Vereine stimmen am Mittwoch über DFL-Sicherheitskonzept ab – Hertha wartet noch

(mey) – Das Thema der Woche ist das umstrittene Sicherheitskonzept der DFL, über welches zum Teil am Mittwoch die 36 Profiklubs der 1. und 2. Liga in einer Vollversammlung in Frankfurt abstimmen werden. Anders als gemeinhin angenommen, wird allerdings nicht über das gesamte Sicherheitskonzept abgestimmt, sondern über 16 Einzelanträge. Dabei dreht es sich um Änderungen in der Lizenzordnung, für die eine Zweidrittelmehrheit nötig ist, sowie um Änderungen der Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit, wie es in dem 37-seitigen Antragspaket heißt. Für jeden einzelnen Antrag sind Zustimmung, Ablehnung oder Enthaltung möglich.

Am Wochenende haben die mitgereisten Herthafans in Paderborn noch einmal gezeigt, wie sie zu dem Vorhaben der Liga stehen. Mit einem Transparent „Tennis-Publikum, nicht mit uns“ und aufs Spielfeld geworfenen Tennisbällen sowie Papierrollen und einem Knallkörper, haben die Anhänger ihren Unmut kundgetan.

Jeder von euch muss entscheiden, was er von derartigen Protestaktionen hält. Förderlich für die Diskussion war die Aktion vom Sonnabend meiner Meinung nach nicht, denn sie radikalisiert die Debatte nur und führt letztlich dazu, dass sich die Hardliner bestätigt sehen.

Gespenstische Stille

Egal wie man zu den Forderungen der Initiative 12:12 stehen mag, diese Form des stillen Protestes zu Beginn der letzten drei Spieltage hat mich wesentlich mehr beeindruckt. Man hat einen Eindruck davon bekommen, wie wichtig Fankultur für diesen Sport ist. Gespenstisch war das in Paderborn, als man jedes Wort der Spieler auf dem Platz hören konnte.

Bei Hertha BSC hat man sich vorgenommen, vorerst keine Wasserstandsmeldungen darüber abzugeben, wie der Verein sich am Mittwoch entscheiden wird. Mediendirektor Peter Bohmbach sagte mir heute:

„Hertha BSC hält es bei Themen wie diesen stets so, nicht vor einer Sitzung sondern danach Stellung zu nehmen.“

Vertreten wird der Hauptstadtklub am Mittwoch in Frankfurt von Finanzvorstand Ingo Schiller und Geschäftsstellenleiter Thomas Herrich.

Auch der Stadtrivale 1. FC Union, der sich ja als erster Klub öffentlich gegen die Pläne der DFL gestellt hatte, hat noch kein abschließendes Signal darüber gesendet, wie man sich verhalten wird. Aber man sehe positiv, dass es deutliche Verbesserungen zum anfänglichen Papier gegeben habe.

Wie seht ihr das?

Weil man sich als Sportjounalist ja nicht immer auf seine eigene Meinung verlassen sollte, würde ich hier gern die Gelegenheit nutzen, um euch nach eurer Meinung zu dem ganzen Komplex zu fragen. Wo seht ihr die größten Probleme bei dem Sicherheitskonzept? Sind es die Sicherheitskontrollen vor dem Stadion, die Videoüberwachungen, oder dass eine ganze Anhängerschaft in Sippenhaft für die Taten einzelner genommen wird?

Was befürchtet ihr? Und was wäre der Idealfall?

Sportlich geht es morgen um 14.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz für die Herthaprofis weiter. Nach zwei freien Tagen beginnt morgen die Vorbereitung auf das letzte Spiel des Jahres gegen den „Reizgegner“ (O-Ton Jos Luhukay) FSV Frankfurt.

Noch eine Leseempfehlung für den Frühstückstisch: Mein Kollege Michael Färber hat in der Morgenpost für euch einmal aufgeschrieben, worum es bei der Debatte um das Sicherheitskonzept der DFL eigentlich geht, und welche Szenarien drohen. Dazu findet ihr morgen ein, meiner Meinung nach, interessantes Porträt eines Herthaner Bankangestellten, der einen der schwierigsten Jobs bei den Berlinern hat.

P.S. Tabellenführer Eintracht Braunschweig trotzt nach einer dramatischen Partie dem 1. FC Köln noch ein 2:2 ab. Hertha liegt bei einem ausstehenden Spiel in diesem Jahr (gegen den FSV Frankfurt) nur noch zwei Punkte hinter Braunschweig (empfängt kommenden Montag den 1. FC Union) – Tabelle hier.