Neu: Die Immerhertha-Taktiktafel - Das Geheimnis hinter dem Ergebnis

(Seb) – Immerhertha - derzeit außer Betrieb Blogpause vorbei. Ab jetzt zählt wieder nur Hertha. Wir hoffen, dass alle mit anpacken und das Blog weiter so lesenswert und meinungsstark gestalten, wie wir es lieben. Und wir starten gleich mit etwas Neuem: der Immerhertha-Taktiktafel.

Stephan Berg (24) wird ab jetzt so häufig wie möglich versuchen, die Hertha-Spiele in der Bundesliga für uns zu analysieren. Wir starten mit einem kleinen Rückblick auf das 6:1 über Eintracht Frankfurt.

Über unseren Experten: Stephan studiert Kommunikationsmanagement mit dem Schwerpunkt Sport und Medien. Er analysiert Spiele der Junioren-Bundesliga für einen Profiverein. Wir freuen uns, ihn für Immerhertha gefunden zu haben und damit so oft es geht eine eigene blau-weiße Taktik-Variante anbieten zu können. Bundesweit am bekanntesten in Sachen Taktik ist vermutlich das, was die Kollegen der Spielverlagerung regelmäßig verfassen.

6:1 – Hertha BSC überrennt Eintracht Frankfurt zum Bundesligastart!

Von Stephan Berg

Hertha BSC empfing am ersten Spieltag der neuen Bundesliga-Saison 2013/2014 die Eintracht aus Frankfurt und gewann überraschend deutlich mit 6:1.

Die Formationen und Ihre Wechselwirkungen

Jos Luhukay nominierte mit Hajiime Hosogai, Johannes van den Bergh, Sebastian Langkamp und Alexander Baumjohann alle vier Neuverpflichtungen für die Startelf und ließ sein Team in einem flexiblen 4-2-3-1 / 4-3-3 System auflaufen. Die vor Thomas Kraft postierte Vierer-Abwehrkette komplettierten neben den Neuverpflichtungen – Langkamp und van den Bergh – Rechtsverteidiger Marcel Ndjeng und Innenverteidiger John Brooks, der sein Bundesligadebüt feierte. Im Spielaufbau agierten die beiden Außenverteidiger relativ neutral und standen nicht sehr hoch. Viele Angriffe wurden über die rechte Seite unter Beteiligung von Marcel Ndjeng initiiert.

Hertha verzichtete im Spielaufbau fast komplett auf die Bildung einer Dreierkette mithilfe eines abkippenden Sechsers. Es dürfte jedoch in dieser Saison sowieso nicht das Ziel der Hertha sein, die Gegner mit Ballbesitzfußball zu dominieren. Aggressives Pressing und schnelles Umschalten sind eher Attribute, die Jos Luhukay von seiner Mannschaft für die kommende Saison erwartet. Der neue Kapitän Fabian Lustenberger spielt als tiefer Sechser die ordnende Hand vor der Viererkette und dirigiert seine Vorder- und Nebenleute im Pressing- und Abwehrverhalten. Der schematisch deutlich vor Lustenberger postierte, lauf- und zweikampfstarke Hajiime Hosogai feierte sein Hertha-Debüt als Pressing- und Umschaltspieler und verhalf dem Spiel der Berliner offensiv wie defensiv zu einer neuen Dynamik. Die Offensivreihe mit der tunesischen Flügelzange Änis Ben-Hatira / Sami Allagui und dem Kreativkopf Alexander Baumjohann agierte flexibel – oftmals ließ sich Baumjohann auch auf den Flügel fallen, um Überzahlsituationen zu kreieren. Adrian Ramos fungierte als spielender Stürmer an vorderster Front und nahm aktiv am Spiel teil.

Die Anfangsphase der Partie gehörte den Gästen aus Frankfurt. Die Eintracht versuchte mit ihrer Mittelfeldraute Dominanz- und Ballbesitzfußball zu zelebrieren. Durch das Überladen des Zentrums im Spielaufbau fiel es der Hertha anfangs schwer, ihr Pressing durchzusetzen.

Grundformationen zu Spielbeginn

Zu oft konnten die Frankfurter von hinten heraus kombinieren. Hertha schaffte es trotz des hohen Verteidigens nicht, das Aufbauspiel der Frankfurter effektiv zu stören. Die Eintracht hatte deutlich mehr Spielanteile und in Person von Johannes Flum und Jan Rosenthal die ersten Torchancen der Partie zu verzeichnen.

Herthas Umschaltspiel lässt Frankfurt verzweifeln

Nach knapp einer Viertelstunde traf Marcel Ndjeng im Anschluss an einen Freistoß mit seinem Versuch aus der Distanz die Querlatte – dies war der Weckruf für die Hertha, die ab sofort ihre Nervosität ablegte und das Kommando übernahm. Die Mannschaft bekam von Minute zu Minute besseren Zugriff auf die Mittelfeldraute der Frankfurter und konnte auch ihrerseits offensiv punkten. Beim blitzsauber gespielten 1:0 in der 17. Minute zeigten die Berliner ihre exzellenten Fähigkeiten im Umschaltspiel. Nach einer Balleroberung durch Lustenberger ging es im Eiltempo nach vorne. Baumjohann spielte schnell für Allagui, der den gestarteten Ben-Hatira mit einem öffnenden Ball wunderbar in den freien Raum schickte. Im Strafraum musste der tunesische Nationalspieler nur noch quer legen und Ramos vollendete den Hochgeschwindigkeitsangriff zum 1:0. Hertha war nun absolut Chef im Ring, setzte die Frankfurter weiter unter Druck und kreierte Chance um Chance. Die Frankfurter zeigten sich sichtlich beeindruckt von der Aggressivität und schnellen Umschaltbewegung der Herthaner.

