UPDATE: Logbuch Belek Tag drei. Hertha spielt 1:1 gegen Aarau. Sorgen um Gersbeck

(mey) – Nach dem Aufstehen gab es für die Profis von Hertha BSC hier im Trainingslager in Belek erst einmal etwas zu staunen: Cheftrainer Jos Luhukay hatte seine Spieler versammelt, um mit ihnen eine ausführliche Analyse der Hinrunde zu machen. Klar, 28 Punkte, Platz sechs. Das ist löblich. Aber was waren eigentlich die Schlüssel zum Erfolg? Luhukay wollte, wie er heute sagte, „den Jungs etwas mit auf den Weg geben“.

„Manchmal wissen die Spieler selbst das auch nicht. In bestimmten Facetten des Spiels liegen wir direkt hinter dem FC Bayern. Das finde ich erstaunlich, und ich wollte es den Spielern mal deutlich aufzeigen. In den Kategorien ‚Die wenigsten Torschüsse zugelassen‘, ‚Die wenigsten Kontertore kassiert‘, ‚Die wenigsten Flanken zugelassen‘ usw. liegen wir hinter den Bayern im Ligavergleich weit vorn. Das zeigt auch, dass der Weg zum Erfolg nicht nur über die Offensive führt. Er führt erst einmal über eine starke Defensive.“

Kollege @seb hatte nach dem letzten Hinrundenspiel gegen Dortmund mal aufgeschrieben, welche Gründe für den Erfolg die Statistik so hervorbringt –>hier. Vielleicht hat der ein oder andere von euch auch noch die Grafik aus der Morgenpost vor Augen.

Muss Gersbeck abreisen?

Beim Training heute Vormittag fehlte einer: Marius Gersbeck hat sich gestern Nachmittag im Training am Knie verletzt. Erste Diagnose: nur eine Blockierung. Heute aber sieht es schon schlimmer aus. Gersbeck blieb im Hotel und wartete auf Dr. Ulrich Schleicher, der aus Berlin eingeflogen wurde. Derzeit wird er behandelt. Alles sieht so aus, als wäre das Trainingslager für ihn schon gelaufen.

Luhukay zeigte sich sichtlich besorgt:

„Wir wissen noch nicht genau, wie schlimm es ist. Wenn es aber so kommen sollte, dass er abreisen muss, dann wäre das sehr sehr ärgerlich. Mir tut der Junge richtig leid. Wir alle hier hatten bisher unglaublich viel Freude an ihm. Wenn wir uns an Dortmund erinnern. Die Bilder habe ich noch im Kopf, als er dort auf den Zaun geklettert ist und mit seinen Freunden in der Kurve gefeiert hat. Wenn er ausfallen sollte, wäre das sehr sehr schade.“

Der Niederländer ist überzeugt von seinem jungen Torwart: „Gestern im Training zum Beispiel, da fand ich ihn richtig gut. Er war aggressiv, zeigte tolle Reflexe.“

Und auch Herthas Stammkeeper Thomas Kraft hält viel von Gersbeck. In einem Interview mit der BILD lobte er ihn wie folgt: „Jetzt ist er ein guter Torwart, und er kann ein sehr, sehr guter werden.“

Frage an euch: Was traut ihr Gersbeck noch zu? Kann er es eines Tages bei Hertha zum Stammkeeper schaffen?

Die ruhige Kugel

Das Training heute Vormittag übrigens war überschaubar. Nach den beiden intensiven Einheiten gestern, ließ Luhukay seine Spieler ein paar Passübungen machen. Ansonsten aber gib es darum, die Beine zu lockern, ein paar Liegestütze zu machen, und sich beim Ballhochhalten über die Fehler der Kollegen zu freuen.

