Hertha zwischen einem Torwartheld, einer Strafanzeige, 20 Farbbeuteln und dem Podcast

(ub) – Mittwoch nach dem Derbysieg. Die Mannschaft genießt einen freien Tag. Zum 2:1 von Hertha im Forsthaus es eine interessante Analyse bei Spielverlagerung.de, die hier zu finden ist. Insgesamt wird aber eher wenig über Sport geredet nach der Stadtmeisterschaft. Sondern über Farbbeutel. Über Strafanzeigen. Und feiernde Wessis in der Alten Försterei.

Wir Medien, die Morgenpost mittendrin, ziehen die Themen groß. Wenn ich mir die Diskussionen hier bei uns im Blog anschaue: Ihr habt zu all‘ diesen Themen dezidierte Meinungen. Unterschiedliche Meinungen. Verlinke hier auf den Beitrag der Blogkollegen von ‚Schuss.Tor.Hinein!‘ mit dem schönen Titel NOT IN MY NAME (von wem ist das Zitat: Ghandi? Martin Luther King? . . . ).

Und bin bei aller Intensität etwas ratlos. Was passiert gerade: Wer interessiert sich eigentlich noch für den Sport? Ich sehe nach wie vor eine Reihe von Fragen zum Derby, über die man sich austauschen kann: Ist Sascha Burchert doch ein Guter? Wie nimmt Sami A. den erneuten Rüffel vom Trainer hin? Maik Franz hat im zweiten Spiel die zweite gelbe Karte gesehen, beides mal nicht für ein Foulspiel. Sondern wegen Meckern. Wird ‚Iron-Maik‘ jetzt zur Quasselstrippe?

Oder sind die oben aufgeführten Themen ein Beleg dafür, dass sich im Mikrokosmos Fußball unsere gesamte Gesellschaft spiegelt. Mit ihrer Faszination, aber auch ihren Problemen.

– Das Thema die Mauer-in-Köpfen, die auch 23 Jahre danach noch ein Thema ist.

– Das komplexe und sperrige Thema Glücksspiel/Wettsucht/Milliarden-Geschäft. Das Landeskriminalamt hat ermittelt, nun liegt eine Strafanzeige gegen Hertha vor wegen des Vertrages mit dem Wettanbieter Cashpoint. Deren Geschäftsführer Michael Wondra sagt:

„Es kann doch nicht sein, dass etwas, was in Kiel erlaubt ist, in der Hauptstadt verboten sein soll. Diese Kleinstaaterei ist mit einem modernen Staat eigentlich nicht vereinbar. Dies hat Hertha nicht verdient und sollte sich als Traditionsclub auch nicht gefallen lassen. Wir haben auf Hertha gesetzt und werden dies auch in Zukunft mit voller Überzeugung tun.“

Das ist aber nur eine Stimme, es gibt andere. Und dieses Thema wird die Profivereine noch einige Zeit beschäftigen.

– Die ‚Affäre Farbbeutel‘ mit der Diskussion, wieso einige „Fans“ mittlerweile meinen, Fußballspielern (Pezzoni, Bauer, Pogatetz) oder im Fußball Tätigen wie Union-Pressesprecher Christian Arbeit im Privatleben irgendwelche Lektionen erteilen zu müssen. Da spielt der Spagat rein, den Vereine leisten müssen, um Nestwärme bei ihren Anhängern zu erzeugen (Fahne pur, Kulturkampf-Shirts usw.). Und andererseits Geschäftsinteressen, um das teure Profigeschäft am Laufen zu halten. Deshalb die zersiedelten Spieltage mit den vielen verschiedenen Anstoßzeiten usw. Je kommerzieller der Fußball wird, je öfter die Profis ihren Arbeitgeber wechseln, umso mehr graben sich einige Fans ein. In einem Rückzugsgebiet, in dem der eigene Verein einen quasi-religösen Status erhält.

Das Verhältnis zu Union ist besser als erwartet

Im übrigen ist für mich eine der Erkenntnisse: Wie Hertha auf die ‚Affäre Farbbeutel‘ reagiert hat und wie wohlwollend Unions Pressesprecher die Hertha-Reaktion reagiert – auf offizieller Ebene ist das Verhältnis besser als man annehmen könnte.

Denen, die sich heute Abend im ‚Leuchtturm‘ treffen viel Spaß. Ich bin nachher auch verabredet, um über Fußball zu sprechen. Über das Derby, um genau zu sein. Das ganze wird als Podcast für Textilvergehen.de aufgezeichnet. Ich lasse Euch wissen, wo Ihr es Nachhören könnt . Verbunden mit Aufforderung in den ‚Leuchtturm‘: Stellt ein Mikrofon auf den Tisch. Zeichnet Eure Fachsimpelein auf. Dann könnten wir hier einen immerhertha-Podcast veröffentlichen. Damit @hurdie auch im Japan-Urlaub weiß, was bei Hertha abgeht.