Klinsmann macht Morales Beine

(ub) – Soweit alles gut: Peter Niemeyer war bei der intensiven Laufeinheit in der Stammmannschaft dabei. Jene Elf, die am Mittwoch gegen die U23 0:2 verloren hatte, absolvierten mit Cotrainer Rob Reekers ein längeres Auslaufen.

Trainer Jos Luhukay sagte, dass Peer Kluge heute Nachmittag läuft und morgen/Freitag mit der Mannschaft trainieren will:

„Wir haben noch Hoffnung, dass es für Montag reicht.“

Kluge will – ungeachtet seines Bänderanrisses am Sprunggelenk – beim Derby gegen den 1. FC Union im ausverkauften Olympiastadion unbedingt dabei sein. Ich bin medizinischer Laie, mich mutet das Vorhaben ambitioniert an.

Habe nach dem Training mit Alfredo Morales (22) geplaudert. Der war als Sechser der U23 in dem internen Test „der beste Mann auf dem Platz“, so Trainer Luhukay (Fotos: ub).

„Oh, das hat er gesagt“, war Morales ein wenig verlegen. Beim Test hatte er (Nr. 27) die weiteren Anwärter wie Levan Kobiashvili (Nr. 3) oder Marvin Knoll locker in den Schatten gestellt.

Und wir dürfen bei dem Trainer-Lob mal einen Moment anhalten. Die Einsatz-Statistik von Morales bei Hertha weist nach 20 Zweitliga-Spielen null Saisonminuten auf. Aus Höflichkeitsgründen wollen wir an die eine Pokal-Halbzeit in Worms im vergangenen August nicht erinnern. Das sieht aus wie ein klarer Fall von ‚Gewogen – und für zu leicht befunden‘.

Aber Fußball ist auch immer im Fluß. Hertha hat, mit Blick auf die angeschlagenen Niemeyer und Kluge, Bedarf im defensiven Mittelfeld. Morales erzählte von seinem dreiwöchigen Lehrgang in Los Angeles bei der US-Nationalmannschaft.

„Das war toll. In Kalifornien ist es etwas wärmer als hier. Aber es war brutal anstrengend. Jeden Tag zwei Mal Training. Es ist ja bekannt, dass die Amerikaner gute Fitnesstrainer haben, das hat schön geschlaucht.“

Der Traum von der WM 2014 in Brasilien

Morales hat mit den besten Spielern der Major League Soccer (MLS) trainiert.

Der Stil ist so, wie man das kennt: Immer mit viel Einsatz und hohem Tempo.

Jürgen Klinsmann habe ihm gesagt, dass er von Woche zu Woche besser und selbstbewusster geworden sei. Er habe Morales aber auch mit auf den Weg gegeben:

„Mit der US-Nationalmannschaft wird es nur etwas, wenn du Stammspieler im Verein bist.“

Also hat Morales Trainer Luhukay nach seiner Rückkehr gesagt, dass das sein Ziel sei. Er werde Gas geben. Auch wenn ein internes Trainingsspiel mit Vorsicht zu bewerten ist: Von der Dynamik her, vom Antritt, vom Spieltempo und der Übersicht war Morales beeindruckend. Und mittlerweile schafft er es, seine Beweglichkeit mit einer besseren Körperspannung zu versehen.

Morales im Derby-Fieber

Wenn man mit ihm über seine Ziele spricht, wird es etwas paradox. Morales sagt, er habe in LA viel gelernt. So war das Thema Ernährung wichtig, das professionelle Leben außerhalb des Platzes. Und natürlich hat jeder Profi, der derzeit im US-Team unterwegs ist, die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien vor den Augen. Morales sagt, die WM sei sein Traum. Gleichzeitig weiß er aber, dass er bei einem deutschen Zweitligisten nichtmal Stammspieler ist. Beim Stichwort Derby leuchten seine Augen.

„Für mich als Berliner ist das ein besonderes Spiel.“

Angesprochen darauf, ob er von den Personalproblemen im defensiven Mittelfeld profitieren könnte, sagt Morales.

„Das Mittelfeld ist meine Position, da fühle ich mich am wohlsten. Aber Peter und Peer sind total wichtige Spieler für uns. Ich hoffe, dass sie Montag spielen können. Und ich bin gerade ein paar Tage zurück. Ich stelle mich nicht hin und formuliere irgendwelche Ansprüche.“

Meine Prognose: Morales steht Montag im Hertha-Kader. Eure Meinung?