Die letzte Viertelstunde sah dann so aus (Foto: @mey):

Jarstein spielt gegen Aarau

Um 17 Uhr (Ortszeit/also 16 Uhr deutscher Zeit) tritt Hertha heute auf dem Trainingsplatz des Hotels zum ersten Testspiel in Belek an. Gegner ist der Schweizer Erstligist FC Aarau. Luhukay erwartet sich Folgendes von dem Spiel:

„Ich möchte, dass die Spieler wieder in den Rhythmus einer Spielsituation kommen. Mehr nicht. Es geht nicht darum, dass ich von jedem hier gleich Topleistung erwarte.“

Geplant ist, zwei verschiedene Mannschaften je 45 Minuten spielen zu lassen. Auch die beiden verbliebenen Torhüter, Kraft und Rune Jarstein, werden je 45 Minuten spielen. Damit kommt der Norweger, der erst seit Anfang Januar in Berlin ist, zu seinem allerersten Einsatz für Hertha.

Ob es mir möglich ist, während des Spiels einen Liveticker zu schreiben, kann ich noch nicht versprechen. Es gibt am Trainingsplatz kein W-Lan. Wenn nicht, gibt es hier nachher einen kurzen Spielbericht.

UPDATE Ronny trifft aus 20 Metern

Es gab diese eine Szene in der zweiten Halbzeit von Herthas erstem Testspiel heute gegen den FC Aarau, die bezeichnend war für die Partie: Rune Jarstein fing den Ball ab, guckte irritiert und hob den Arm: Ball ist platt, Schiri! Ball wurde ausgetauscht, aber am Fakt, dass in diesem Spiel heute Nachmittag irgendwie von vorn herein die Luft raus war, änderte auch das nichts.

Hertha spielt im Test gegen den Schweizer Erstligisten 1:1 (1:0). Nach einem feinen Tor von Ronny, der den Ball nach Vorarbeit von Adrian Ramos aus 20 Metern unter die Latte hämmerte (33. Minute), glich Aarau in der 78. Minute durch Juan Pablo Garat aus.

Müde wirkten die Berliner eigentlich nicht von den Strapazen der ersten Trainingstage. Aber ein Testspiel ist eben ein Testspiel, und so richtig Spannung kommt da halt selten auf.

Unter den Augen von RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick (er schaute sich eine Halbzeit an) hatte Luhukay zunächst folgende Mannschaft aufgestellt:

Kraft – Pekraik, Lustenberger, Franz, van den Bergh – Cigerci, Niemeyer – Allagui, Ronny, Sahar – Ramos.

Zwei verschiedene Teams

In Halbzeit eins dominierten zunächst die Schweizer: Kraft parierte mehrfach gut (9., 17. und 31. Minute). Eine Hertha-Chance in der 31. Minute vergab Pekarik.

Im zweiten Durchgang wechselte Luhukay wie angekündigt komplett das Team. Die Aufstellung nun lautete:

Jarstein – Ndjeng, Langkamp, Janker, Holland – Hosogai, Kluge – Abderrahmane, Mukhtar, Schulz – Wagner.

Jarstein, der erstmals im Hertha-Trikot spielte, machte einen ordentlichen Eindruck. Am Gegentor war er schuldlos und rettete in der 90. Minute sogar das 1:1, als ein Schweizer aus 16 Metern auf die kurze Ecke zielte.

Luhukay zog nach dem Spiel folgendes Fazit:

„In Halbzeit eins war der Gegner gut. Thomas Kraft hat mehrfach gut gestanden. Im Halbzeit zwei haben wir dann das Spiel diktiert. Schade, dass wir noch den Ausgleich bekommen haben. Den Sieg hätten wir gern mitgenommen. Aber ich lege nicht so viel Wert auf das Ergebnis. Wichtig ist, dass wir wieder in den Spielrhythmus kommen.“

Morgen dann steht schon das zweite Testspiel gegen Hannover 96 an (16 Uhr Ortszeit, am Herthas Trainingsplatz).

Das war Tag drei in Belek. Bis dahin. Güle, Güle!