Beim 4:1 in der 59. Minute nutzten die Herthaner abermals die Schwächen der Frankfurter im defensiven Umschaltspiel und konterten nach einer Ecke blitzsauber nach vorne. Nach einem technisch unsauberem Zuspiel von Zambrano auf Rode, eroberte Pressingspieler Hosogai den Ball und schickte Allagui auf die Reise – dieser blieb im 1gg1 gegen Trapp eiskalt und versenkte den Ball in der rechten Ecke. Auch beim 5:1 konterte Hertha gnadenlos nach naivem Frankfurter Ballverlust. Wieder war Hosogai der Balleroberer und passte sofort für Baumjohann. Dieser spielte one-touch vertikal in die Tiefe auf Ramos. Der Kolumbianer nutzte seine Geschwindigkeitsvorteile gegen Russ und traf nach kleiner Finte mit links ins kurze Eck.

Frankfurt mit Zuordnungsproblemen bei Standards

Die Eintracht offenbarte neben Mängeln im defensiven Umschalten auch Konzentrationsschwächen bei der Zuordnung in Standardsituationen. Im Anschluss an eine kurz ausgeführte Ecke durch Ndjeng und Baumjohann herrschte im Frankfurter Strafraum Chaos. John Anthony Brooks nutzte dies und traf aus kurzer Distanz (31.Minute). Noch vor der Pause trafen die Berliner fast erneut im Anschluss an eine Ecke aber Sami Allagui traf mit seinem Kopfball nur die Latte.

Auch nach der Pause blieben die Frankfurter anfällig bei Standards und Hertha nutzte diese Schwäche für das 3:1 (57.Minute). Nach einer Ecke kam der eigentlich geklärte Ball zu Hosogai. Dieser konnte ohne Gegnerdruck einen Diagonalball auf Baumjohann spielen, der den Ball technisch ansehnlich verarbeitete und unbedrängt in den Strafraum chippen konnte – Allagui profitierte am zweiten Pfosten von der Schlafmützigkeit der Frankfurter Abwehr.

Auch die taktische Umstellung von Armin Veh auf das bekannte System der erfolgreichen Vorsaison verpuffte in der zweiten Halbzeit, die die Hertha klar mit 4:0 gewann. Die Berliner schafften es fast über 90 Minuten defensiv konzentriert zu arbeiten, bei Ballgewinn extrem schnell in die Tiefe zu spielen und so der Eintracht keine Luft zum Atmen zu lassen. Neben sechs selbst erzielten Toren trafen die Berliner noch dreimal Aluminium und erzielten ein eigentlich reguläres Abseitstor.

Fazit

Frankfurt kam mit dem Ziel nach Berlin, mit ihrer Raute ballbesitzorientierten Dominanzfußball zu spielen. Zurück nach Frankfurt fuhren sie mit 6 Gegentoren im Gepäck und einer Menge Fragezeichen. Hertha hingegen nahm das Selbstvertrauen aus dem Aufstieg mit und zeigte eine technisch-taktisch absolut starke Vorstellung. Die größte Stärke der Berliner könnte diese Saison das offensive Umschalten nach Ballgewinn werden. Mit Lustenberger, Hosogai und Kluge haben sie eine spielintelligente Mittelfeldzentrale, die Zuspiele der Gegner früh antizipiert, Bälle erobern kann und in der Lage ist, schnell und vertikal in die Spitze zu spielen. Die Offensivreihe mit Allagui, Ben-Hatira, Baumjohann und Ramos kann flexibel agieren, ist dadurch schwer auszurechnen und gehört in Sachen Schnelligkeit zum oberen Drittel der Liga. Mit diesen Spielern ist Hertha als Umschalt- bzw. Kontermannschaft prädestiniert und in der Bundesliga absolut konkurrenzfähig.

Spieler des Spiels – Hajiime Hosogai

Es fällt schwer, einen Spieler auszuwählen, der aus diesem hervorragend funktionierenden Kollektiv herausstach. Aber unter Anbetracht der verkürzten Vorbereitung und der daraus resultierenden geringen Eingewöhnungszeit, ist die Leistung von Hajime Hosogai nicht hoch genug einzuschätzen. Auf einer der Schlüsselpositionen im zentralen Mittelfeld überzeugte der Japaner vollends. Abgesichert durch Kapitän Lustenberger machte er sowohl offensiv als auch defensiv ein überragendes Spiel. Er bestach durch seine Dynamik, Aggressivität im Pressing und Passsicherheit (87%).

Hosogai verkörpert die von Luhukay gewünschte Handlungsschnelligkeit. Er eroberte zahlreiche Bälle, schaltete blitzschnell um und krönte seine starke Leistung mit einer Torvorlage. Wenn er diese Leistung regelmäßig abrufen kann, wird er ein Schlüsselspieler auf dem Weg zum Klassenerhalt für die Hertha.