LIVE Immerhertha trifft Herthas Mediendirektor

(mey) – So, Hertha-Freunde. Das Warten hat ein Ende. Immerhertha trifft Herthas Medienabteilung. Eingeladen haben Peter Bohmbach (PB), Mediendirektor der Berliner, und seine „Rechte Hand“ Anne Grubert (AG). Es gibt Brötchen und Getränke. Die Stimmung ist ausgelassen. Vor allem nach dem uns die Ehre zukam, einen Blick in Herthas Jugendakademie zu werfen. Von Immerhertha anwesend sind: @elaine, @DerTaktiker, @bolly, @b.b., @herthabsc1892, @opa, @Dan, @naneona, @ben, @teddieber und @TassoWild.

Los geht’s!

18.57 Uhr PB stellt die Medienabteilung vor. „Unsere Medienabteilung ist klein, aber fein.“

Lob von PG zu Beginn: „Immerhertha ist für uns in der Medienabteilung ein wichtiger Blog. Wir haben viele Anregungen gelesen und sind manchmal sehr dankbar für Tipps. Zum Beispiel, wie der Schenckendorffplatz wirklich geschrieben wird.“ (die Runde lacht). Das Eis ist gebrochen, das „Du“ angeboten. Kann losgehen.

19.02 Uhr Erste Frage: Wie wird man Pressesprecher bei Hertha BSC. Und ist es ein 24/7-Job?

PB: „Ich fange mal hinten an: Ja! Es ist zumindest ein 7-Tage/die Woche-Job. Frei habe ich, wenn auch die Mannschaft mal nicht spielt. Manchmal wird man auch mal nachts rausgeklingelt. Da gab es schon Beispiele: Wenn ein Spieler nachts Hilfe braucht.“

Wie ist PB zu Hertha gekommen? „Ich wurde 2003 von Dieter Hoeneß gefragt.“ Kurzer Einblick in die Vita von PB (Jurastudium nur kurz mal reingeschnuppert, Volo bei der Morgenpost 1983, Redakteur, BZ, Kurier, BZ, Ressortleitung Sport Morgenpost, Chef vom Dienst Morgenpost –>Pressestelle Hertha).

AG erklärt, wie ein normaler Tag in der Pressestelle bei Hertha abläuft. Morgens Presseschau erstellen (20 bis 30 Artikel am Tag über Hertha), Trainingsbegleitung, Emails beantworten, Organisation von Interview-Terminen.

19.14 Uhr Frage von @b.b.: „Wie geht Hertha mit Fehlmeldung in der Presse um?“

PB: „Wenn so etwas vorkommt, sprechen wir mit den Kollegen direkt und versuchen, es auszuräumen. Wenn etwas sehr Extremes passiert, kann es auch einmal vorkommen, dass wir ein Unterlassungsbegehren herausgeben.“

PB: „Wenn wirklich mal kompletter Blödsinn geschrieben wird, nehme ich mir auch punktuell das Recht raus, es bei uns auf der Homepage richtig zu stellen.“

19.20 Uhr Frage: „Wie kam das Selbstinterview mit Michael Preetz zustande?“

PB: „Es war kein Selbstinterview, sondern ein Interview von mir als Journalist mit Herrn Preetz. Herr Preetz saß nicht am Tisch und hat sich selbst Fragen ausgedacht. Ich habe versucht zu antizipieren, welche Fragen die Kollegen haben würden. Aber ich habe damals einen handwerklichen Fehler begangen. Ich hätte damals deutlicher machen müssen, dass es Fragen von mir an Herrn Preetz waren. Das war ein schwerer Fehler von mir, der Herrn Preetz sehr geschadet hat.“

„Es waren damals sehr bewegte Zeiten. Daraus haben wir auch viel gelernt.“

19.35 Uhr Frage zum Krisenmanagement: Beispiel Relegationsspiel gegen Düsseldorf: „Inwiefern hat man auf den Imageschaden nach den unglücklichen Auftritten auch im Gerichtssaal in Frankfurt Lehren gezogen?“

PB: „Als Wolfgang Stark zuerst vernommen wurde und aussagte, dass er von einem Hertha-Spieler geschlagen wurde, wussten wir, dass es ab sofort nicht mehr um den Ausgang des Spiels ging, sondern nur noch darum. Das haben wir als sehr unglücklich bewertet. Denn über die Live-Ticker im Saal wurde das so in die Welt herausgetragen.“

Frage nach dem Live-Ticker im Gerichtssaal: „Hätte man das nicht verhindern müssen?“

PB: „Das haben wir versucht. Konnten wir aber nicht.“

19.50 Uhr Es geht noch einmal um die Sache mit Kobi und Stark. Warum hat Kobi seinen Einspruch zurückgezogen?

PB: „Kobi hat gesagt, dass er durch alle Instanzen gegangen wäre, wenn er nicht mehr Spieler wäre. Aber es ging auch um seine Karriere. Er wollte wieder Fußball spielen, und deshalb hat er das schweren Herzens so akzeptiert.“

19.51 Uhr Frage: Würde Hertha Einspruch einreichen, wenn noch einmal ein Spiel von Wolfgang Stark gepfiffen werden soll?

PB: „Das könnten wir gar nicht. Aber ich denke, dass es auch nicht dazu kommen wird.“

19. 52 Uhr: Frage: Mit welcher Strategie versucht Hertha, ein gutes Image in der Presse zu schaffen?

