Nicht gemeckert ist genug gelobt

(Seb) – Strahlender Sonnenschein auf dem Schenckendorffplatz am Morgen. Während der Kenianer Wilson Kipsang beim Berlin-Marathon Weltrekord lief, schauten wir den Hertha-Profis beim Auslaufen und vor allem Jos Luhukay beim Reden zu. Der Trainer redete erst 13 Minuten auf sein Team ein, sprach dann eine gefühlte halbe Stunde mit Präsident Werner Gegenbauer (Was er und Michael Preetz über den Tweet von Präsidiumsmitglied Marco Wurzbacher denken, lest ihr morgen in Eurer Morgenpost) und zum Schluss stand der Niederländer mit Kapitän Fabian Lustenberger zusammen.

„Es gehört nicht nur das Training oder das Spiel zu meiner Arbeit. Man versucht natürlich auch mit dem einen oder anderen Spieler das eine oder andere auszutauschen, Meinungen zu hören und Sichtweisen zu bekommen. Das gehört für einen Trainer dazu.“

Trotzdem hatte sich der Niederländer noch Zeit genommen, um unsere Fragen zu beantworten. Vor allem wunderte sich der Trainer über die „Weltuntergangsstimmung“ nach dem Pokal-Aus. Ich bin mir nicht sicher, ob das an der vielbeschworenen „schwierigen Berliner Medienlandschaft“ liegt oder doch am Berliner Naturell, das eine gute Leistung gerne mit „Nicht gemeckert ist genug gelobt“ quittiert. Luhukay sagte angesichts von Platz 5 mit nur einem Sieg nach der angeblichen Krise noch einen letzten Satz dazu: „Mich wundert das und es tut auch ein wenig weh.“

Wo sich Hertha noch verbessern muss

Der Trainer war stolz auf seine Mannschaft. Vor allem die Defensive hob er hervor, die in der Bundesliga nur wenig Chancen für den Gegner zugelassen habe. Ein rundum zufriedener Jos Luhukay eben. Eigentlich. Denn vollständig zufrieden ist der Niederländer nie. Wie früher Inspector Columbo, der immer noch einmal mit einer Frage zurückkam, findet Luhukay noch etwas, was seine Mannschaft verbessern kann. Seit einigen Tagen kommt er immer wieder auf die Standards zurück:

Das letzte, woran wir noch arbeiten müssen, sind die Standards. Da waren wir letztes Jahr die beste Mannschaft. Da war fast jeder Standard ein halbes Tor. Aber die kommen bei uns auch noch wieder zurück. Davon bin ich überzeugt.

Ein wenig hat das sicherlich mit Ronny zu tun. Und auch der Trainer bringt das auf die Formel: „Im Moment wirkt der linke Fuß noch nicht so wie im letzten Jahr.“ Aber so richtig unzufrieden wirkte er mit der bisherigen Ausbeute aus ruhenden Situationen (null Tore, wenn wir Elfmeter nicht mitzählen) nicht. Und das hat einen Grund: „So lange wir uns Chancen aus dem Spiel erarbeiten, können wir uns gedulden.“