Luhukay gibt grünes Licht für Euphorie

(seb) – Jos Luhukay lief heute morgen um zehn Uhr im knallroten Hertha-Trainingsanzug und blauem Basecap zum Schenckendorffplatz, als eine Anhängerin enthusiastisch die Hand des Trainers ergriff. Im Weitergehen bedankte sie sich beim Niederländer für den beherzten Auftritt die spielerisch starke Leistung zum Auftakt gegen Frankfurt. Der Holländer lächelte kurz, nahm die Glückwünsche höflich an und trat auf den Rasen. Während seine Spieler sich ausliefen (Fotos: ub) oder mit seinem Co Markus Gellhaus trainierten, saß der Coach alleine auf der Bank in der Mitte des Trainingsplatzes. Es schien fast so, also ob der immer so gefasst wirkende Luhukay noch versuchte, die Partie seiner Mannschaft zu verarbeiten.

Nach dem Training machte es sich der Coach nicht einfach. Dazu hätte er nur die Euphoriebremse ziehen und etwas von einer Momentaufnahme erzählen müssen. Aber der Niederländer hatte eine Idee und eine Botschaft.

Unsere Fans stehen voll hinter der Mannschaft und sie treiben sie von der ersten bis zur letzten Minute an. Aber ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass jeder einzelne Fan im Stadion spürt, dass wir 90 bis 95 Minuten Bereitschaft zeigen, um erfolgreich zu spielen. Das habe ich gestern im Hotel den Jungs auch noch einmal gesagt. Unsere Fans sind natürlich extrem wichtig und unsere Heimspiel der Weg zum Klassenerhalt. Aber sie sind auch der Weg, um in den nächsten Jahren ein Gesicht von Hertha zu werden. Das war in der Vergangenheit vielleicht etwas schwieriger. Letztes Jahr, allerdings eine Klasse tiefer, haben wir das durchziehen können. Ich hoffe aber, dass wir auch dieses Jahr die nötigen Punkte zu Hause holen und Eindrücke bei den Fans hinterlassen können. Wir wollen mit unseren Mitteln realistisch das Maximale erreichen. Aber die Fans sollen genießen. Und ich wünsche, dass das häufiger in unserem Stadion passiert. Gestern sind die Fans stolz und froh nach Hause gefahren. Darum geht es.


Der Trainer hat das 6:1 natürlich auch genossen. Am Abend gemeinsam mit Freunden bei einem Eisbecher. Aber er machte schon auf der Pressekonferenz nach dem Spiel deutlich, dass bei Herthas Verantwortlichen weiter der Realismus regiert. „Wir tanzen nach einem Sieg nicht auf den Tischen“, sagte Luhukay da.

Der Trubel nach dem Training war im Vergleich zur Zweiten Liga ungleich höher. Mehrere Kamerateams umringten sowohl den Coach als auch Kapitän Fabian Lustenberger.

Sehr gefragt, aber nicht mehr da war Sami Allagui. Der Tunesier flog gestern direkt nach dem Spiel gemeinsam mit Änis Ben-Hatira zum Freundschaftsspiel gegen den Kongo am 14. August in Tunis. Auch Peter Pekarik (Slowakei), John Brooks (USA), Nico Schulz (U21) und Hany Mukhtar (U19) fehlten wegen Reisen zu ihren Auswahlmannschaften. Auf dem Hertha-Gelände, aber nicht auf dem Übungsplatz: Alexander Baumjohann, der seine Adduktorenreizung in der Kabine behandeln ließ.

TV-Tipp für heute Abend: 22.20 Uhr (danke für den Hinweis auf die richtige Uhrzeit in den Kommentaren an @freddie1) ist der Neu-Kapitän Fabian Lustenberger zu Gast beim RBB-Sportplatz. Die Kollegen versicherten, dass Hertha vorne im Programm steht. Ihr müsst euch also nicht durch den Auftritt von Aktivist Brieske Senftenberg in der Eisstockschießen-Bundesliga quälen.

Zum Schluss: Aus der Rubrik ‚Wenn der Fotograf zu früh die Nerven verliert‘ (Fotos: ub)