PB: „Ein Vorgänger von mir würde sagen: ‚Es ist egal, worüber bei Hertha berichtet wird, Hauptsache es wird berichtet‘. Damit hat er nicht ganz unrecht. Aber natürlich könnten wir auch auf manche Geschichten verzichten. Zum Beispiel die Sache mit Patrick Ebert und den Autospiegeln. Oder auch die Geschichte mit Änis Ben-Hatira und seiner Ex-Freundin. So etwas wird natürlich aufgebauscht von der Presse. Aber das können wir als Verein gar nicht verhindern.“

19.54 Uhr Interessante Frage von @opa: „Könnte man nicht auch humoristisch auf so etwas reagieren? Im Tenor: Ist uns doch egal, was ihr schreibt, wir nehmen es mit Humor und machen eine eigene Kampagne draus.“

PB: (lacht) „Das ist eine interessante Idee. Denken wir mal drüber nach.“

19.55 Uhr Thema Harlem Shake. Das kam von den Spielern. Hätte man das als Verein anordnen können?

PB: „Nein. Das hätten ich und Anne niemals gemacht, denn das war ein Ausdruck der Mannschaft selbst. Aber ich wusste auch, dass es Häme geben würde, wenn wir gegen Dresden verlieren. Nach dem Motto: Immer wenn Hertha gerade mal etwas erreicht hat, hauen sie auf die Kacke und verlieren dann.“

AG: „Als die Mannschaft sich das überlegt hat, und das Video fertig war, haben wir überlegt, wann wir es online stellen. Und wir wussten ja auch, dass es andere Vereine gab, die Ähnliches vorhatten. Weil die Mannschaft es sich gewünscht hat, haben wir es so schnell wie möglich online gestellt, um auch die Ersten zu sein.“

KURZ RAUCHERPAUSE. Gleich geht es weiter.

20.15 Uhr Frage: Stichwort Heimspiele: Ist es Hertha BSC bekannt, dass bei großem Fan-Andrang der Zugang zum Stadion extrem schwierig ist?

PB: „Das ist uns natürlich bekannt. Wir versuchen, das zu verbessern. Aber wir haben auch nicht immer die Möglichkeit dazu. Die BVG entscheidet, wie die Zuschauer zum Stadion kommen. Manchmal wissen wir auch von den Entscheidungen nichts. Wir sprechen mit den Verantwortlichen darüber und versuchen, das zu verbessern.“

„Nach jedem Heimspiel wird eine Mängelliste erstellt, was alles nicht funktioniert hat. Da ziehen wir unsere Informationen auch aus Blogs. Das ist uns sehr willkommen.“

20.20 Uhr Frage von @b.b.: „Hat man mal darüber nachgedacht, die Ticketpreise zu reduzieren, damit mehr Leute ins Stadion kommen?“

PB: „Wir haben vor dem Kaiserslautern-Spiel etwas gemacht, was wir vorher nie gemacht haben: Wir haben sehr wenige Karten verkauft und uns entschieden, das öffenlich zu thematisieren und die Presse mit einzubeziehen. Deshalb haben wir auch auf unserer Homepage jeden Tag die Zuschauerzahl veröffentlicht und die Preise reduziert“

„Unsere Tickets kosten im Durchschnitt 13 bis 15 Euro. Es ist schwierig, die Karten dann noch billiger zu machen, denn man muss ja auch an die Dauerkartenbesitzer denken. Die haben ja den vollen Preis bezahlt, und das ist dann auch ungerecht.“

20.30 Uhr Vorschlag aus der Runde: „Man könnte ja Tickets kombinieren. Zum Beispiel: Wer zum Union-Spiel kommt, kann für das Kaiserslauternspiel für zehn Euro ins Stadion“

PB: „Das ist eine gute Idee, und wir haben das auch schon ein, zwei Mal gemacht. Irgendwann gab es auch mal die Idee, dass die Leute bei einem Spiel für umsonst reinkommen können. Aber in Berlin ist das Publikum ja nicht zu berechnen. Wenn dann trotzdem nur 20.000 Leute kommen, stehen wir doof da.“

Remix von „Nur nach Hause“ gegen Bochum

Ankündigung von PB: Beim Heimspiel gegen Bochum wird Frank Zanders „Nur nach Hause“ 20 Jahre alt. Zu diesem Anlass wird es einen Remix geben mit Peter Fox und anderen Künstlern.

Frage aus der Runde: Man könnte doch mit Leuten wie Peter Fox öfter zusammen arbeiten.

PB: Das würde uns freuen. Das würde auch zu Hertha passen. Er ist öfter bei uns auf der Ehrentribüne und zeigt Spielern, wie er im Studio arbeitet. Vielleicht kommt das noch.

