Luhukays Dilemma oder: Allagui nach der Riesenchance: "Ich wollte ihn reinwuchten"

(mey) – Zu Beginn eine traurige Nachricht: Herthas Trainer Jos Luhukay fehlte heute beim obligatorischen Auslaufen, das die Berliner im Rahmen der Aktion „Hertha hautnah“ diesmal beim SV Tasmania im Werner-Seelenbinder-Sportpark in Neukölln absolvierten. Der Schwiegervater des 49-Jährigen ist verstorben und Luhukay war auf dem Weg zu seiner Familie in die Niederlande. Unsere Gedanken sind bei ihm.

Zum Spiel gestern: Es war ja eine seltsame Partie gegen den auswärtsstarken FC Ingolstadt. Erstmals in dieser Saison konnte Hertha keinen eigenen Treffer erzielen. Obwohl es ein paar feine Gelegenheiten gegeben hatte, gingen die Berliner diesmal leer aus – und, das sollte man an dieser Stelle jedoch auch hervorheben, blieben selbst mal wieder ohne Gegentreffer. Das Positive: Hertha hat die Abwehr endgültig stabilisiert und kassierte in den vergangenen vier Spielen nur einen einzigen Gegentreffer.

Das Stürmer-Problem

Das Negative aber ist: Hertha hat zumindest gestern Abend die nötige Zielstrebigkeit vor dem Tor vermissen lassen. Und das hat aus meiner Sicht besonders auch mit der Systemumstellung, die Luhukay vorgenommen hatte, zutun. Der Niederländer stellte von dem zuletzt erfolgreichen 4-2-3-1 mit nur einer Sturmspitze auf ein 4-4-2 um und ließ Sandro Wagner neben Adrian Ramos von Beginn an auflaufen. Vielleicht erinnert ihr euch daran, dass ub und ich unter der Woche spekuliert hatten, dass Luhukay für den gelbgesperrten Kapitän Peter Niemeyer den erst 17 Jahre jungen (mit Gruß an ub) Hany Mukhtar aufstellen könnte. Diese Idee kam nicht von ungefähr. Der Trainer hatte uns im Interview vor ein paar Tagen erklärt, dass sein präferiertes System eigentlich das mit nur einer einzigen Sturmspitze sei, da dadurch der Brasilianer Ronny als Spielgestalter dahinter seine Stärken am besten ausspielen könne. Mehr Angreifer bedeuten nicht zwangsläufig auch mehr Angriffskraft, waren seine Worte.

Gestern hat sich Luhukay aus unserer Sicht zu einer anderen Lösung „drängen lassen“ (vielleicht auch nur von der Faktenlage). Denn er steckt in einem Dilemma: Er verfügt über drei für die Zweite Liga überdurchschnittlich gute Angreifer (und im Winter kommt mit Pierre-Michel Lasogga noch ein weiterer dazu), hat aber oft nur eine Position zu besetzen. Gegen Igolstadt ließ er nun also zwei Stürmer auflaufen, ohne aber auf seinen Spielgestalter Ronny auf der „Zehn“ zu verzichten. Obwohl der Brasilianer eigentlich auf der „Doppelsechs“ neben Peer Kluge aufgestellt war, fiel auf, dass er zumeist die Vorwärtsbewegung suchte und beim Rückwärtsgang meistens nicht die letzten Meter machte. Dadurch ergaben sich immer wieder riesige Lücken im Berliner Mittelfeld, die Kluge allein nicht zulaufen konnte und die die Ingolstädter immer wieder zu gefährlichen Kontern nutzen. Erst als Luhukay Mitte der zweiten Halbzeit auf 4-2-3-1 umstellte, ging von den „Schanzern“ kaum noch Gefahr aus.

Allagui ärgert sich

Darüber hinaus führten diese großen Abstände dazu, dass die Herthaner gestern viel zu häufig mit langen Bällen in die Spitze agierten, die aber von Ramos und Wagner nicht gut genug verarbeitet werden konnten. Als Luhukay umgestellte, hatte der eingewechselte Sami Allagui dann auch noch die große Chance zum Siegtreffer, als er etwas unglücklich am Knie des Ingolstädter Torwarts scheiterte. Der immer noch geknickte Allagui sagte heute:

„Das Ding muss ich machen. Ich habe mich riesig geärgert. Normalerweise schiebe ich den Ball am Torwart vorbei, aber ich kam gerade erst rein und wollte ihn einfach reinwuchten.“

Hätte Allagui das Tor gemacht, hätte heute vielleicht niemand mehr über Systeme debatiert. Daran sieht man, wie dicht manchmal Erfolg und „Misserfolg“ beieinander liegen und Fußball eben ein Sport ist, bei dem winzige Details entscheiden.

Dennoch würde ich hier gern eure Meinung wissen: Wie hat euch das System mit zwei Stürmern gefallen, dass ja beim furiosen 3:0 gegen 1860 München zum Beispiel gut funktioniert hat? Wie würdet ihr in Sandhausen spielen lassen? Und ist euch wie uns aufgefallen, dass Peter Niemeyer als Antreiber und Ordner im Mittelfeld gestern enorm gefehlt hat?

Ein kleines Quiz

Als Bombon gibt es heute zum Abschluss noch ein kleines Quiz (dessen Urheber – das muss an dieser Stelle hervorgehoben werden – der Kollege Fiebrig vom Kurier ist): Welche Hertha-Legende war einmal Trainer beim SV Tasmania, bei dem Hertha heute zu Gast war? Auflösung gibt es morgen.

Ps: Nicht aktiv beim Auslaufen dabein waren heute Fabian Holland, den eine Oberschenkelzerrung plagt, und Elias Kachunga (Pferdekuss). Etwas angeschlagen war wohl auch Torwart Thomas Kraft, der aber trotz einer Knöchelprellung mittrainierte.

Pps: Morgen haben die Herren trainingsfrei. Am Montag geht es dann um 14.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz weiter. Dann beginnt die Vorbereitung auf das Spiel in Sandhausen am kommenden Freitag.