Der Scheich kommt gleich - Hertha und der Großinvestor

(ub) – Reden wir über das noch nicht geschriebene Geschichtsbuch über Hertha BSC. Kapitel ‚Unerfüllte Träume‘. Nein, es geht nicht um den DFB-Pokal. Sondern um den Großinvestor. Genauer gesagt, die seit 2002 anhaltende Suche nach einem Großinvestor. Was unter dem damaligen Manager Dieter Hoeneß begann, hat sich heute in der Führungskonstellation Gegenbauer(Präsident)/Preetz(Manager)/Schiller(Finanzchef) nicht geändert. Die Größenordnung wird schwindelerregend sein: Es geht um Summen von 75 Millionen Euro aufwärts. Und die Frage: Wer soviel Geld investiert, wieviel Einfluss will der nehmen? Und unabhängig von der genauen Sume: Welchen Gegenwert für einen Investor kann Hertha eigentlich leisten? In den vergangenen zehn Jahren war die Suche nicht vom Erfolg gekrönt. Aber aktuell hat Manager Michael Preetz, angesprochen auf die Verbindlichkeiten von 42 Millionen Euro, einmal mehr betont:

Um diese Spirale zu durchbrechen, brauchen wir auch Geld von außerhalb.

Für Euch haben sich, Trommelwirbel und Immerhertha-Tusch, @sunny und @Dan mit dem Thema befasst. Es beginnt der Erstgenannte.

(@sunny) – Wir streiten uns über Spieler und Trainer, über Manager und Präsidenten, mal mehr, mal weniger, doch ein Thema ist unumstritten: die schlechte wirtschaftliche und finanzielle Situation unseres Vereins Hertha BSC. Allein die Verbindlichkeiten belaufen sich laut Finanzchef Ingo Schiller zum 30. Juni 2012 auf 42 Millionen Euro. Wir wissen um die Notwendigkeit des Einstiegs eines Großinvestors.

Mehr Hopp? Oder doch mehr Abramowitsch?

Doch welche Art von Großinvestor wünschen wir uns? Einen strategischen Partner wie bisher die Deutsche Bahn? Einen Finanzier also, der den Verein in Ruhe arbeiten lässt, aber sicher nur begrenzt investieren wird. Oder einen der mehr in die Richtung Abramowitsch, Hopp und Mateschitz, der sich in die Belange des Vereins einmischt, dafür jedoch öfterstief in ihre Geldschatulle greifen. Oder wird es hinauslaufen auf einen Konzern, mutmaßlich aus dem entfernten Ausland, der in Deutschland Marktanteile und Popularität erlangen will. Von der Hauptstadt aus und mit der beliebtsten Sportart im Land, dem Fußball. Der Konzern, der Scheich, wer auch immer, denkt in Milliarden-Größenordnungen und vor allem perspektivisch. Mit Hertha BSC ist er vorab wenig bis gar nicht verbunden.

Geld stinkt nicht. Oder doch?

Den Idealpartner der sich nicht einmischt und die Geldschatulle öffnet, wird es nicht geben. Und wenn, wird der sich kaum bei Hertha BSC melden. Habt ihr moralische Grenzen bei einem solchen Investor? Also darf es niemand sein der Waffen produziert oder Atomstrom? Was ist mit der Wettspiel-Industrie? Oder darf es niemand aus China sein, den arabischen Ländern oder ein Oligarch aus dem ehemaligen Ostblock insbesondere Russland? Wie verhaltet ihr euch, wenn diese moralischen Grenzen vom Verein überschritten werden?

Getreu der alten Blog-Weisheit ‚zwei Meinungen sind besser als eine‘ hat sich auch @Dan mit der Causa befaßt. Tusch, sein Auftritt:
(@Dan) – Wir als Fans blicken wahrscheinlich schon lange nicht mehr durch, wie sich Hertha BSC finanziert. Simple Rechenspielchen wie TV-Gelder, Zuschauereinnahmen, Transfererlöse und Sponsoring gegen die Spielbetriebskosten und Personalkosten sowie Vereinsgelände mit Jugendkosten gegenüber zu stellen, sind vorbei. Wir müssen uns mit Abschreibungen,Verpfändung, Rechteabtritten, unbekannte Mäzen, Fananleihen und sonstige Finanzzaubertricks auseinandersetzen, wenn wir da durchblicken wollen. Doch meist fehlen die Informationen oder Jahre später gibt es mal Info-Häppchen.

Wo landet das Geld vom neuen TV-Vertrag: Bei den Spielern oder bei Hertha?

Von Herrn Schiller und Herrn Preetz vernimmt man dieser Tage in Interviews, dass der “Teufelskreis” der derzeitigen finanziellen Misere nur durch fremdes Geld durchbrochen werden kann.
Auch die Hoffnung auf einen dicken Happen durch die neuen Fernsehgelder im nächsten Bundesligajahr scheint nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein, sondern eher ein Problemaufschub.
Wie stellen wir uns aber dieses “Fremde Geld” oder “Investor” vor? Woher kommt er? Warum? Was will er/sie für sein/ihr Geld? Was wäre der Idealfall in einer Partnerschaft? Was wären wir als Fans und Mitglieder bereit aufzugeben? Wie sieht die richtige Strategie mit fremden Geld aus? Warum wurde er früher nicht gefunden, als man noch Bundesligist war? Fragen über Fragen.