Hertha und Pezzoni beschnuppern sich. Was wird aus Brooks?

(mey) – In Köln gemobbt, in Berlin bald gebraucht? Kevin Pezzoni wird am Dienstagmorgen um 10 Uhr das erste Mal mit der Mannschaft von Jos Luhukay trainieren. Pezzoni wird für euch kein Unbekannter sein. Spätestens nach der unter kuriosen/traurigen Umständen entstandenen Vertragsauflösung beim 1. FC Köln ist der 23 Jahre alte Defensiv-Allrounder ein Begriff. In Köln war Pezzoni zunächst von den eigenen Anhängern gemobbt und bedroht worden und später wurde ihm sogar in seiner Wohnung von Unbekannten aufgelauert. Ihr habt die Geschichte, die bundesweit eine Diskussion über Fangewalt ausgelöst hatte, sicherlich noch im Gedächtnis.

Nun also heißt es von Hertha-Seite, man wolle sich in den kommenden 12 Tagen der Länderspielpause kennenlernen und schauen, ob eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem vereinslosen Spieler vor dem Hintergrund der Verletztenmisere in der Defensive Sinn machen würde. So sagte Herthas Manager Michael Preetz zu dem Unterfangen:

„Gerade im Abwehrbereich sind nach den langfristigen Verletzungen von Maik Franz, Felix Bastians und Christoph Janker sowie dem kurzfristigen Ausfall von Roman Hubnik zuletzt gegen 1860 München die Alternativen für von Trainer Jos Luhukay leider geringer geworden. Kevin Pezzoni bestritt beim ersten 1. FC Köln die gesamte Saisonvorbereitung und absolvierte dort bereits zwei Zweitliga-Einsätze. Wir wollen deshalb die Chance der Länderspielpause in den kommenden 12 Tagen vor unserem nächsten Spiel in Bochum nutzen, um gemeinsam mit Kevin Pezzoni zu prüfen, inwieweit eine Zusammenarbeit beiden Seiten dienen könnte.“

Pezzoni selbst ließ wissen, dass „Hertha BSC ein Topverein ist und eine sehr gute Perspektive“. Und:

„Ich freue mich darauf, bei Hertha BSC wieder auf sehr hohem Niveau, unbelastet trainieren zu können. Am Ende der nächsten Tage werden wir sehen, wie es weitergeht. Wenn ich den Herthanern helfen könnte, würde ich dies sehr gern tun.“

Nun ist die Überlegung, sich einen Mann wie Pezzoni, der immerhin über Bundesligaerfahrung mit dem FC verfügt und auf dem Markt ist, zumindest einmal genauer anzusehen, ja nachvollziehbar. Vor allem, wenn man sich das Verletzungspech der Berliner besonders auf der so wichtigen Position im Abwehrzentrum vor Augen hält. Michael Preetz, der für die Zusammenstellung des Kaders hauptverantwortlich ist, hat ja gesagt, dass ihm die Personaldecke mit Roman Hubnik und John Anthony Brooks als gelernte Innenverteidiger und dem in dieser Saison als Abwehrspieler zwar starken aber eben in der Vergangenheit auch immer verletzungsanfälligen Fabian Lustenberger eigentlich zu dünn ist. Was haltet ihr von der Personalie? Glaubt ihr, Pezzoni – wenn er denn auch verpflichtet wird – könnte Hertha weiterhelfen?

So sehr ich die Bedenken von Preetz teilen kann, so schade fände ich eine Pezzoni-Verpflichtung für John Anthony Brooks. Der 19-Jährige hat gegen die „Löwen“, die immerhin einen gewissen Benjamin Lauth in ihrer vordersten Reihe aufgestellt hatte (vier Saisontore), eine hervorragende Leistung gezeigt. Sein Kapitän Peter Niemeyer lobte ihn nach der Partie mit den Worten: „Wenn einer ausfällt, dann haben andere die Chance und im besten Fall wird er dann so ersetzt, wie Jay es heute getan hat.“ Dabei soll allerdings nicht unterschlagen werden, dass Brooks vor dem „Löwen“-Spiel bereist zwei Startelfeinsätze im Abwehrzentrum hatte. Und beides Mal sah Hertha alles andere als gut aus und kassierte gegen Paderborn (2:2) und Frankfurt (1:3) fünf Gegentreffer – so viele, wie in den sieben Partien danach insgesamt. Daran war nun nicht Brooks allein schuld, aber es dürfte Luhukay dennoch im Hinterkopf geblieben sein.

Ein wenig erinnert mich der Deutsch-Amerikaner ja an einen anderen Herthaner, der es mittlerweile nicht nur zum FC Bayern sondern auch in die Nationalmannschaft geschafft hat: Jerome Boateng. Beide sind ähnlich schlaksig und gleichermaßen elegant in ihrer Spielweise. Und beide sind eher physisch starke Spieler, die dennoch einen passablen Spielaufbau hinkriegen (darüber hinaus sind beide ähnlich einsilbig aber dennoch sympathisch in ihren Interview-Antworten). Umso bitterer wäre es, wenn Brooks nun einen mehr oder weniger gestandener Mann wie Pezzoni vor die Nase gesetzt bekommen würde. Das würde seiner Entwicklung sicherlich nicht förderlich sein, denn man muss ja auch bedenken, dass Maik Franz und Felix Bastians irgendwann wieder zurückkommen werden und dann ist da ja auch noch Christoph Janker. Mit Pezzoni wäre Brooks möglicherweise nur noch Nummer vier, fünf oder sechs in der Abwehrhierachie. Oder wie seht ihr das?

Morgen ist übrigens noch einmal trainingsfrei. Wer des Hebräischen mächtig ist, kann sich auf Twitter ein Bild darüber machen, wie unzufrieden Herthas israelischer Stürmer Ben Sahar mit seiner Reservistenrolle bei Hertha ist, die ihm derzeit seinen Platz in der Nationalmannschaft kostet.

https://twitter.com/Bensahar11