20.32 Uhr Wie geht Hertha mit den Problemfans bei Auswärtsspielen um? Kann man da etwas machen?

PB: „Wenn wir jemanden identifizieren können, werden wir sie auch belangen. Da gab es kürzlich einen Wechsel in unserer Strategie. Wir werden weiter versuchen, mit den Leuten zu kommunizieren. Wir müssen das Gespräch suchen. Im Moment haben wir in dieser Saison ungefähr 20.000 Euro für Pyros unserer Fans zumeist bei Auswärtsfahrten bezahlt. Das tut uns als klammen Klub natürlich weh. Da muss es auch von den Fans ein Umdenken geben, denn das schadet ihrem Verein.“

20.37 Uhr: Es wird über Pyros gesprochen. Frage innerhalb der Runde an die Teilnehmer: „Gibt es Unterschiede bei der öffentlichen Akzeptanz zwischen Pyro und dem Werfen von Gegenständen auf das Feld?“

Übereinstimmende Meinung der Runde: Die Unterschiede gibt es. Gegenstände auf Spieler zu werfen ist ein NO GO!

PB: „So sehen wir es auch als Verein. Das darf einfach nicht sein. Feuerzeuge und andere Gegenstände auf das Feld zu werfen, so etwas wollen wir nicht sehen.“

20.45 Uhr Thema Verhältnis zum 1. FC Union: Wie geht Hertha damit um, dass die Köpenicker als der hippere Verein gilt?“

PB: „Wer hipper ist, das interessiert uns nicht. Dazu muss ich sagen, dass wir die aufgebauschte Rivalität zwischen beiden Vereinen kritisch sehen. Die Zusammenarbeit der beiden Presseabteilungen zum Beispiel funktioniert sehr gut. Und wir haben uns auch abgesprochen, welche Geschichten wir vor dem Derby mit der Presse machen und welche nicht.“

20.50 Uhr Die Angst vor der Fahrstuhlmannschaft: Welches Konzept hat Hertha, dass das nicht passiert?

PB: Ein entscheidender Punkt dafür, dass uns das nicht passiert, ist unser gradioser Trainer, Jos Luhukay. Er wird unsere Mannschaft weiter bringen, daran glauben wir fest. Jemand im Blog hat geschrieben, dass er der Königsttransfer im Sommer war. Und das stimmt auch. Aus unserer Sicht als Medienabteilung kann ich sagen: Wir hoffen, dass er uns noch sehr lange erhalten bleibt.“

20.55 Uhr Thema Image in Berlin: Kieztour. Das wurde sehr gut angenommen. Wird das weitergeführt?

PB: „Die Kieztour wird weitergehen. Das ist eine perfekte Möglichkeit, uns zu präsentieren. 2013 sind 5 Kieztrainingseinheiten geplant. Darüber hinaus wird es andere Termine geben, z.B. rund um das Thema Käfigfußballplätze. Das ist ein klares Bekenntnis des Vereins: Wir wollen die Stadt so nehmen, wie sie ist, nämlich großartig. Mit diesen Veranstaltungen wollen wir das auch zeigen.“

21.07 Uhr Wortmeldung aus der Runde: „Uns fehlen ein, zwei Generationen Hertha-Fans aus den 80er und 90er Jahren, als Hertha noch weng erfolgreich war.“

21.15 Uhr Frage von euch an PB weitergegeben: Wann fängt Hertha an, das Beste an Berlin, nämlich den Humor, einzusetzen, um das Image des Vereins aufzubessern?

PB: „Wir haben in dieser Saison aufgrund der fehlenden Mittel wenig gemacht. Ich denke, wenn wir aufsteigen, können wir wieder mehr Aktionen machen. Fakt ist aber: Es gab und gibt viele Situationen, in denen wir uns mit mehr Humor nehmen können. Aber Fakt ist auch: Wir nehmen das, was wir machen, sehr ernst. Nach den beiden Abstiegen ist es auch für uns schwer gewesen, irgendetwas easy zu sehen. Das waren brutale Jahre. Richtig ist: Es muss wieder etwas mehr Leichtigkeit rein. Da können wir auch von euch viel Inspiration gebrauchen.“

Versprechen zum Schluss: Wer von euch noch Fragen hat, der darf sie an PB per Mail schicken. Er versucht sie, zeitnahe zu beantworten.

Die Runde bedankt sich mit einem kollektiven Klopfen auf die Holztische. Wir von Immerhertha bedanken uns ebenfalls bei PB und AG für den angenehmen und sehr informativen Abend. Danke auch an euch fürs Mitlesen und Kommentieren.

Anregungen von euch: Wie hat euch das Treffen mit Herthas Medienabteilung gefallen? Es konnten natürlich nicht alle Fragen beantwortet werden. Würdet ihr euch wünschen, dass wir den Abend wiederholen? Würde es euch interessieren, wenn ein solches Treffen auch einmal mit einem Spieler oder einem anderen Verantwortlichen stattfinden würde?