Nach Lasoggas HSV-Traumstart: Was ist eigentlich aus den anderen Hertha-Abgängen geworden?

(mey) – Viel wurde in dieser Woche über Pierre-Michel Lasogga gesprochen und geschrieben. Der Angreifer, den Hertha bis Saisonende an den Hamburger SV ausgeliehen hat, legte nach seiner Ankunft bei den Hanseaten einen Traumstart hin und erzielte in fünf Einsätzen (zwei davon waren nur Kurzeinsätze, ein Pokalspiel) bereits fünf Tore. Der Wechsel ist für ihn also von Vorteil gewesen. Das zumindest ist ein erstes Zwischenfazit.

Aber was ist eigentlich aus den anderen Spielern geworden, die Hertha vor der aktuellen Saison hat ziehen lassen? Hat sich auch dort der Wechsel für den ein oder anderen schon jetzt ausgezahlt? Der große Immerhertha-Check zum Sonntag:

1. Alfredo Morales

Ihm lag ein Angebot zur Vertragsverlängerung bei Hertha BSC vor, doch Alfredo Morales entschied sich, den Klub nach 13 Jahren zu verlassen. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte auch moniert, sich vom finanziellen Angebot der Berliner „nicht so wertgeschätzt gefühlt“ zu haben. Er entschied sich für den Zweitligisten FC Ingolstadt und unterschrieb bei den Schanzern einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Seinen Wechsel begründete Morales darüber hinaus so: „Wenn du lange bei einem Verein bist, bleibst du immer der kleine Junge“, sagt Morales vor dem Saisonstart im Gespräch mit den Kollegen vom Kickers. „Im neuen Verein behandelt man dich sofort wie einen Erwachsenen.“

Morales‘ Bilanz bei Ingolstadt ist bisher durchwachsen: Zwar wurde er neun Mal in zehn Saisonspielen eingesetzt, doch nach der Entlassung von Trainer Marco Kurz verlor er seinen Stammplatz und kam zuletzt zweimal nur als Einwechselspieler in die Partien.

Zwischenfazit: Morales verließ Hertha auch, weil er sich einen Stammplatz erspielen wollte und darüber vielleicht noch auf den WM-Zug der US-amerikanischen Nationalmannschaft aufspringen zu können. Einen festen Platz in der ersten Elf hatte er zunächst beim FCI. Doch weil der Klub hinter den eigenen Erwartungen zurück blieb, musste der Trainer gehen, und Morales ist vorerst raus aus der ersten Elf. Findet er den Weg schnell zurück, könnte sich der Wechsel für ihn noch auszahlen.

2. Felix Bastians

Nachdem Hertha Johannes van den Bergh für die linke Abwehrseite verpflichtet hatte, war klar: Für Felix Bastians wird es eng. Der 25-Jährige wurde in seine Geburtsstadt Bochum bis Saisonende ausgeliehen. Entscheidend war für Bastians auch, dass er beim VfL eben nicht auf die linke Verteidiger-Position festgelegt werde, sondern Hertha-Leihgabe Felix Bastians: "Ich habe das große Ziel, wieder Bundesliga zu spielen" die Möglichkeit sah, dort im offensiven, linken Mittelfeld zu spielen, wie er nach seinem Wechsel bei Immerhertha sagte.

Beim ersten Saisonspiel (ausgerechnet gegen Union) lief Bastians dann dennoch hinten links auf und gewann mit seinem neuen Klub 2:1. Doch das war es dann erst einmal. Zuletzt warf ihn eine Fußprellung zurück,und Bastians kam seither nicht mehr zum Einsatz.

Zwischenfazit: Ob sich der Wechsel für Felix Bastians ausgezahlt hat, werden erst die nächsten Wochen zeigen. Die Verletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Bastians Ziel ist es, sich über Bochum wieder für die Bundesliga zu empfehlen. Mit dem VfL (derzeit Tabellen-16.) geht es vorerst aber gegen den Abstieg aus Liga zwei. Beim Revierklub muss er erst noch beweisen, dass er auch für Hertha (dort hat er noch Vertrag bis 2016) in Zukunft wichtig werden könnte.

3. Marvin Knoll

Eigentlich sollte Marvin Knoll für den MSV Duisburg auflaufen, nachdem der Vertrag des 23-Jährigen bei Hertha nicht verlängert wurde. Doch nach dem Lizenzentzug für den Revierklub landete Knoll beim SV Sandhausen. Die Sandhäuser profitierten ja vom Zwangsabstieg der Duisburger und blieben, obwohl sportlich abgestiegen, für den MSV in der Zweiten Liga.

