Luhukay platzt der Kragen

(mey) – Beim letzten öffentlichen Training der Hertha-Profis auf dem Schenckendorff-Platz ging es heute ziemlich lautstark zu. Nachdem sich die Herren warm gelaufen hatten und mit ein paar Ballübungen den richtigen „Touch“ suchten, bat sie Luhukay zu einem Dreiecks-Parkour, wo er schnelles und genaues Passspiel sehen wollte. Nur schienen das einige der Profis nicht ganz so ernst zu nehmen mit der Schnelligkeit und Genauigkeit. Der Trainer sah sich das 20 Minuten an, dann platzte ihm der Kragen: „Es kann nicht sein, dass hier einige immer wieder das Hütchen umschießen“, brüllte der 49-Jährige.

Auf einen hatte er sich ganz besonders eingeschossen: Ben Sahar. Der israelische Zugang wurde stellvertretend für die ganze Mannschaft angepflaumt. Das saß. Danach lief das Ganze etwas zügiger und als „Belohnung“ gab es zum Abschluss noch ein paar Steigerungsläufe zwischen den 16-Meter-Räumen.

Luhukay hat wohl keine Lust, vor dem schweren Auswärtsspiel am kommenden Samstag in Kaiserslautern auch nur irgend einen Ansatz von Zufriedenheit bei seinen Spielern aufkommen zu lassen. Nach dem Training sagte er: „In den technischen Fähigkeiten liegt die Basis, um sich zu verbessern.“ Dass seine Mannschaft dies offenbar nicht ganz so ernst nahm, regte den Niederländer sichtlich auf. Was meint ihr: Ist das die richtige Art, mit dem Team umzugehen?

Ohnehin scheint der Coach ein ziemlich gutes Gespür für das Befinden seiner Spieler zu haben. Zuletzt hatte er das ja bei dem selbstzweifelnden Adrian Ramos unter Beweis gestellt, den er mit Streicheleinheiten und Vorführung seiner Tore im Herthatrikot motivierte. Dass Ronny nach seiner guten Leistung gegen Aalen (er ist derzeit mit drei Toren und einer Vorlage der gefährlichste Herthaakteur) ebenfalls ein paar verbale Streicheleinheiten verdient hatte, spürte Luhukay offenbar auch. Er lobte heute den Brasilianer, der in der Vergangenheit bekanntlich ja nicht immer so schlank daher kam wie in dieser Saison: „Er hat sich im Training gequält und verfügt inzwischen über eine super Fitness“, fand Luhukay.

Vor drei Wochen gab es vom Trainer ja noch eine Predigt für Rafaels kleinen Bruder. Seitdem soll er nun mit einem Mentaltrainer zusammen arbeiten und sein Vater Caetano ist zur Unterstützung in Berlin. Und plötzlich blüht der 26-Jährige auf, was Luhukay wohlwollend zur Kenntnis nimmt. Spielt Ronny in den kommenden Partien ebenso gut wie zuletzt, könnte dem Mittelfeldspieler endlich der langersehnte Durchbruch bei den Berlinern gelingen.

Gestern fragte ich ihn, ob er mit Luhukay besser zurecht komme, als mit dessen Vorgängern. Diplomatisch antwortete er: „Ich will hier keine Namen nennen, jeder hat seinen Arbeitsstil und ich habe jeden respektiert. Aber zurzeit bekomme ich mehr Spielzeit als früher und da will ich weiter machen.“ Ronny scheint auf einem guten Weg zu sein, Hertha beim großen Ziel Aufstieg helfen zu können. Glaubt ihr, dass er in diesem Jahr ein wichtiger Spieler für die Berliner sein wird?

Aus Hertha-Sicht erfreulich ist, dass sich Marvin Knoll wieder auf dem Weg der Besserung befindet und heute zumindest Lauftrauining absolvieren konnte. Er zog ebenso seine Runden auf dem grünen Rasen wie Shervin Radjabali-Fardi. Nicht dabei war dagegen Elias Kachunga. Ihn hatte Luhukay aus familiären Gründen freigestellt.

Morgen und am Freitag wird das Training wie üblich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, bevor sich die Mannschaft dann Richtung Kaiserslautern aufmacht.