In Berlin sprechen Fans und Polizei miteinander, in Köln schwebt ein Fan in Lebensgefahr

(ub) – Wochenende bei Hertha. Nach 15 Tagen Arbeit am Stück hat Trainer Jos Luhukay seinen Profis erstmals einen freien Samstag und Sonntag Tage gegönnt. Wobei nicht alle frei haben.

Geschäftsführer Ingo Schiller und Fan-Betreuer Donato Melillo sind an diesem Wochenende beim Zweiten Fankongress der Organisation „Pro Fans“ im Einsatz. Der findet im Kino Kosmos in Friedrichshain statt. Die Besetztung ist hochkarätig. Neben den Vertretern vieler verschiedener Vereine aus dem gesamten Bundesgebiet – so sind Fans von Hertha und Union dabei, vom HSV und dem FC St. Pauli – sind auch weitere Beteiligte vertreten. Der Deutsche Fußball-Bund hat Generalsekretär Helmut Sandrock und den Sicherheitsbeauftragten Hendrik Große Lefert geschickt.

Fußball als Familienfreundlicher Event

Die Deutsche Fußball-Liga ist mit Geschäftsführer Andreas Rettig vertreten. Helmut Spahn ist vor Ort, der Sicherheitsbeauftragte der WM 2006, der mittlerweile in ähnlicher Funktion in Katar arbeitet. Zum ersten Mal bei diesem Kongress ist auch die Polizei vertreten durch Hans-Ulrich Hauck, dem Leiter der Polizeidirektion 2 und Einsatzleiter von Heimspielen von Hertha BSC.

Sebastian Fiebrig ist für die Morgenpost dabei. Er hat zum Beginn der Veranstaltung einen Bericht verfasst – hier. Dann hat er mit einem Fan-Vertreter gesprochen – „das Verhältnis zur Polizei ist katastrophal“ – hier. Und mit Helmut Spahn – „Familien können in Deutschland unbesorgt ins Stadion gehen“ – hier.

Randale vor dem Benefizspiel

Abgesagt hat jener Politiker, der zuletzt als Scharfmacher aufgefallen war, Ralf Jäger (SPD), Innenminister aus NRW. Und hat in seiner schriftlichen Begründung gleich noch mal Salz in die Probleme gestreut:

«Straftäter reisen quer durch Deutschland, provozieren auf dem Weg zum Stadion Krawalle und Ausschreitungen»

Die Veranstaltung dauert noch an. Für den frühen Abend ist die mit Spannung erwartete Diskussion mit Fan-Vertretern und der Polizei angesetzt.

Wie schwierig und ernst das Thema zeigt ein aktueller Vorfall: Im Vorfeld eines Testspiels zwischen Zweitligist 1. FC Köln und Erstligist FC Schalke (Endstand 2:1) gab es im Vorfeld Auseinandersetzungen zwischen rund 250 Fans. Ein Anhänger schwebt in Lebensgefahr – hier

Einen Schritt zurückgetreten: Beim Hamburger SV wird eine Rekordzahl für eine Mitgliederversammlung erwartet. Kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Bundesligist 10.000 Mitglieder mobilisiert hat. Auf der Tagesordnung beim HSV steht die Entscheidung, ob die Profi-Abteilung ausgegliedert wird oder nicht. Die Schuldenlast von 100 Millionen Euro sorgt dafür, dass der HSV sich grundsätzlich mit seinen Strukturen beschäftigen muss.

Miteinander reden statt übereinander

Erleben wir gerade eine eine neue Entwicklung? Dass mehr Leute bereit sind, sich im Fußball zu engagieren?

Ich finde es sinnvoll, dass im Kino Kosmos Fans, die DFL, der DFB und die Polizei miteinander reden (statt nur übereinander). Andrerseits mutet mich manches naiv an: Weitere Themen beim Fankongress sind:

– was lässt sich gegen die vielen unterschiedlichen Anstoßzeiten an einem Spieltag tun?

– Was lässt sich gegen den Kommerz tun, wen Investoren sich engagieren wollen? (Genau das versprechen sich beim HSV die Befürworter einer Ausgliederung: Dass im Fall einer Aktiengesellschaft sofort 50 Millionen Euro in den Verein fließen würden).

Wer bestimmt Klubpolitik: Die Fans? Oder die Mitglieder?

Hier habe ich ein grundsätzliches, logisches Problem: Warum glauben, Fans, die Tickets für ein Heimspiel kaufen, dass sie damit das Anrecht erwerben, die Vereinspolitik zu beeinflussen? Für die grundsätzliche Ausrichtung eines Vereines sind die Mitglieder zuständig, siehe Hamburger SV morgen.

Oder übersehe ich das was?

Eure Meinung: Engagieren sich mehr Leute als früher? Hilft das dem Fußball?

P.S. Fanol Perdedaj im Pressegespräch im neuen Outfit. Sein neuer Arbeitgeber bereitet sich übrigens in Lara/Türkei auf die verbleibenden Spiele vor – im Hotel Titanic hier