"Ein Traum ist kaputt" – Allagui hat den Blues. Bekommt Fiedler doch noch seinen Abschied?

(mey) – So ein Vollbart sieht oft ja gut aus und kündet in jugendlichen Kreisen meist von selbstbewusst vorgetragener Männlichkeit. Manchmal aber, da kann das Gestrüpp im Gesicht auch eine gewisse Melancholie des Bartträgers unterstreichen, vor allem dann, wenn aus jenem Gesicht auch noch zwei ziemlich traurige Augen hervorgucken. Nach dem Frühsport heute Morgen (Trainingsbeginn 9.30 Uhr) stapfte Sami Allagui vom Trainingsplatz. Herthas Angreifer ist wieder zurück vom Abenteuer Afrika und hat einen solchen Vollbart mitgebracht.

Bekanntlich hat Allagui mit der tunesischen Nationalmannschaft das große Ziel WM-Teilnahme 2014 in Brasilien verpasst. Im Rückspiel gegen Kamerun am Sonntag setzte es eine herbe 1:4-Klatsche. Dass ihm die Enttäuschung immer noch ziemlich in den Knochen sitzt, das verrieten Allaguis Augen schon bevor der Hertha-Profi folgendes sprach:

„Ich bin natürlich sehr traurig. Die Enttäuschung ist immer noch groß. Das ist wie ein Déjà-vu: Schon 2010 scheiterten wir ja mit Tunesien knapp. Ein Traum ist kaputt.“

Allagui fand, dass Kamerun verdient gewonnen habe, „denn sie haben gut den Ball laufen lassen“. Die Bedingungen in Jaunde, Kameruns Hauptstadt, seien zwar extrem gewesen, sagte Allaui: „Da waren 30 Grad und eine erdrückende Feuchtigkeit. Schon auf der Ersatzbank waren wir pitschnass geschwitzt.“ Aber Kamerun habe es verdient, bei der WM dabei zu sein. „Wir haben es nicht verdient.“

Allagui ärgerte sich jedoch, dass das Spiel ausgerechnet zur heißesten Tageszeit angepfiffen werden musste: „Die haben sich das so hingelegt, dass es für sie passt. Das ist nicht unüblich in Afrika. Für uns war die Hitze ungewohnt.“

Auch Allagui hat davon gehört, dass Tunesien Einspruch gegen die Wertung des Spiels gegen Kamerun einlegen will. Angeblich wegen Joel Matip (Schalke 04) und Eric-Maxim Choupo-Moting (Mainz 05). Beide hätte ja schon für deutsche U-Mannschaften gespielt und daher nicht eingesetzt werden sollen – so das Gerücht (inhaltlich ist diese Argumentation natürlich falsch). Allagui sagte dazu nur:

„Davon erhoffe ich mir nichts. Kamerun hat regulär gewonnen und fährt regulär zur WM.“

Den Blues hatte der Angreifer, das war heute nicht zu übersehen.

Fragezeichen hinter Änis Ben-Hatira

Sein Trainer bei Hertha BSC, Jos Luhukay, sagte heute zur Enttäuschung seiner beiden Mittelfeldspieler (Änis Ben-Hatira, der am Sonntag nicht zum Einsatz gekommen war, lässt sich noch am Chiemsee wegen der Probleme am Schambein behandeln):

„Jeder Spieler verarbeitet so eine Enttäuschung auf seine eigene Art und Weise. Der Traum ist leider geplatzt. Eine WM ist sportlich das Höchste, was man erreichen kann.“

Nun gehe es darum, dass sich beide wieder voll auf Hertha konzentrieren. Luhukay habe sich vorgenommen, mit Allagui und Ben-Hatira zu sprechen und sie aufzubauen. Wie es um den Gesundheitszustand von Ben-Hatira bestellt ist, konnte der Niederländer heute noch nicht sagen: „Änis wird morgen wieder dabei sein. Dann müssen wir schauen, wie es ihm geht.“ Hinter dem Einsatz des 25-Jährigen am Sonnabend gegen Leverkusen steht also noch ein Fragezeichen.

Ramos aus „privaten Gründen“ entschuldigt

Ein Fragezeichen setzte ich auch hinter die Personalien Adrian Ramos. Der Kolumbianer fehlte bereits gestern beim Training. Er sei wegen privater Gründe entschuldigt, sagte Luhukay. Auch heute keine Spur von Ramos. Wieder dieselbe Antwort von Luhukay: „Entschuldigt!“ Warum Ramos fehlt, wollte Luhukay nicht sagen. Morgen werde der 27-Jährige wieder mittrainieren. Kann er am Wochenende spielen? „Davon gehe ich aus“, sagte der 50-Jährige.

Nico Schulz dagegen wird nicht gegen Leverkusen mitwirken. Der Flügelspieler, der sich gegen Hoffenheim eine Hüftprellung zugezogen hatte, absolvierte gestern ein individuelles Programm und machte heute mit, als die Mannschaft nach einigen Passübungen an der Kondition arbeitete. Wann er wieder in die Spielformen einsteigen kann, ließ Luhukay noch offen.

Abschied für Fiedler im Olympiastadion?

Gestern auf der Mitgliederversammlung gab es mal wieder sehr kritische Wortmeldungen zur Causa Christian Fiedler. Warum habe der langjährige Hertha-Profi und spätere Torwarttrainer keine ordentliche Verabschiedung im Olympiastadion bekommen, wollte ein Mitglied wissen. Manager Michael Preetz verwies darauf, dass es einen längeren Rechtsstreit zwischen beiden Parteien gegeben habe, der eine solche Verabschiedung unmöglich gemacht habe. Nun ist der Rechtsstreit ja beendet. Ich habe heute mit Fiedler gesprochen. Über einen möglichen Abschied vor den Fans im Olympiastadion sagte er mir – und das, denke ich, spricht für sich:

„Das liegt nicht in meiner Macht. Das müssen andere entscheiden. Ich war lange im Verein und werde immer Herthaner bleiben. Daher ist das für mich eine sehr emotionale Angelegenheit.“

Frage an euch: Würdet ihr euch wünschen, dass Fiedler nun einen Abschied im Olympiastadion bekommt?

Übrigens: Wie Fabian Lustenberger sein Debüt für die Schweizer Nationalmannschaft erlebt hat, erfahrt ihr im Video von HerthaTV:

Morgen trainieren die Herthaner um 14.30 Uhr zum letzten Mal vor Publikum, bevor es am Sonnabend gegen Leverkusen geht.