Ergeht es Mario Götze beim BVB wie damals Sebastian Deisler bei Hertha?

(mey) – Götzedämmerung ist das Stichwort. Das war mal ein echter Hammer, der den deutschen Fußball heute durchgeschüttelt hat. Mario Götze, Deutschlands Jahrhunderttalent (O-Ton Bayern-Vorstand Matthias Sammer) und Kreativposten bei Borussia Dortmund, wechselt zur kommenden Saison zum FC Bayern. Der BVB ist gegen dieses Abwerben des besten Spielers im Team machtlos, weil Götzes Berater Volker Struth eine Ausstiegsklausel in das Arbeitspapier seines Klienten hat aufnehmen lassen, dass es dem 20-Jährigen erlaubt, seinen Heimatklub im Sommer für eine festgeschriebene Ablösesumme von 37 Millionen Euro zu verlassen.

Viele von euch und auch andere Fans in der Republik haben sich darüber echauffiert. Wie kann der bloß? Ausgerechnet zum FC Bayern. Mario, die ganze Welt stand dir doch offen. Wie können die Bayern denn nur schon wieder bei einem der ärgsten Kontrahenten wildern, wie sie es schon so oft in der Vergangenheit getan haben? Lassen wir die Diskussion um das große Wort Moral mal beiseite. Denn diese Kategorie existiert in der Branche nicht mehr, seit der Fußball zum Millionengeschäft geworden ist.

„Deisler ist ein Bayern-Schwein“

Vielmehr interessiert mich, wie Götze wohl bei seinen ausstehenden Auftritten im BVB-Trikot von den eigenen Fans empfangen wird. Und da macht ein Blick in Herthas Historie Sorgen: Als der Wechsel von Sebastian Deisler, der sich Mitte 2001 mit den Bayern einig wurde (die Umstände waren ja dubios, 20 Millionen Mark „Darlehen“ usw.), aber noch ein Jahr bei Hertha BSC unter Vertrag stand, ein paar Monate später bekannt wurde, lief Deisler Spießruten in Berlin. Nur eine Knieverletzung ersparte ihm zunächst Pfiffe im Olympiastadion.

Bei seinem Comeback im März 2002 riefen einige Fans „Deisler ist ein Bayern-Schwein“ und auf einem Transparenz stand „Deisler hat kein Hertha-Herz, geh doch schon im März“. Der Nationalspieler litt jahrelang unter diesen Vorfällen und fühlte sich von Hertha schlecht beschützt. „Ich habe mich gefühlt wie eine Glühbirne, die einsam von der Decke hängt. Nackt. Für jeden sichtbar. Unter mir war nichts“, erzählte Deisler.

Was denkt ihr? Wird es Götze in Dortmund ähnlich ergehen, wie damals Deisler in Berlin? Könnt ihr verstehen, dass der Nationalspieler seinen Heimatverein verlässt, um sich dem größten nationalen Konkurrenten anzuschließen?

Und diese Geschichte lässt sich ja noch weiter denken: Wie hättet ihr reagiert, wenn z.B. Ronny bei Hertha nicht verlängert, dafür aber seinen Wechsel zu einem Klub bekannt gegeben hätte, dem die meisten Hertha-Fans nicht so wohl gesonnen sind?

Morgen bittet Herthas Cheftrainer Jos Luhukay seine Spieler um 15 Uhr zum ersten Training der Woche vor dem Auswärtsspiel gegen St. Pauli am Sonntag auf den Schenckendorffplatz.