Hertha und die schwierige Personalie Lasogga

(ub) – Will heute eine alte Regel für eine gelungene Party zum Leben erwecken: Am meisten zum Gespräch trugen die Abwesenden bei. Wohl wissend, dass diesem Blog nichts ferner liegt, als unziemlich über jemanden zu diskutieren. Der, um den es gehen soll, hat nix gesagt. Am Samstag nach dem Abpfiff in München nicht. Da ist er nach dem 0:0 beim TSV 1860 als einer der ersten Profis schweigend zum Mannschaftsbus gegangen. Heute hat er auch nix gesagt (Fotos aus der AllianzArena: ub) . . . .


. . . da war Pierre-Michel Lasogga (21) unterwegs zur U21-Nationalmannschaft, die am Sonntag in einer Woche in Tel Aviv ein Freundschaftsspiel gegen Israel bestreitet.
Dafür war der Abwesende im Presseraum präsentIhr kennt die Ausgangsposition: Lasogga hatte bei sieben Pflichtspielen in diesem Jahr drei Einsätze: 180-Sekunden in Regensburg, eine Halbzeit gegen Kaiserslautern (mit seinem Assist zum Siegtor von Peer Kluge) und 90 Minuten gegen Dresden (0:1). In den letzten beiden Partien stand der Stürmer zwar im Kader. Eingewechselt wurde jedoch Sandro Wagner.

Luhukay: Es gibt kein Problem mit Pierre

Hören wir bei Trainer Jos Luhukay rein:

„Pierre ist ein fester Bestandteil der Mannschaft. Es gibt keinen Vorwurf, er stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Es gibt kein Problem mit Pierre. Er trainiert fleißig, ehrgeizig und engagiert. Er gibt das Maximum im Training. Aber er trifft auf eine Position, die nicht umstritten ist [J-Lu meint die Sturmspitze mit Adrian Ramos]. Da gibt es Qualität, die ist stabil. Und dahinter ist mit Sandro Wagner ein Stürmer, der viele gute Spiele in der Saison gemacht hat. Ich sehe das Problem für den Spieler [gemeint ist Lasogga]. Aber über allem steht das Ziel für den Verein, der Aufstieg. Und das geht nicht über Egoismus, sondern nur über das Kollektiv.“

Als eine weitere Nachfrage kam, verfinsterte sich die Miene des Trainers.

„Ich verstehe nicht, warum ihr ständig über Pierre redet. Er hatte diverse Chancen. Das, was für ihn hart ist, ist auch für andere Spieler hart.“

In der vergangenen Woche hatte Luhukay bereits dargelegt, warum er am erfolgreichen 4-2-3-1 -System festhalten werde, das mit nur einem Stürmer gespielt wird. Er werde die Taktik wegen der Rückkehr von Lasogga nicht in ein 4-4-2 ändern.

Ihr habt während des 1860-Spiels darüber geschrieben, warum Wagner den Vorzug vor Lasogga erhält. Der Trainer hält Wagner derzeit für den stärkeren Stürmer.

Nun wissen wir alle, dass Lasogga der einzige aus diesem Kader ist, für den ein anderer Klub, der VfB Stuttgart, im Januar ein Millionen-schweres Angebot hingelegt hat. Hertha – meint in diesem Fall Manager Michael Preetz und Trainer Jos Luhukay – hat abgelehnt. Sie wollten Lasogga nicht aus einer halbjährigen Verletzung heraus kommend verkaufen. Sondern seine Qualitäten in dieser und der kommenden (Bundesliga-)Saison für Hertha nutzen. Dann wäre auch der Marktwert von Lasogga ein anderer als derzeit.

Für mich zerfällt das Thema im Moment in drei Bereiche:

1) Wie geht Lasogga mit der Situation um?

Meine Meinung: Gut. Er hängt sich rein, macht und tut. Was immer denkt, und natürlich wird er nicht zufrieden sein mit der Situation, läßt er intern.

2) Wie handelt der Trainer das Thema?

Was bedeuten diese Hintergründe für die Trainer-Entscheidung, wie er aufstellt. Und wie er wechselt.

Meine Meinung: Konsequent. Er hält den Konkurrenzkampf hoch. Wohl wissend, dass Lasogga in dieser Frage zu einem anderen Urteil kommen würde.

3) Was passiert mit Lasogga im Sommer?

In den bisherigen sieben Spielen dieses Jahres hat Lasogga 22 Prozent der möglichen Einsatzzeit gespielt (138 Minuten von 630 möglichen). Bleibt es bei dieser Quote, glaube ich nicht, dass Lasogga im Sommer bleiben wird, egal wie die Vertragslage ist.

Meine Prognose: Lasogga wird in den verbleibenden acht Spielen dieser Saison mehr und länger spielen. Nur so kann der Trainer Lasogga glaubhaft das Hertha-Interesse versichern. Es liegt am Stürmer (und der Mannschaft), wie erfolgreich das dann ausgehen wird. Ob Lasogga auch in der kommenden Saison das Hertha-Trikot trägt, hängt wesentlich davon ab, ob auch Ramos und Wagner bleiben.

Aber, man kann in jeder einzelnen Frage auch zu anderen Antworten kommen. Euer Einsatz, bitte