ab. Luhukay macht Hertha Dampf

(mey) – Um 15.10 Uhr, exakt 40 Minuten nach Beginn der heutigen Trainingseinheit bei Hertha BSC, war der Tag erst einmal gelaufen für Ronny. Der Brasilianer knickte bei einem Zweikampf mit Linksverteidiger Fabian Holland um, lag mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem matschigen Rasen und musste behandelt werden. Das Sprunggelenk des linken Fußes war so sehr mitgenommen, dass Ronny das Training abbrechen musste und mit finsterer Miene vom Platz humpelte (Foto: @mey).

Ob es einen Zusammenprall mit Holland gegeben haben, wurde Ronny gefragt. Der schüttelte den Kopf:

„Nein, das war ich allein. Ich bin umgeknickt.“

UPDATE: Nach der ersten Diagnose bei Ronny besteht der Verdacht auf eine Außenbanddehnung im linken Sprunggelenk. Bestätigt sich das, wäre ein Einsatz des Spielgestalters am Sonntag gegen Nürnberg nicht gefährdet. Morgen wird Ronny aber aller Voraussicht nach pausieren.

Cigerci wird nicht rechtzeitig fit

Irgendwie scheint Hertha derzeit nicht vom Glück geküsst zu sein, was die Verletzungen der Profis angeht. Angreifer Adrian Ramos konnte heute noch nicht trainieren. Der Kolumbianer soll seine Fleischwunde am Knie, die er sich beim 0:1 gegen Frankfurt am Sonnabend zugezogen hatte, heilen lassen.

Dazu fehlte heute immer noch Tolga Cigerci. Der 21-Jährige verpasste ja schon die Partie gegen Frankfurt, weil er Schmerzen an der Achillessehne hat. Es sieht so aus, dass auch ein Einsatz am kommenden Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg noch zu früh kommt für den laufstarken Mittelfeldakteur.

Frage an euch: Wenn das so ist, wer sollte Cigerci dann gegen den wiedererstarkten Club, der am Wochenende bekanntlich Hoffenheim mit 4:0 vom Platz gefegt hatte, ersetzen? Erneut Peter Niemeyer, der, wie ich finde, seine Sache in Frankfurt ordentlich gemacht hatte? Oder Levan Kobiashvili, Hany Mukhtar oder ein anderer?

Auch Wagner und Kluge fehlen

Dass Peer Kluge erneut nicht zu den Ersatzkandidaten für die Cigerci-Positiongehören dürfte, zeichnete sich heute ab. Der 33-Jährige fehlte heute beim Training, weil er Kniebeschwerden hat. Ein Einsatz gegen seinen Ex-Klub Nürnberg ist unwahrscheinlich, selbst wenn Kluge rechtzeitig wieder fit werden würde.

Neben Kluge fehlte heute auch Sandro Wagner. Der Angreifer hat eine schmerzhafte Blase am Hacken. Nichts Schlimmes. Dass bei Hertha jetzt das große Zittern um die Offensivabteilung beginnt, wies Trainer Jos Luhukay von sich:

„Nein, ich mache mir keine Sorgen, nur Gedanken. Wir werden schon eine Lösung finden, wie wir es bisher immer geschafft haben. Sorgen mache ich mir erst, wenn ich keine elf Spieler mehr zusammen habe. Bei Adrian hoffen wir, dass er am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“

Damit könnte der Kolumbianer gegen Nürnberg auflaufen.

„Johannes, du schläfst ein!“

Luhukay war heute zu Beginn des Trainings übrigens ziemlich angefressen. Zu lasch führten ihm seine Profis die Übungen aus. Als es ums Passtraining ging, unterbrach der Niederländer wütend und rief: „Das ist mir viel zu träge. Da ist keine Dynamik. Wir müssen das alles spielnahe machen. Keine weichen Bälle. Ihr müsst eure Gegenspieler mehr fordern.“

Als es danach immer noch nicht nach seinem Wunsch lief, schnauzte Luhukay seinen Linksverteidiger Johannes van der Bergh an: „Johannes, du schläft ein! Mehr Qualität! Ihr müsst euch mehr fokussieren!“ Nach dem Training erklärt Luhukay seine schlechte Laune:

„Das Training soll von Anfang an fokussiert ablaufen. Wir wollen uns ja verbessern. Unser Spiel mit dem Ball muss besser werden. Wir haben in Frankfurt gesehen, woran es lag. Bis zum 16-Meter-Raum haben wir gut kombiniert, aber danach fehlte die Präzision.“

Das Dampfablassen zeigte übrigens Wirkung bei den Herthanern. Nach dem Anpfiff vom Trainer ging es besser.

Kraft als Schalterspieler

Interessant fand ich heute, und deshalb lasse ich euch auch daran teilhaben, dass Luhukay beim Trainingsspiel ohne Tore dem Stammkeeper Thomas Kraft ein rotes Leibchen überreichte. Das trägt immer der Spieler, der auf dem Feld für beide Mannschaften anspielbar ist. Meist machen das Peter Niemeyer oder Hajime Hosogai – Spieler also, die Luhukay im zentralen, defensiven Mittelfeld oft als „Schalterspieler“ bezeichnet (gemeint ist das Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt).

Kraft durfte sich also heute als solch ein Schalterspieler versuchen. Es ist ja ein Ziel der Berliner, das Spiel mit dem Ball bei dem 25-Jährigen zu verbessern. Kraft machte das heute gar nicht schlecht, fand ich. Ok, ein Edeltechniker wird er wohl nicht mehr, aber es ging. So eine Maßnahme habe ich bei Hertha, seit ich vor 1,5 Jahren angefange habe, die Berliner als Reporter zu begleiten, noch nicht gesehen.

Zum Schluss noch eine Wasserstandsmeldung, die manche von euch freuen und zugleich ein bisschen ängstigen könnte. Diesmal über meinen Twitter-Account. Ach ja, wer Lust hat, mir zu folgen…Ihr kennt das. „Folgen“-Button drücken…

Morgen trainieren die Berliner um 10 Uhr und um 14.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz.

Ps: Heute feiert John Anthony Brooks seinen 21. Geburtstag. Der Abwehrmann kam etwa 30 Minuten nach Trainingsbeginn auf den Schenckendorffplatz, um zu laufen. Nächste Woche soll er voraussichtlich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.