Herthas neue Bezahlmethode: Abzocke oder nicht?

(mey) – Vor fast genau zwei Jahren, in der Saison 2011/12, flog ich nach München, um mir die Auswärtspartie des Hamburger SV bei den Bayern in der Allianz-Arena anzusehen. Der Spielverlauf sollte dafür sorgen, dass ich reichlich Grund zum „Frustsaufen“ hatte. Die Hanseaten ließen sich mit 5:0 von den Münchnern versohlen, und ich als Sympathisant der Rothosen vertrieb mir die Leidenszeit im Stadion mit mehrfachen Spaziergängen zum Bierstand. Nun war es schon vor zwei Jahren in München so, dass dort in der Arena nur bargeldlos gezahlt werden konnte. Eine Plastikkarte musste erworben und mit Geld aufgeladen werden. Als ich die Partie endlich überstanden hatte, zeigte meine Karte noch ein Guthaben von 1,70 Euro an. Blöd nur, dass es in München für 1,70 Euro nix zu kaufen gibt. „Geben Sie mir doch einfach ne halbe Pommes“, forderte ich die Bedienung auf. Kopfschütteln war die Antwort.

Ich hatte also nicht nur mitansehen müssen, wie der HSV den Bayern kampflos drei Punkte geschenkt hatte, sondern wurde auch noch gezwungen, dem Widersache meine verbleibenden 1,70 Euro zu überlassen. „Schöner Scheißtag“, dachte ich. Entsprechen übellaunig fuhr ich nach Hause.

Schneller und besser?

Ein ähnliches Bezahlmodell wie in München wird Hertha BSC nun zur am Freitagabend beginnenden Bundesligasaison einführen. Finanzchef Ingo Schiller stellte heute das Konzept „BERLIN|cash“ vor. Gemeinsam mit dem Caterer des Olympiastadions Aramark hat man sich entschieden, das Modell der payment solution services GmBH einzuführen (das Unternehmen arbeitet bereits mit den Bundesligisten Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und der TSG Hoffenheim zusammen – in den Stadien dieser Vereine werden die sogenannten „Justpay-Karten“ dann auch gültig sein). Auf der Homepage des Vereins gibt es dazu umfangreiches Infomaterial –>hier. Hertha ist damit die Nummer 13 der Bundesligisten, die ein bargeldloses System eingeführt haben. Nur Hamburg, Gladbach, Nürnberg, Freiburg und Braunschweig wird noch ausschließlich bar gezahlt.

Der Hauptgrund für die Einführung der neuen Bezahlmethode ist nach Angabe des Vereins ein besserer Service für die Besucher im Stadion. Das Zahlen mit der Karte sei schneller und sorge so dafür, dass der Fan so schnell wie möglich wieder auf seinem Platz ist. Zudem gibt es natürlich auch ein wirtschaftliches Kalkül, wie Schiller einräumt: „Wenn die Verkäufe schneller abgewickelt werden, wird auch mehr konsumiert“, so der Finanzboss.

Schlummergroschen

Nun ist es ja so, dass Fußballfans zumeist ziemlich allergisch darauf reagieren, wenn sie das Gefühl haben, abgezockt zu werden (Stichwort Viagogo). In München hatte ich als Auswärtsfan genau dieses Gefühl. Passend dazu ein Bericht der FAZ, nachdem der FC Bayern in der Saison 2009/10 2,4 Millionen Euro allein dadurch einnahm, dass Besucher aufgeladenes Geld nicht einlösten. Der Betrag heißt dann „Schlummergroschen“.

Bei genauerer Betrachtung aber muss konstatiert werden, dass sich beide Modelle etwas unterscheiden. Im Berliner Olympiastadion werden die Auswärtsfans auch weiterhin bar zahlen können. Zudem können Herthafans am Ende einer jeden Partie ihre Karten wieder abgeben und bekommen nicht nur die zwei Euro Pfand zurück, sondern auch den Restbetrag auf der Karte.

Ob ein Fan am Ende eines Spiels tatsächlich noch einmal Lust hat, sich in eine Reihe zu stellen, um die Karte wieder abzugeben, bezweifele ich aber.

Meine Fragen an euch: Wie bewertet ihr das neue Bezahlmodell im Olympiastadion? Ist es für euch Abzocke, oder seht ihr auch Vorteile darin? Wäre die Lösung mit einer Chipkarte dann eine bessere, wenn es für alle Bundesliga- und Zweitligastadien ein einheitliches Bezahlmodell geben würde?

Wo bitte spielt Hertha BSC?

Übrigens: Wenn man beim Anbieter payments solution services GmbH ein Konto erstellen will, um dann eine solche Justpay-Karte bequem im Internet aufladen zu können, stößt man auf Erstaunliches. Man wird in einem Formular gefragt, für welchen Verein das eigene Herzt schlägt. Sucht man dann nach Hertha BSC in der 1. Bundesliga, dann wird man nicht fündig. Die Berliner spielen beim Anbieter nämlich immer noch in Liga zwei. Der 1. FC St. Pauli dafür hat es erstaunlicherweise ins deutsche Oberhaus geschafft –>Probiert es mal aus!

Außerdem: @ft hat für euch herausgefunden, welches Unternehmen die Anteilsmehrheit an der payment solution services GmbH erworben hat. Äußerst interessant, sage ich euch –> hier

Noch zum Sportlichen: Die angeschlagenen Profis Änis Ben-Hatira, Sami Allagui und Marcel Ndjeng werden zum 10-Uhr-Training morgen auf dem Schenckendorffplatz zurückerwartet. Am Nachmittag bittet Trainer Jos Luhukay seine Mannschaft zu einer zweiten Einheit (16 Uhr). Es sind die beiden letzten öffentlichen Überungseinheiten der Herthaner vor dem Auftaktspiel gegen Eintracht Frankfurt am Sonnabend.