Doch richtig rund läuft es für Knoll in Sandhausen noch nicht: Nur vier Mal wurde er bisher in der Liga eingesetzt (zwei Mal von Beginn an). Seit dem sechsten Spieltag kam er überhaupt nicht mehr aufs Feld, während sein Team aus fünf Spielen neun Punkte holte.

Zwischenfazit: Die Bundesliga wäre für Marvin Knoll eine Nummer zu groß gewesen. Der Schritt zu einem Zweitligisten, der vornehmlich um den Klassenerhalt spielt, scheint angemessen. Dennoch muss Knoll aufpassen, dass er bei den Sandhäusern nicht auch nur zum Zuschauer wird. Zuletzt stand er zwei Mal nicht im Kader.

4. Roman Hubnik

Von der Tribüne in die Champions League: Das liest sich natürlich nicht schlecht. Auf den letzten Drücker wurde Roman Hubnik an den tschechischen Erstligisten Viktoria Pilsen abgegeben, da sich dort ein Innenverteidiger verletzte. Bei Hertha nicht mehr gebraucht, kam Hubnik für Pilsen seither zu drei Ligaeinsätzen (zwei von Beginn an, Bilanz: 1 Sieg, 1 Remis, 1 Niederlage) und zwei Champions-League-Spielen (2 Niederlagen).

Am 23.10. trifft Hubnik mit Pilsen auf den FC Bayern in der Königsklasse.

Zwischenfazit: Finanziell wird der Wechsel für Roman Hubnik wohl ein Rückschritt sein. Bei Hertha verdiente er im siebenstelligen Bereich. Sportlich aber ist das Engagement wieder ein Schritt nach vorn für den Tschechen. In Pilsen darf er wieder spielen und steht derzeit auf Tabellenplatz zwei.

5. Shervin Radjabali-Fardi

Von allen Herthanern, die den Klub kürzlich verlassen haben, führte der Weg von Shervin Radjabali-Fardi am weitesten zurück: Der Vertrag des heute 22-Jährigen bein Hertha BSC wurde im Sommer nicht verlängert. Einst galt der Sohn eines Iraners und einer Deutschen als Hochbegabter und wurde sogar vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zwei Mal mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze ausgezeichnet.

Mit 17 Jahren und genau zwei Monaten gab Radjabali-Fardi 2008 unter Lucien Favre sein Debüt für Hertha in der Bundesliga und ist damit bis heute (nicht wie fälschlich immer wieder berichtet Lennart Hartmann) der jüngste Spieler, der jemals für Hertha in der Bundesliga spielte.

Nun musste Radjabali-Fardi aber einen Neuanfang in der Dritten Liga bei Hansa Rostock versuchen.

Und auch wenn Rostock in dieser Saison bisher hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt (Hansa firmiert derzeit nur auf Platz 14). Für den Ex-Berliner könnte es schlechter laufen: In elf von zwölf Ligaspielen stand der Linksfuß von Beginn an auf dem Platz (eine Vorlage) – zumeist links in der Viererkette. Sein Trainer Andreas Bergmann scheint auf ihn zu setzen.

Zwischenfazit: Steigt Hansa nicht auf, könnte Radjabali-Fardi vielleicht dennoch mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen und den Weg zurück in eine der beiden höheren Liga schaffen. Dem großen Schritt zurück könnte dann einer nach vorn folgen.

Jetzt seid ihr dran

Wie bewertet ihr die Entwicklungen der Ex-Herthaner? Vermisst ihr einen der fünf derzeit bei den Berlinern (Lasogga lassen wir mal raus aus der Diskussion)? Wem traut ihr zu, noch einmal besonders auf sich aufmerksam machen zu können?

Morgen geht es für die Hertha-Profis nach zwei freien Tagen wieder auf dem Schenckendorffplatz weiter (15.30 Uhr). Dann beginnt der intensive Teil der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach am Sonnabend (18.30 Uhr).

Ps: Wer von euch noch nicht genug Lasogga bekommen hat, der schalte heute Abend den RBB-Sportplatz ein (22.15 Uhr). Dort wird es einen Beitrag zum Stürmer beim HSV geben.

Pps: Nicht vergessen, heute um 19 Uhr geht es für Herthas Ben-Hatria und Allagui im ersten von zwei Play-off-Spielen gegen Kamerun um die Qualifikation für die WM 2014.